3. März 2020 05:09

Politik

100 Jahre Kärntner Volksabstimmung - Festakt in Klagenfurt

Dieses Jahr wird in Kärnten das 100. Jubiläum der Volksabstimmung von 1920 gefeiert. Damals entschieden sich rund 59 Prozent der Bevölkerung Südkärntens für den Verbleib bei Österreich, und das obwohl rund 70 Prozent der Bevölkerung in der sogenannten Abstimmungszone I slowenischer Muttersprache waren. Den Auftakt der Feiern bildet am Dienstag ein Festakt im Klagenfurter Landhaus.

Der Klagenfurter Historiker und Journalist Hellwig Valentin hat die Geschichte von Abwehrkampf und Volksabstimmung ins Zentrum seiner Forschungen gestellt und mehrere Publikationen dazu veröffentlicht. Die ganze Geschichte fußt auf der Niederlage Österreichs im Ersten Weltkrieg. Schon im Oktober 1918 forderte etwa der slowenische Nationalrat in Laibach "das ganze Gebiet des jetzigen Herzogtums Kärnten". Später reduzierte Jugoslawien seine Gebietsforderungen auf etwa ein Drittel der Landesfläche, in der allerdings etwa die Hälfte der Bevölkerung wohnte. Diese Pläne riefen in Kärnten heftigen Widerstand hervor.

Nachdem slawische Truppen im Herbst 1918 mit der Besetzung südlicher Landesteile begannen, beschloss die Kärntner Landesversammlung den bewaffneten Widerstand, Oberstleutnant Ludwig Hülgerth wurde mit dem militärischen Oberkommando betraut. Allerdings befürchtete die Regierung in Wien eine Verletzung des inzwischen abgeschlossenen Waffenstillstands, daher wurde die Weisung erteilt, den allgemeinen Einberufungsbefehl für Kärnten zurückzunehmen. Bewaffneter Widerstand wurde verboten. Trotzdem kam es schon im Dezember 1918 zu ersten Geplänkeln.

Laut dem Historiker Wilhelm Wadl, langjähriger Direktor des Kärntner Landesarchivs, waren die meisten Aktionen der Kärntner mit der Wiener Regierung abgestimmt, sie unterstützte den Abwehrkampf mit Munitions- und Nachschublieferungen. "An den Kampfhandlungen war ganz wesentlich die Volkswehr, also das Bundesheer der Ersten Republik beteiligt", schreibt Wadl. Auch in den letzten Wochen vor der Volksabstimmung habe Wien Kärnten mit bedeutenden Geldmitteln und Sachspenden unterstützt.

Nach einem Waffenstillstand wurde die sogenannte Miles-Kommission gebildet, der amerikanische Oberstleutnant Sherman Miles bereiste im Jänner und Februar das strittige Gebiet in Kärnten. Die Kommission kam mehrheitlich zu dem Schluss, dass die Karawankengrenze gelten sollte. Im Mai 1919 wurde daraufhin in Paris beschlossen, in Südkärnten eine Volksabstimmung durchzuführen. "Der damalige Staatssekretär des Äußeren, Otto Bauer, hat später bestätigt, dass die Verhandlungen in Paris durch den Abwehrkampf stark beeinflusst wurden", schreibt Valentin.

Im April 1919 startete Jugoslawien eine massive Offensive mit dem Ziel, Klagenfurt zu erobern. Die Jugoslawen wurden aber bald zurückgeworfen und mussten Anfang Mai Völkermarkt räumen. Einen Monat später versuchten es die Jugoslawen noch einmal, diesmal besetzten sie Klagenfurt, die Landesregierung wurde nach Spittal an der Drau verlegt. Unter Einschaltung Wiens wurde schließlich eine interalliierte Waffenstillstandskommission nach Klagenfurt entsandt und übernahm die Kontrolle der Stadt. Ende Juli 1919 rückten die jugoslawischen Truppen aus Klagenfurt wieder ab. Laut Valentin forderten die Kämpfe 266 Todesopfer auf österreichischer und 154 Opfer auf jugoslawischer Seite.

Am 21. Juni 1919 wurde die Abhaltung einer Volksabstimmung fixiert und im Staatsvertrag festgehalten. Nicht davon betroffen waren das Mießtal und das Gebiet um Unterdrauburg, die an Jugoslawien fielen, sowie das Kanaltal und die Gemeinde Weißenfels, die Italien zugesprochen wurden.

Nach Propagandaschlachten, die von beiden Seiten geführt wurden, wurde am 10. Oktober 1920 abgestimmt, drei Tage später wurde das Ergebnis verkündet. Von den 37.304 gültigen Stimmen entfielen 22.025 auf Österreich, das sind 59,04 Prozent. 15.279 Stimmen wurden für Jugoslawien abgegeben, das sind 40,96 Prozent. 95 Prozent der Abstimmungsberechtigten hatten teilgenommen, nur 332 Stimmen waren ungültig.

Tags darauf rückten die jugoslawischen Truppen erneut in die Abstimmungszone ein, mussten sich aber auf massiven Druck der Alliierten nach wenigen Tagen wieder zurückziehen. Nach Ansicht von Hellwig Valentin spielten bei der Entscheidung nicht nur wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle, sondern auch ein Jahrtausend des Zusammenlebens, "gemeinsam erlebte Geschichte und die sprachliche und kulturelle Beeinflussung". Ein Mythos, der später gepflegt wurde, nämlich jener, dass es sich um einen Triumph des Deutschtums gehandelt habe, wird von Valentin zurückgewiesen. "Nationale Motive haben in der Auseinandersetzung eine relativ geringe Rolle gespielt."

Wadl wiederum weist darauf hin, dass es unzulässig sei, "alle Abwehrkämpfer pauschal in die Nähe des Nationalsozialismus" zu rücken: "Unter den Abwehrkämpfern finden sich auch Menschen, die später im KZ umkamen oder in Spanien gegen den Faschismus kämpften." Dass der Nationalismus nicht ausschlaggebend war, zeigt auch die Tatsache, dass in der späteren Zone I zwar fast 70 Prozent der Bevölkerung Slowenisch als Umgangssprache angab, aber nur knapp über 40 Prozent für Jugoslawien stimmten.

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