30. Dezember 2019 13:53

Politik

Al-Shabaab-Kämpfer bei US-Luftangriffen in Somalia getötet

Als Reaktion auf den verheerenden Bombenanschlag in Somalia mit mindestens 83 Todesopfern haben die US-Streitkräfte Luftangriffe auf die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz in dem ostafrikanischen Land geführt. Bei den drei Angriffen am Sonntag seien insgesamt vier Al-Shabaab-Kämpfer getötet worden, teilte das Afrika-Kommando der US-Streitkräfte (AFRICOM) mit.

Die Einsätze seien mit der somalischen Regierung abgestimmt gewesen, hieß es. Bei dem Anschlag in Mogadischu waren am Samstag nach jüngsten Angaben der somalischen Regierung mindestens 83 Menschen getötet worden. Rund 150 weitere Menschen wurden verletzt. Bei einigen von ihnen gelten die Überlebenschancen als fraglich. Unter den Toten waren mindestens 16 Studenten. Es handelte sich um den folgenschwersten Anschlag in Somalia seit zwei Jahren.

Das zuständige nationale Notfallkomitee geht zudem von mindestens 20 Vermissten aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch sie tot sind, gilt als hoch: Nach Angaben von Rettungskräften wurden viele Opfer - darunter auch Kinder - von der Wucht der Explosion regelrecht zerrissen. Eine Identifizierung der Leichenteile gilt als schwierig.

Die am Sonntag von den USA geführten "Präzisionsangriffe aus der Luft" hätten sich gegen Al-Shabaab-Mitglieder gerichtet, die für "terroristische Akte gegen unschuldige somalische Bürger" verantwortlich seien und sich dabei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida abgestimmt hätten, erklärte AFRICOM.

Die Angriffe seien in den Orten Qunyo Barrow (Kunya Barow) und Caliyoow Barrow erfolgt, hieß es weiter. Dabei seien auch zwei Fahrzeuge der Al-Shabaab-Miliz zerstört worden. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen. Die USA und die somalische Regierung würden den Druck auf die Al-Shabaab-Miliz weiter erhöhen, um diese an der Planung neuer Anschläge zu hindern, kündigte das Afrika-Kommando an.

Seit dem Jahr 2010 habe die Al-Shabaab-Miliz Hunderte Menschen "rücksichtslos" getötet, erklärte der AFRICOM-Einsatzleiter William Gayler. Darunter seien afrikanische Partner und Verbündete Washingtons sowie US-Bürger gewesen.

Zu dem jüngsten Anschlag in Mogadischu hat sich bisher niemand bekannt. Er trägt aber die Handschrift der Al-Shabaab-Miliz. Die mit dem sunnitischen Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Miliz war im August 2011 von Truppen der Afrikanischen Union (AU) aus Mogadischu vertrieben worden. Sie kontrolliert aber nach wie vor ländliche Gebiete des Landes und verübt immer wieder Anschläge in der Hauptstadt.

Bei der Suche nach den Verantwortlichen haben die somalischen Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben Hinweise auf ausländische Drahtzieher. Die nationale Sicherheitsagentur NISA betonte auf Twitter, sie habe der Regierung einen vorläufigen Bericht zu dem Anschlag überreicht, "der von einem ausländischen Land geplant war".

Die Behörde machte jedoch weder den Namen des Landes noch den Bericht öffentlich und betonte: "Um die andauernde Untersuchung zu beenden, werden wir Unterstützung von ausländischen Geheimdiensten suchen."

Die Autobombe war an einer stark befahrenen Kreuzung im Südwesten von Mogadischu nahe eines Kontrollpunktes der Sicherheitskräfte explodiert. Zum Zeitpunkt des Anschlags im morgendlichen Berufsverkehr waren nach Augenzeugenberichten viele Menschen unterwegs, darunter Schüler und Studenten.

Erst vor zwei Wochen hatte ein Al-Shabaab-Kommando in der somalischen Hauptstadt ein von Politikern, Militärs und Diplomaten besuchtes Hotel angegriffen und sich Gefechte mit den Sicherheitskräften geliefert. Neben den fünf Angreifern wurden dabei fünf weitere Menschen getötet, darunter drei Zivilisten.

Der blutigste Anschlag in der Geschichte des Landes wurde im Oktober 2017 verübt: Damals wurden 512 Menschen bei der Explosion eines Lastwagens getötet, rund 300 weitere Menschen wurden verletzt. Die Behörden machten dafür ebenfalls die Al-Shabaab-Miliz verantwortlich.

Die USA haben bereits seit Frühjahr 2017 ihre Luftangriffe in Somalia ausgeweitet. Laut einer AFRICOM-Mitteilung vom April wurden bei 110 US-Luftangriffen seit April 2017 mehr als 800 Menschen in dem Land am Horn von Afrika getötet.

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