30. Dezember 2018 18:12

Politik

Besorgnis in London wegen Bootsflüchtlingen im Ärmelkanal

Die Zahl von Bootsflüchtlingen im Ärmelkanal steigt: Auch am Sonntag griffen britische Behörden sechs Iraner auf, die den Ärmelkanal mit einem Schlauchboot überquert hatten, wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf das Innenministerium berichtete. Am Freitag waren zwölf Männer aus Syrien und dem Iran festgenommen worden, die sich auf den Weg nach Großbritannien gemacht hatten.

Ähnliche Fälle häufen sich inzwischen. Der BBC zufolge versuchten zwischen Anfang November und Ende Dezember mehr als 220 Menschen, mit kleinen Booten über die Meerenge zwischen Frankreich und Großbritannien zu gelangen.

Der britische Innenminister Sajid Javid hatte die Lage am Freitag zu einem "schwerwiegenden Ereignis" erklärt und seinen Familienurlaub abgebrochen. Sein französischer Amtskollege Christophe Castaner teilte am Sonntag per Twitter mit, er habe mit Javid telefonisch vereinbart, den Kampf gegen die illegale Migration über den Ärmelkanal zu verstärken.

"Die Situation im Ärmelkanal ist schwer besorgniserregend, mit Menschen, die ihr Leben bei den waghalsigen Versuchen riskieren, Großbritannien in unsicheren Booten bei tückischen Bedingungen zu erreichen", teilte Javid mit.

Die Opposition bezeichnete die Reaktion der Regierung als zu langsam. "Die mangelhafte Strategie des Innenministeriums war es bisher, Flüchtlinge abzuschrecken, in der Meinung, die Probleme im Mittelmeer würden unsere Küsten nie erreichen", schrieb die Parlamentarierin Diane Abbott von der oppositionellen Labour Party im "Sunday Mirror".

Der konservative Unterhaus-Abgeordnete für Dover, Charlie Elphicke, forderte, die Zahl der Patrouillenboote zu erhöhen. Dazu sollten auch zwei Boote genutzt werden, die derzeit im Mittelmeer im Einsatz sind, schrieb Elphicke in der Zeitung "Mail on Sunday".

Einem BBC-Bericht zufolge werden Migranten mit Verweis auf den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens am 29. März und angeblich erhöhten Grenzpatrouillen von Schleppern dazu gedrängt, die gefährliche Überfahrt noch im Winter anzutreten. Das Thema Migration hatte eine große Rolle beim knappen Sieg der Brexit-Befürworter beim EU-Referendum von 2016 gespielt. Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Einwanderung massiv zu reduzieren.

Zahlreiche Migranten wurden am Wochenende auch in Zypern, der Türkei und vor den griechischen Inseln im Osten der Ägäis aufgegriffen. Allein die griechische Küstenwache und die europäische Grenzschutzagentur (Frontex) retteten 69 Menschen vor Lesbos und der kleinen Insel Farmakonisi. Die zypriotische Polizei griff 37 Migranten auf. Die türkischen Behörden stellten nach Angaben der Staatsagentur Anadolu in der Provinz Izmir 109 Migranten, die illegal das Land verlassen wollten. Zwei Schiffe deutscher Hilfsorganisationen warteten unterdessen mit insgesamt Dutzenden geretteten Migranten im Mittelmeer auf die Erlaubnis zum Anlaufen eines Hafens.

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