3. Dezember 2019 11:51

Politik

Alles wie gehabt bei PISA - Österreich bleibt im Mittelfeld

Die mittlerweile siebente PISA-Studie hat zu ähnlichen Resultaten wie die sechs Vorgängeruntersuchungen geführt: Österreich liegt im diesjährigen Haupttestgebiet Lesen sowie den Naturwissenschaften in etwa im OECD-Schnitt, in der Mathematik leicht darüber. Die Spitzenländer liegen durchgehend in Asien, Europa-Champion ist Estland.

Für PISA 2018 wurden weltweit rund 600.000 Schüler des Altersjahrgangs 2002 getestet, in Österreich waren etwa 6.800 Schüler aus rund 300 Schulen mit dabei. Der Test wurde wie in der Mehrzahl der Teilnehmerstaaten ausschließlich am Computer durchgeführt und dauerte zwei Stunden, für das Ausfüllen eines Fragebogens waren noch einmal 50 Minuten veranschlagt.

Im Lesen kamen die österreichischen Jugendlichen auf einen Mittelwert von 484 Punkten (2015: 485) und lagen damit im OECD-Schnitt (487). Von Österreichs Nachbarländern erzielten Deutschland (498 Punkte) und Slowenien (495) signifikant bessere Leseleistungen, Schüler aus Italien, Ungarn (je 476) und der Slowakei (458) schnitten signifikant schlechter ab. Tschechien und die Schweiz lagen gleichauf mit Österreich.

In den Naturwissenschaften erreichte Österreich diesmal 490 Punkte (2015: 495), was ebenfalls dem OECD-Schnitt (489) entspricht. Am stärksten schnitten die heimischen 15- bis 16-Jährigen in der Mathematik (499 Punkte; 2015: 497) ab, hier lagen sie über dem OECD-Schnitt (489).

Dominiert werden die Ranglisten im Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften von diversen chinesischen Regionen sowie Singapur. Beste europäische Länder sind Estland und Finnland bzw. in der Mathematik auch die Niederlande und Polen.

Anlässlich der mittlerweile siebenten Erhebung seit 2000 zog die OECD auch einen Langzeitvergleich: Demnach sind seit den ersten Erhebungszeitpunkten die Leistungen der österreichischen Schüler im Lesen und der Mathematik in etwa konstant geblieben, in den Naturwissenschaften gab es einen leichten Abfall.

Für Bildungsministerin Iris Rauskala sind die Resultate "nicht die große Jubelbotschaft, aber auch kein Grund zur großen Sorge". Sie glaube, dass die in den vergangenen Jahren eingeleiteten Maßnahmen wie die Einführung von Deutschklassen bzw. Deutschförderkursen oder die verstärkte Deutschförderung im Kindergarten richtig gewesen seien. "Wir können es nur nicht aus dem Ergebnis ableiten." Man brauche daher Geduld, bis die diversen Initiativen Erfolg hätten.

Nach wie vor "zu hoch" ist für Rauskala die sogenannte "Risikogruppe" der bei PISA besonders schlechten Schüler. In Österreich gehört in allen drei Bereichen mehr als jeder fünfte Schüler dazu. Demgegenüber ist der Anteil der Spitzenschüler in Österreich eher gering.

Weitere Ergebnisse: "In Bezug auf Chancengerechtigkeit besteht in Österreich weiterhin Handlungsbedarf. Der soziale Status sowie der Migrationshintergrund haben wesentlichen Einfluss auf die Chancen auf den Kompetenzerwerb", heißt es im Österreich-Bericht. Im Ländervergleich sind die durch das Elternhaus bedingten Leistungsunterschiede relativ hoch. So erreichen in allen drei Testbereichen Kinder von Akademikereltern rund 90 Punkte mehr als Schüler, deren Eltern maximal eine Pflichtschulabschluss haben. Das entspricht einem Leistungsunterschied von zwei Lernjahren.

Etwas geringer sind die Unterschied zwischen einheimischen Kindern und Kindern von Migranten. Österreichs Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund hat sich seit der ersten PISA-Studie 2000 (elf Prozent) auf mittlerweile 23 Prozent verdoppelt - das ergibt insgesamt den siebenthöchsten Anteil der OECD-Länder hinter Luxemburg, Kanada, Schweiz, Australien, Neuseeland und den USA. Im Lesen kommen in Österreich geborene Kinder auf einen Mittelwert von 500 Punkten, Migranten auf 437. Diese Differenz von 63 Punkten entspricht in etwa dem Wert von 2015 (64) und ist geringer als beim ersten Test 2000 (93). Für das mittelmäßige Abschneiden Österreichs bei PISA sind die Migrantenleistungen aber nicht verantwortlich, so Michael Bruneforth vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das den Test in Österreich durchführt. Rechne man die Migranten heraus, würde Österreich nach wie vor im Mittelfeld landen.

Etwas Bewegung hat es bei den Geschlechterunterschieden in Österreich gegeben: Im Lesen stieg der Leistungsvorsprung der Mädchen (499 Punkte) gegenüber den Burschen (471) von 20 Punkten im Jahr 2015 auf nunmehr 28 Punkte an - das liegt in etwa im OECD-Schnitt (30 Punkte). In der Mathematik fallen die Geschlechtsunterschiede zugunsten der Burschen aus, sind aber geringer als im Lesen: In Österreich kamen die Burschen (505 Punkte) im Schnitt auf 13 Punkte mehr als ihre Altersgenossinnen (492). In der OECD ist Österreich damit hinter Kolumbien und Italien das Land mit der drittgrößten Geschlechterdifferenz zugunsten der Burschen (OECD-Schnitt: fünf Punkte). Umgekehrt hat sich die Geschlechterkluft zugunsten der Burschen in den Naturwissenschaften seit 2015 fast geschlossen - allerdings aufgrund schlechterer Burschenleistungen bei konstanten Resultaten der Mädchen. Beide Geschlechter liegen sowohl in Österreich als auch in der OECD praktisch gleichauf.

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