22. November 2019 11:42

Politik

Ärzte ohne Grenzen fordert von EU Umdenken in Asylpolitik

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) fordert von der EU ein radikales Umdenken in der Flüchtlingspolitik. "Vier Jahre nach dem Flüchtlingspakt leben auf den griechischen Inseln 35.000 Menschen im völligen Chaos und ohne jegliche Würde", sagte der Präsident der Organisation, Christos Christou, am Freitag. Indes hält der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland an.

Die Situation dort sei vergleichbar mit den schlimmsten Camps weltweit. Die Zentren müssten sofort geschlossen und die Menschen aufs europäische Festland gebracht werden, forderte Christou im Anschluss an einen Besuch auf den Inseln Lesbos und Samos.

Mit Humanität, die sich die EU auf die Fahnen geschrieben habe, habe das nichts mehr zu tun, sagte Christou. Folteropfer, psychisch kranke Menschen und Kinder würden nicht ausreichend versorgt. Flüchtlinge lebten zum Teil bereits seit zwei Jahren unter Plastikplanen. "Den Menschen dort wird nicht nur nicht geholfen, sondern ihre Verfassung verschlechtert sich dort noch zusätzlich", sagte Christou.

Der Arzt kritisierte auch die Pläne der griechischen Regierung, auf den Inseln geschlossene Zentren zu errichten. "Daraus werden über kurz oder lang Gefängnisse werden." Auch die Maßnahme, Tausende Migranten auf das griechische Festland zu bringen, werde die Lage nicht maßgeblich verbessern. "Dort gibt es ebenfalls keine ausreichenden, angemessenen Unterkünfte."

Zudem hält der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland weiter an. In den vergangenen 24 Stunden rettete die griechische Küstenwache nach eigenen Angaben rund 400 Asylsuchende bei zehn verschiedenen Einsätzen nahe der Hafenstadt Alexandroupolis und den Inseln Chios und Lesvo, wie die Tageszeitung "Kathimerini" am Freitag berichtete.

Drei Personen seien wegen des Verdachts auf Menschenschmuggels festgenommen worden. Die neuankommenden Migranten würden auf verschiedene Einrichtungen auf dem Festland verteilt, so "Kathimerini". Die Zentren auf den Inseln sind heillos überfüllt. Am Freitag brachte die Regierung knapp 100 Flüchtlinge von den Inseln auf das Festland. Bis Jahresende sollen die Inseln durch die Verteilung von 20.000 Flüchtlingen auf den Rest Griechenlands entlastet werden.

© APA
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