23. November 2018 17:59

Politik

900 Migranten vor spanischer Küste gerettet - Schwangere tot

Der Zustrom von Migranten ebbt in Spanien auch kurz vor Winterbeginn nicht ab. Allein am Donnerstag seien im Mittelmeer vor der Südküste des Landes insgesamt 894 Menschen aus 18 Booten gerettet worden, darunter 44 Minderjährige und 112 Frauen, teilte der spanische Seerettungsdienst am Freitag auf Twitter mit.

Eine schwangere Migrantin sei zwar lebend aus dem Wasser geborgen worden, nachdem ihr Boot in Seenot geraten war, die Frau sei aber auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, hieß es. 13 weitere der 56 Insassen dieses Bootes würden noch vermisst.

Die Rettungsaktionen von Schiffen und Hubschraubern liefen im Alboran-Meer und in der Straße von Gibraltar im westlichen Mittelmeer bis spät in die Nacht. Die Geretteten seien in den andalusischen Städten Malaga, Motril und Almeria und in der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla an Land gebracht worden. Die meisten seien zur ersten Behandlung in Krankenhäuser gebracht worden. Wie ein Sprecher des Seerettungsdienstes auf Anfrage mitteilte, handelte es sich bei den geretteten Migranten erneut vorwiegend um Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara.

Spanien hat dieses Jahr Italien in Europa als Hauptziel illegaler Migranten abgelöst. Bis zum 21. November kamen nach einer jüngsten Bilanz der Internationalen Organisation für Migration (IOM) knapp 51.000 Männer, Frauen und Kinder über die westliche Mittelmeer-Route in Europa an. Das sind mehr als dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Straße von Gibraltar zwischen Marokko und Spanien ist an ihrer engsten Stelle lediglich 14 Kilometer breit.

Das in Malta blockierte Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye darf unterdessen nach monatelangem Gerangel auslaufen. Das Schiff "Seefuchs" habe von der maltesischen Hafenbehörde die Erlaubnis bekommen, nach Deutschland überführt zu werden, sagte der Sprecher der Regensburger Organisation, Gorden Isler, am Freitag. Zuerst hatte "Zeit Online" darüber berichtet.

Das Schiff werde aber nicht zu Rettungseinsätzen benutzt und einen anderen Eigner bekommen, so Isler. Welchen, ist noch unklar. Sea-Eye werde aber mit zwei neuen Schiffen bald wieder ins Mittelmeer zur Rettung von Migranten aufbrechen.

Die "Seefuchs" war nach einem Streit mit Malta um die Registrierung aufgehalten worden. Mittlerweile hat das Schiff eine deutsche Flagge.

In Deutschland werde derzeit die "Sea Eye 2" für den Einsatz vorbereitet, sie soll dann im Dezember von Spanien aus ins zentrale Mittelmeer zurückkehren und fahre unter deutscher Flagge, sagte Isler. Von Spanien soll auch das zweite Schiff der NGO, die "Bavaria One", ausfahren. Sie soll allerdings auf Beobachtungsmission gehen.

Die populistische Regierung in Italien hat Rettungsschiffe von privaten Hilfsorganisationen bereits mehrmals blockiert und verbietet ihnen die Einfahrt in italienische Häfen. Innenminister Matteo Salvini pochte stets darauf, dass der Flaggenstaat des Schiffes die Migranten aufnehmen solle - nicht Italien. Seit der Blockade kommen kaum mehr Migranten in Italien an.

Allerdings fuhr am Freitag eine europäische Hilfsflotte von vier Schiffen einer internationalen Plattform vom sizilianischen Licata aus in Richtung der nordafrikanischen Küste ab. Die Hilfsorganisationen Sea Watch (Deutschland), Proactivia Open Arms (Spanien) und das Projekt "Mediterranea" haben sich zu einer gemeinsamen Such- und Rettungsaktion zusammengeschlossen, als Herausforderung an die populistischen Regierung in Italien, hieß es. Das Projekt "Mediterranea" wird von einer Gruppe oppositioneller Parlamentarier in Italien unterstützt.

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