9. Januar 2020 15:06

Chronik

Australien meldet für 2019 Wärmerekord

Nie ist es im derzeit von verheerenden Buschfeuern geplagten Australien wärmer und trockener gewesen als im vergangenen Jahr. "2019 war das wärmste Jahr in Australien seit Beginn der Aufzeichnungen mit einer nationalen Durchschnittstemperatur, die 1,52 Grad über dem langjährigen Mittel lag", teilte das Amt für Wetterkunde in seinem jährlichen Klimabericht am Donnerstag mit.

Bisher sei der Rekord bei 1,33 Grad über dem Durchschnitt gelegen, aufgestellt im Jahr 2013. Dabei reicht der Vergleichszeitraum bis 1910 zurück. Darüber hinaus sei 2019 "außergewöhnlich wenig Niederschlag" gemessen worden, hieß es. Der nationale Durchschnitt betrug demnach 277 Millimeter - so wenig wie nie zuvor. Damit lag er 40 Prozent unter dem Durchschnitt. Der bisherige Tiefststand datierte demnach aus dem Jahr 1902: Damals wurden 314,5 Millimeter gemessen.

Karl Braganza, Chef der Klimabeobachtung des Amts, sagte, Australien habe 2019 "die sechs heißesten Tage seit Beginn der Aufzeichnungen" erlebt, im Durchschnitt für den gesamten Kontinent seien an diesen Tagen Rekordtemperaturen von 41,9 Grad in der Spitze registriert worden. Insgesamt sei an elf Tagen die landesweite Tagestemperatur im Sommer auf über 40 Grad gestiegen - "und das ist wirklich ziemlich krass". In sieben der zwölf Monate sei Rekordwärme registriert worden. Es habe im Jänner und Dezember zudem bedeutende Hitzewellen gegeben.

Alle Jahre seit 2013 hätten zu den zehn wärmsten in Australien gezählt. 2019 hätten Brisbane und Canberra ihre höchsten jährlichen Durchschnittstemperaturen registriert, Hobart und Sydney ihre zweithöchsten.

Der Zusammenhang zwischen den Bränden, den geringen Niederschlägen und den hohen Temperaturen sei deutlich, teilte das Amt weiter mit. Braganza sagte: "Australiens Klima erwärmt sich." Vor allem Hitzewellen würden häufiger und extremer. Seit Beginn der großen Buschfeuer im Oktober verbrannten mehr als zehn Millionen Hektar Land. Mindestens 26 Menschen kamen ums Leben. Am Freitag wollen in Australien Studenten und Klimaaktivisten protestieren.

Im Südosten Australiens bereiteten sich unterdessen Bewohner und Feuerwehr am Donnerstag auf eine Ausweitung der zahlreichen Busch- und Waldbrände durch eine erneute Hitzewelle vorb. Der Regierungschef von Victoria, Daniel Andrews, warnte, sein Bundesstaat stehe erst am Anfang eines sehr schwierigen Sommers. In mehreren Gebieten von South Australia wurden die Menschen aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen.

Für Freitag wurde mit Gluthitze gerechnet, die die Feuer im Land weiter anfachen dürfte. Die Lage in Victoria sei in den kommenden zwölf bis 36 Stunden "sehr gefährlich und dynamisch", sagte Andrew Crisp vom örtlichen Katastrophenschutz. Victorias Polizeiministerin Lisa Neville warnte davor, die Auswirkungen der jüngsten Regenfälle zu überschätzen. Die Buschbrände breiteten sich weiter aus, sagte sie. Auch Victorias Regierungschef Andrews warnte vor weiteren Zerstörungen. "Wir befinden uns erst am Anfang von etwas, was ein wirklich, wirklich herausfordernder Sommer sein wird", sagte er. Wegen der Brandgefahr wurden in Victoria bereits mehrere Orte evakuiert.

In Parndana auf der Känguru-Insel südwestlich der Stadt Adelaide gingen Soldaten bei 38 Grad von Tür zu Tür, um die Bewohner wegen eines riesigen Feuers aufzufordern, ihre Häuser zu verlassen. Bereits am Mittwoch hatten die Behörden Vivonne Bay evakuiert, das wie die Känguru-Insel im Bundesstaat South Australia liegt.

In den beiden am stärksten betroffenen Bundesstaaten New South Wales und Victoria wüteten am Donnerstag trotz einer leichten Abkühlung zu Wochenbeginn noch fast 150 Busch- und Waldbrände. Die Vegetation ist durch eine lange Dürre gefährlich trocken. "Es reicht ein Funken, damit das Feuer fängt", sagte John Cullen von der Feuerwehr.

Obwohl die Brände weiter wüten, denken die Behörden bereits an den Wiederaufbau. Die Regierung von New South Wales kündigte an, dafür 1,2 Milliarden australische Dollar (740 Millionen Euro) bereitzustellen. Die australische Regierung hatte zuvor bereits zwei Milliarden australische Dollar für den Wiederaufbau zugesagt.

Als Reaktion auf die verheerenden Brände und die massiven Zerstörungen ist in Sydney ein großes Benefizkonzert geplant. Wie der Veranstalter TEG am Mittwoch auf seiner Homepage mitteilte, soll das Konzert am 16. Februar im ANZ-Stadium stattfinden. Unter anderem sei ein Auftritt der Band Queen im Gespräch, berichteten mehrere Medien.

Im Bundesstaat South Australia warnten die Behörden vor den Rauchbelastungen durch die Brände. Man erwarte gesundheitliche Risiken durch die Rauchfahnen, die von der Känguru-Insel über das Festland ziehen. Dies gelte für weite Gebiete des Bundesstaates.

Für zwei weitere Tage hat der Bundesstaat Victoria am Donnerstag den Katastrophenalarm ausgerufen. Dort sollen die Feuer nochmals schlimmer werden. Die Maßnahme erlaubt Behörden und Helfern, zusätzliche Kräfte zu mobilisieren und Evakuierungen durchzusetzen.

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