2. Januar 2020 21:53

Politik

Algerien entließ 76 Regierungskritiker aus der Haft

In Algerien sind am Donnerstag 76 Regierungskritiker aus der Haft entlassen worden. Unter den prominenten Freigelassenen war auch der Kriegsveteran Lakhdar Bouregaa, der sechs Monate lang im Gefängnis saß. "Sein Prozess, der heute Morgen beginnen sollte, wurde verschoben, und der Richter hat beschlossen, ihn freizulassen", sagte Bouregaas Anwalt Abdelghani Badi.

Neben ihm seien 75 Mitglieder der Protestbewegung "Hirak" freigelassen worden, berichtete das Staatsfernsehen. Der 86-jährige Bouregaa wurde im Juni in seinem Haus in Algier verhaftet, weil er "eine staatliche Institution beleidigt" haben soll. Zudem soll er "an einem Plan zur Demoralisierung der Armee teilgenommen haben, mit dem Ziel, der Verteidigung der Nation zu schaden".

Bouregaas Anhänger führten die Inhaftierung dagegen auf dessen Kritik am kürzlich verstorbenen Armeechef Ahmed Gaid Salah zurück, der nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika im April vergangenen Jahres zum starken Mann des Staates geworden war. Der Prozess gegen Bouregaa wurde auf den 12. März verschoben. Laut seinem Anwalt bleibt er bis dahin auf freiem Fuß.

Bouregaa war Befehlshaber der Nationalen Befreiungsarmee , die gegen die französische Kolonialherrschaft kämpfte. 1963 gründete er die Front der Sozialistischen Kräfte, eine der ältesten Oppositionsparteien Algeriens. Vor seiner Verhaftung nahm er an den Anti-Regierungsprotesten teil, die seit Februar des vergangenen Jahres andauern.

Viele Demonstranten wurden vor der unpopulären Präsidentschaftswahl im Dezember verhaftet. Am 19. Dezember wurde Abdelmadjid Tebboune, ein ehemaliger Ministerpräsident unter Bouteflika, als neuer Präsident Algeriens vereidigt.

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