23. März 2020 20:09

Kultur

Autobiografie von Woody Allen in den USA auf dem Markt

Die Autobiografie des wegen Missbrauchsvorwürfen in der Kritik stehenden US-Kultregisseurs Woody Allen ist überraschend auf den Markt gekommen. Der New Yorker Verlag Arcade Publishing gab am Montag bekannt, sich die Rechte an "Apropos of Nothing" gesichert zu haben - und brachte das Buch ohne Vorankündigung in den USA heraus.

Im deutschsprachigen Raum soll das Buch unter dem Titel "Ganz nebenbei" im Rowohlt-Verlag erscheinen. Über die Autobiografie des Regisseurs von Kinoklassikern wie "Der Stadtneurotiker" und "Manhattan" wird seit Wochen gestritten. Hintergrund sind Vorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan Farrow, er habe sie Anfang der 1990er Jahre als damals Siebenjährige missbraucht.

Wegen der Vorwürfe zog sich der Verlag Hachette, der die Autobiografie ursprünglich hatte herausbringen wollen, Anfang März aus dem Projekt zurück. Der 84-jährige Allen erhielt die Rechte an dem Buch zurück, das am 7. April auf den Markt hätte kommen sollen.

Zuvor hatten dutzende Hachette-Mitarbeiter gegen die Veröffentlichung protestiert. Außerdem drohte Allens Adoptivsohn Ronan Farrow damit, nicht mehr mit Hachette zusammenzuarbeiten. Die Verlagsgruppe hat dessen Bestseller "Catch and Kill" (auf Deutsch: "Durchbruch: Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen") veröffentlicht.

Das Buch sei eine "offene und umfassende persönliche Rechenschaftsablegung" von Allen, hieß es in einer Mitteilung des Verlags. "In dieser komischen Zeit, wo die Wahrheit zu oft als Fake News abgetan wird, ziehen wir als Verleger es vor, einem respektierten Künstler eine Stimme zu geben, als vor denen, die ihn zum Schweigen bringen wollen, in die Knie zu gehen", sagte Lektorin Jeannette Seaver dem Magazin "People". Gegen Allen ("Manhattan", "Midnight in Paris") gibt es seit Jahrzehnten Missbrauchsvorwürfe. Seine Adoptivtochter Dylan Farrow (34) hält ihm vor, sich in ihrer Kindheit an ihr vergangen zu haben. Der Regisseur hat das stets zurückgewiesen.

Farrows Buch basiert auf seinen Recherchen zu den Missbrauchsvorwürfen zahlreicher Frauen gegen den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. Farrow leistete damit einen Beitrag zur Aufklärung des Skandals, der die #MeToo-Bewegung gegen sexuellen Missbrauch ins Rollen brachte. Im Zuge der #MeToo-Bewegung war auch Allen erneut mit den Missbrauchsvorwürfen seiner heute 34 Jahre alten Adoptivtochter Dylan konfrontiert worden.

Die Vorwürfe waren in den 1990er Jahren in zwei getrennten Verfahren untersucht worden. Allen wurde letztlich nicht angeklagt. Unterstützt von ihrer Mutter, der Schauspielerin Mia Farrow, und ihrem Bruder Ronan bekräftigte Dylan 2018 aber ihre Vorwürfe gegen den Filmemacher. Allen hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

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