3. November 2019 05:39

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"A Rainy Day in New York": Woody Allen kehrt zurück

Es war kein leichter Weg für Woody Allens neuen Film ins Kino: Nachdem im Zuge der MeToo-Debatte alte Vorwürfe gegen den Regisseur wieder debattiert wurden, entschied sich Amazon, das "A Rainy Day in New York" eigentlich auf die Leinwand bringen wollte, gegen eine Veröffentlichung. Einen Rechtsstreit später kommt die neue Komödie nach der Viennale-Premiere nun am 5. Dezember doch ins Kino.

So wurde 2018 das erste Jahr seit 1982, in dem kein Film des notorischen Vielarbeiters Allen Kinostart feierte. Dafür werden Fans des Kultfilmemachers nun mit einem so Allen-typischen Werk entschädigt, wie es der 83-Jährige schon länger nicht mehr gedreht hat. Schauplatz ist selbstredend New York. Nach zwei zur Mitte des 20. Jahrhunderts angesiedelten Streifen ("Cafe Society" und "Wonder Wheel") dient nun aber wieder der Big Apple von heute als Hintergrund.

Der außerhalb der Stadt studierende Gatsby Welles (Timothy Chalamet) will mit seiner aus Arizona stammenden Flamme Ashleigh (Elle Fanning) ein Romantikwochenende in New York verbringen - abgesehen von dem kurzen Interview, das die Studentin dort mit Filmregisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) zu führen hat. Als der Filmemacher sein hübsches Gegenüber zu einem Testscreening seines neuen Films einlädt, beginnt ein Reigen der Begegnungen, der am Ende alle Beteiligten verändert haben wird. Denn während Ashleigh von einem Hollywoodprominenten zum nächsten schlittert, schlurft Möchtegerndandy Gatsby durch das regennasse New York und hat ein schicksalhaftes Zusammentreffen.

Der Unterschied zu den großen früheren Liebeserklärungen Allens an New York wie "Der Stadtneurotiker" oder "Manhattan" besteht darin, dass "A Rainy Day in New York" keine Erzählung am Puls der Zeit, kein Porträt der heutigen Gesellschaft ist, sondern eine ebenso nostalgische wie romantische Eloge auf den Big Apple. Das Geschehen scheint ungeachtet der jungen Darsteller gleichsam aus der Zeit gefallen und darin doch seltsam vertraut.

Es ist letztlich der milde Rückblick eines 83-Jährigen, der die Schönen und Reichen der New Yorker Oberschicht porträtiert. Man geht ins Met, lebt auf der Upper Westside, führt lange Gespräche über Beziehungen und Sex, die in nur wenigen Schnitten gezeigt werden. Diese Bilder werden von Allens Kameramann Vittorio Storaro ("Apocalypse Now") in farbstarkes, pittoreskes Licht getaucht. All dies ist so vertraut wie die stets gleiche Schriftart der Credits, die stets auf schwarzem Grund und stets mit Jazz im Hintergrund präsentiert werden.

Allzu modern ist dieser Reigen also nicht ausgefallen. Und doch lebt er vom Spiel seiner Nachwuchsstars Chalamet und auch Fanning, die selbst aus ihrem klischeehaft skizzierten Arizona-Naivchen Substanz holt. Hinzu kommt die beruhigende Gewissheit, dass sich nicht alles in der Gesellschaft ändert, sondern manches einfach auch als Zitat seiner selbst weiterlebt.

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