8. März 2020 14:43

Politik

Appelle aus allen Richtungen zum 109. Frauentag

Zum 109. Mal wird ist am Sonntag der Internationale Frauentag begangen worden. Einig war sich die Politik dabei, dass etwas gegen die nach wie vor niedrigeren Frauengehälter unternommen werden muss. Differenzen gibt es allerdings beim Weg dorthin: Während Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) auf das geplante "Equal Pay Siegel" verwies, pochte SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner auf Gehaltstransparenz.

Wie groß die Lohnscherere zwischen Männern und Frauen noch ist, zeigte die Arbeiterkammer am Sonntag mit plastischen Zahlen: Um auf das mittlere Einkommen eines Mannes von 2.500 Euro brutto pro Monat zu kommen, müssten Frauen nämlich neun Stunden pro Woche mehr arbeiten als Männer. Frauen würden für den selben Lohn also 48 Wochenstunden arbeiten, Männer nur 39.

AK-Präsidentin Renate Anderl (SPÖ) fordert daher deutlich mehr Investitionen in Kinderbetreuung, eine Arbeitszeitverkürzung und Lohntransparenz in Betrieben. Für letzteres plädierte am Sonntag auch SP-Chefin Rendi-Wagner. "Frauen verdienen für die gleiche Arbeit um 20 Prozent weniger, die Pensionsschere liegt sogar bei 40 Prozent. Um endlich für Lohngerechtigkeit zu sorgen, müssen wir das Lohntransparenzgesetz nach isländischem Vorbild und den leichteren Umstieg von Teilzeit auf Vollzeit umsetzen", so Rendi-Wagner in einer Aussendung.

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) setzt beim Abbau der Lohnunterschiede dagegen auf Anreize durch das nun angekündigte "Equal Pay Siegel" für Unternehmen. Außerdem will die türkis-grüne Regierung beim Pensionssplitting Ernst machen: Paare mit Kindern sollen ihre Pensionsansprüche künftig verpflichtend aufteilen, nur einmalig (und zeitlich befristet) soll eine Ausnahme möglich sein. Auch Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) bestätigte diesen Plan, dem die Grünen bisher eher skeptisch gegenübergestanden waren. Ein freiwilliges Pensionssplitting soll demnach weiterhin für Paare ohne Kinder möglich sein. Konkrete Modelle sollen folgen.

Aufholbedarf bei der Lohnschere sieht auch FP-Frauensprecherin Rosa Ecker. Hier herrsche "kräftiger Nachholbedarf", so die Abgeordnete, die gleichzeitig aber auch die Bedeutung des "traditionellen Familienbildes" für die FPÖ hoch hielt. Und im Übrigen erinnerte Ecker daran, dass Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht überall selbstverständlich sei und man daher ein Auge auf die "ungezügelte Einwanderung von Islamisten" haben müsse.

Die Caritas erinnerte wiederum daran, dass deutlich mehr Frauen als Männer armuts- oder ausgrenzungsgefährdet seien (nämlich 645.000 gegenüber 495.000 laut Statistik Austria). Auch von Altersarmut seien speziell Frauen betroffen, weshalb die Caritas die Anrechnung von Pensionsversicherungszeiten für pflegende Frauen und Mütter forderte. "Das Gesicht der Armut in Österreich ist weiblich", befand die Caritas.

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