11. März 2020 12:12

Chronik

19-Jähriger getötet: Freund wegen Mordes angeklagt

Nach der Tötung eines 19-jährigen Afghanen am 22. September 2019 in Zell am See (Pinzgau) ist jetzt ein 20-jähriger Afghane wegen Mordes angeklagt worden. Er soll seinen Freund auf einem Spielplatz im Streit erwürgt haben. Der Beschuldigte hat die Tat bisher bestritten. Die Anklage wurde beim Landesgericht Salzburg eingebracht und dem Verteidiger zugestellt. Sie ist noch nicht rechtswirksam.

Die beiden Afghanen wohnten in einem Asylheim in Zell am See, das nur wenige Hundert Meter vom Spielplatz entfernt lag. Zu dem Tötungsdelikt soll es zwischen 3.41 Uhr und 4.27 Uhr gekommen sein. Passanten hatten die Leiche des 19-Jährigen am Vormittag auf dem Spielplatz entdeckt.

Erhärtet wurde der Verdacht gegen den Freund des Getöten, weil Ermittlungen ergaben, dass die zwei Burschen in der Tatnacht gemeinsam in Zell am See unterwegs waren. Die gerichtliche Obduktion hat ergeben, dass der 19-Jährige durch Gewalteinwirkung gegen den Hals ums Leben gekommen ist.

Der Verdächtige wurde am 26. September im Bereich des Salzburger Hauptbahnhofes festgenommen. Er befindet sich seit 29. September wegen dringenden Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die Freundschaft der zwei Afghanen sei ambivalent gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Zudem seien DNA-Spuren des Angeklagten an der Kleidung des Opfers gefunden worden.

Der Verteidiger hat die Anklageschrift mit seinem Mandanten noch nicht besprochen. Bisher habe der Mann die Tat aber bestritten, sagte Hofer am Mittwoch zur APA: "Er hat erklärt, dass er mit der Tat nichts zu tun hat." Er sei zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen, schilderte der 20-Jährige. An jenem Abend sei er mit seinem Freund zunächst unterwegs gewesen, habe sich aber bald von ihm getrennt und sei zurück ins Asylheim gegangen. Dort habe er sich in das Bett seines Freundes gelegt, um auf ihn zu warten. Der 19-Jährige sei aber nicht mehr gekommen.

Hofer hatte einen Beweisantrag auf eine ergänzende DNA-Untersuchung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Im Fall eines Erwürgens müssten DNA-Abstriche an der Halsregion und an den Kleidungsstücken im Halsbereich des Getöteten zu finden sein, sagte der Anwalt. Würde eine dritte DNA-Spur sichergestellt werden, könnte das die Unschuld des 20-Jährigen beweisen. Die Staatsanwaltschaft habe dem Beweisantrag Folge gegeben und Ende Februar die Gerichtsmedizin damit befasst. Dass nun Anklage gegen den Afghanen erhoben worden sei, überrasche ihn, so der Rechtsanwalt.

Der Beschuldigte lebte nicht dauerhaft in dem Asylheim in Zell am See, sondern war immer wieder unterwegs. Ihm wurde im Gegensatz zum Opfer humanitäres Bleiberecht in Österreich gewährt.

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