10. März 2020 21:14

Chronik

Ausbildung und Besuche in Wiens Spitälern reduziert

Die Stadt Wien ergreift im Zusammenhang mit dem Coronavirus Maßnahmen, um die medizinische Infrastruktur und die Spitäler zu schützen. So wird der Lehrbetrieb der Medizinischen Universität im AKH faktisch eingestellt, gleiches gilt für die Pflegeausbildung in Wien. Im Donauspital gibt es elf Infektionen. Eine stationär aufgenommene Patientin infizierte Patientinnen und Spitalsmitarbeiter.

Wie am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz verkündet wurde, sind sowohl andere Patienten als auch Mitarbeiter im Wiener Donauspital (SMZ Ost) positiv getestet worden. Bis Dienstagabend stieg die Zahl der Infizierten laut Angaben des Krankenanstaltenverbunds (KAV) auf elf - drei Patientinnen und acht Spitalsmitarbeiter sind an Covid-19 erkrankt. Sie befinden sich in Quarantäne, die Krankheit soll durchwegs einen milden Verlauf zeigen.

Für das Spital - nach dem AKH das zweitgrößte in Wien - hatten die Infektionen einschneidende Folgen. Insgesamt 28 Mitarbeiter wurden nach Hause in Quarantäne geschickt, Kreißsäle wurden geschlossen, unmittelbar bevorstehende Operationen mussten in andere Krankenhäuser verlegt werden.

Die Infektionskette hatte eine Frau ausgelöst, die vor einigen Tagen auf der gynäkologischen Abteilung des SMZ Ost stationär aufgenommen wurde, wobei sie zu diesem Zeitpunkt keinerlei Symptome zeigte, die auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 hindeuteten. In weiterer Folge trat bei der Patientin jedoch eine einseitige Lungenentzündung auf. Sie wurde daraufhin auf das Coronavirus getestet und war positiv. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Virus auf der Abteilung bereits verbreitet.

Schwangere, deren Geburtstermin unmittelbar bevorsteht, müssten sich keine Sorgen machen, beruhigte ein KAV-Sprecher. "Die Kapazitäten an den anderen Häusern reichen aus. Alle terminlich fixierten Operationen finden statt", hieß es gegenüber der APA.

Auch in der Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus wurde ein Patient nach einem zunächst negativem Test nun positiv auf das SARS-CoV-2 Virus getestet. Er war vor einigen Tagen mit Verdacht auf Lungenentzündung stationär aufgenommen worden. Inzwischen konnte er mit der Rettung nach Hause entlassen werden und befindet sich ebenso wie die Mitarbeiter, die Kontakt zu ihm hatten, in häuslicher Quarantäne. Die betroffene Station wurde geschlossen und desinfiziert. Kontakt zu Patienten und Personal auf anderen Stationen habe es nicht gegeben.

Angehörige werden aufgefordert, auf Besuche bei Patienten im Spital weitestgehend zu verzichten bzw. diese auf das nötigste zu beschränken. Ein diesbezügliches Verbot gibt es noch nicht. Die "massive Reduktion" der Lehrtätigkeit sei nötig, damit die Krankenhäuser ihre Kernaufgabe - die Behandlung von Patienten - erfüllen könnten, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Da bei einer Erkrankung spezielle Lungenbehandlungen nötig seien, bedeute dies eine hohe Belastung für die Spitalsinfrastruktur.

Konkret heißt es im Beschluss des medizinischen Krisenstabs der Stadt: "Die städtischen Akutspitäler sind die wertvollste Ressource im Fall des Ausbruchs einer CoVid-19 Epidemie. Bisher ist es uns in Wien gut gelungen, einen größeren Ausbruch dieser ansteckenden Krankheit zu verhindern. Nun sind weitere Schritte zur Sicherung der vollen Funktionsfähigkeit der Spitäler zu setzen." Der Uni-Betrieb wird dort reduziert, wo Ausbildungsbereiche mit unmittelbarem Patientenkontakt im AKH betroffen sind.

Gleiches gilt laut dem Beschluss für die Pflegeberufsausbildung an diversen Standorten in den Wiener Spitälern. Wobei Personen, die bereits im Betrieb mitarbeiten, hier trotzdem weiterhin zum Einsatz kommen können, hieß es. Das gelte auch für Studierende der MedUni, die sich im sogenannten klinisch-praktischen Jahr befinden. Die Reduktion, so wird betont, betrifft nicht die Bildungs- und Lehrtätigkeit außerhalb der Spitalsstandorte.

Unnötige Besuche in Gesundheitseinrichtungen sollen weitgehend reduziert werden. "Die Patienten und ihre Besucher in den Spitälern und auch in Wohn- und Pflegeeinrichtungen werden ersucht, bis auf weiteres auf Patientenbesuche soweit das möglich ist, zu verzichten. Der medizinische Krisenstab sieht derzeit (noch) keinen Bedarf für behördliche Einschränkungen, appelliert aber bewusst an das kollektive Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung", wird im Beschluss festgehalten.

Tausende Studierende der Medizinischen Universität sind damit aufgefordert, auf Online-Lerntools umsteigen. Laut Rektor Markus Müller kann die Maßnahme nach einigen Tagen der Vorbereitung nun umgesetzt werden. Sie gelte dem Schutz der "kostbaren Ressource" AKH. Auch seien die Studierenden angehalten worden, ihr Sozialleben einzuschränken. "Wir haben sie angewiesen, nicht auf Partys zu gehen." Denn die Verbreitung des Coronavirus geschehe oft im privaten Bereich. Die MedUni Wien ist selbst noch nicht von Infektionsfällen betroffen, wie heute betont wurde.

In Österreich ist die Zahl der nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierten Personen erneut gestiegen. Stand 16.00 Uhr waren am Dienstag 183 Covid-19-Fälle bekannt. Die meisten Betroffenen wurden mit 43 in Wien registriert, gefolgt von Niederösterreich mit 40. In Tirol wurden bisher 32 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. In Oberösterreich waren 22 Fälle bekannt, in Salzburg zwölf, in der Steiermark 18, in Vorarlberg elf und im Burgenland vier. Am wenigsten betroffen ist weiter Kärnten mit einer erkrankten Person. Getestet wurden bisher 5.062 Verdachtsfälle. Genesen sind bisher vier Erkrankte - zwei in Tirol und zwei in Wien.

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