26. Oktober 2019 20:20

Politik

Amazonas-Synode für Priesterweihe von Verheirateten

Die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die ausnahmsweise und auf eine Region beschränkte Priesterweihe von verheirateten Männern ausgesprochen. Die Mehrheit der Teilnehmer des Treffens zu Problemen im Amazonas-Gebiet schlug am Samstag in Rom vor, "geeignete und anerkannte Männer" im Regenwaldgebiet zu katholischen Priestern weihen zu können, auch wenn sie eine Familie haben.

Einige Teilnehmer hätten sich auch dafür ausgesprochen, dieses Thema auf "universaler" Ebene anzugehen, heißt es in dem Abschlussdokument. Zugleich stimmten die Synodenteilnehmer für eine neue Diskussion über Frauen in geistlichen Ämtern. Der Zölibat und die Frauenordination zählen seit Jahren zu den heißen Eisen in der römisch-katholischen Kirche. Bisher sind entsprechende Vorstöße immer am Widerstand der Hierarchie und konservativer Kreise gescheitert.

Der eklatante Priestermangel im riesigen Amazonas-Gebiet hat nun aber den Druck verstärkt, den Kreis der Geistlichen über ehelose Priester auszudehnen. Um konservativer Kritik die Spitze zu nehmen, betonte die Synode ausdrücklich, dass der Zölibat - also die Pflicht zur Ehelosigkeit von Priestern - nicht infrage gestellt wird.

Zudem schlägt die Synode auf dem Weg zu den verheirateten Priestern ein mehrstufiges System vor. Die potenziellen verheirateten Priester sollen nämlich aus dem Kreise Ständiger Diakone stammen, die es in Südamerika anders als in europäischen Staaten bisher aber noch kaum gibt. Die Synode schlage vor, dass "aus dem Kreis der Ständigen Diakone der eine oder andere möglicherweise auch zum Priester geweiht werden kann, wenn Rom zustimmt", erläuterte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn im Gespräch mit Kathpress.

Von "Wander-Priestern", die nur gelegentlich vorbeikommen, sollen so "Leute-Priester" werden, stellte sich Schönborn hinter den Beschluss. Auch der brasilianisch-österreichische Bischof Erwin Kräutler zeigte sich zufrieden mit dem Bericht, der mit 128 zu 41 Stimmen beschlossen wurde. Der Bericht ist nicht verpflichtend, sondern lediglich eine Empfehlung an Papst Franziskus. Dieser verfasst dann ein eigenes Schreiben dazu.

Auf der Amazonas-Synode diskutierten Bischöfe und Experten aus Südamerika und anderen Teilen der Welt drei Wochen über die besonderen Herausforderungen der Kirche im Amazonas-Gebiet und die dortige Umweltzerstörung. Am Sonntag soll die Synode von Franziskus geschlossen werden.

Auch beim der Frauenfrage zeigte sich der Richtungsstreit in der Kirche. So sprechen sich die Synodenteilnehmer zwar für mehr Frauen in Führungspositionen aus - was das genau bedeutet, bleibt aber schwammig. Stattdessen erinnert das Papier bei der Frage, ob Frauen zu Diakonninen geweiht werden könnten, an eine Studienkommission, die der Papst schon 2016 dazu eingerichtet hatte. Die Synode wolle sich mit der Kommission austauschen. Über das Abschlussdokument durften nur die Männer abstimmen - was bei den teilnehmenden Frauen Irritationen ausgelöst hatte.

Die Streitthemen Frauen und Priesterweihe für Verheiratete überschatteten das eigentliche Thema der Synode, nämlich die Umweltzerstörung in der Amazonas-Region, die Abholzung des Regenwaldes und die Ausbeutung indigener Völker.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte, die Debatte über die Synode dürfe nicht auf das Thema der "Viri probati" beschränkt werden. Das Überleben der Menschheit stehe im Zentrum. "Es ist Zeit zu handeln, wenn es um die Zukunft der Menschheit geht, der Erde", sagte er. Auch Kardinal Schönborn bezeichnete als wichtigste Botschaft der Bischofsversammlung "die Diagnose, dass das riesige Amazonien-Gebiet mit seinen Ressourcen, Bodenschätzen und Menschen sehr vernachlässigt ist. Dabei ist der Tod von Amazonien der Tod der Welt, hat es der Klimaforscher Hans Schellnhuber bei der Synode dramatisch auf den Punkt gebracht".

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