6. Februar 2020 10:46

Kultur

Anonymer "Meister von Mondsee" im Oberen Belvedere

Die Motive sind in erster Linie religiös, die Urheberschaft hingegen anonym: Mit dem "Meister von Mondsee" widmet sich das Obere Belvedere in der Reihe "Im Blick" einem der bedeutendsten Maler des Spätmittelalters in Österreich. Ab dem Freitag bis zum 17. Mai ist dabei erstmals das gesamte, noch vorhandene Ensemble des sogenannten Mondseer Altars zu bewundern.

Somit wird man in den drei Ausstellungsräumlichkeiten mit dem noch vorhandenen Gesamtwerk des bis heute namenlosen Meisters konfrontiert, ist bis auf diese acht Bilder doch nur noch eine Zeichnung dem Künstler zuzuschreiben - das allerdings nicht mit Sicherheit. Dementsprechend war die Schau für Kuratorin Veronika Pirker-Aurenhammer auch eine Spurensuche, wie sie am Donnerstag erklärte. Der "fremde und rätselhafte Meister" habe seinen "Titel" aber jedenfalls verdient, wenn man sich die Kunstfertigkeit der Arbeiten vor Augen führt.

Der gotische Flügelalter stand wahrscheinlich einst in der Stiftskirche von Mondsee und wurde von Abt Benedikt Eck gestiftet. Die acht noch erhaltenen Gemälde sind üblicherweise auf drei Standorte aufgeteilt und haben für diese Schau wieder zusammengefunden. Fünf der Tafelbilder befinden sich im Besitz des Belvederes. Zwei weitere wurden erst kürzlich von den Oberösterreichischen Landesmuseen aus Privatbesitz erworben, eines ist Teil der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein. Insofern sei die Präsentation auch "ein Meilenstein in der Mittelalterforschung", unterstrich Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig.

Prunkvoll und detailreich sind die Ende des 15. Jahrhunderts entstandenen Darstellungen, etwa die "Anbetung der Heiligen Drei Könige", wobei deren Besuch in der Krippe zu Bethlehem keine intime Angelegenheit ist, sondern die drei prächtig gewandeten Gäste von einer Heerschar an Dienern und Begleitern umringt werden. Die Geschichte der Geburt und Kindheit Jesu ist die Basis für den Altar, finden sich doch auch die "Beschneidung Christi" oder die "Darbringung im Tempel" unter den Motiven. Das bekannteste Werk des Meisters ist wohl die "Flucht nach Ägypten".

Was gut zweihundert Jahre getrennt war, wurde für die Präsentation auch eingehend wissenschaftlich untersucht, wobei der Entstehungsprozess dank Infrarotreflektografien veranschaulicht wird. Ergänzt werden die figurenreichen Arbeiten des unbekannt gebliebenen Meisters, die durch großen Farben- und Formenreichtum überzeugen, von einigen Zeitgenossen, darunter Michael Pacher oder Martin Schongauer. Und obwohl relativ wenig Konkretes über den Meister von Mondsee bekannt ist, zeugen seine Werke nicht zuletzt von einer intensiven Beschäftigung mit der niederländischen Kunst jener Tage.

Kuratorin Pirker-Aurenhammer stellte aber angesichts des "Schatzes, den wir gehoben haben" eine neue These auf: Wurde der Meister bisher eher mit den Kunstzentren Wien oder Salzburg in Verbindung gebracht, mutmaßt sie aufgrund der Zugehörigkeit von Mondsee zu Bayern in jener Zeit in diese Richtung reichende Verbindungen, was seine Wurzeln beziehungsweise Ausbildung betrifft. "Dieser Gedanke ist naheliegend", so Pirker-Aurenhammer, die letztlich mit der historischen und ästhetischen Kontextualisierung diesem "großen Könner und Kenner das gebührende Gewicht verleihen" wollte.

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