11. März 2020 17:47

Politik

Biden setzt Siegeszug bei Vorwahlen der US-Demokraten fort

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten hat der frühere US-Vizepräsident Joe Biden seine Siegesserie fortgesetzt. Nach übereinstimmenden Prognosen der Fernsehsender Fox News, CNN und NBC vom Dienstagabend (Ortszeit) konnte sich der gemäßigte Kandidat im wichtigen Vorwahlstaat Michigan gegen seinen Konkurrenten, den linken Senator Bernie Sanders, durchsetzen.

Bei den Vorwahlen in insgesamt sechs Bundesstaaten siegte Biden nach Vorhersagen von TV-Sendern außerdem in Mississippi, Missouri und Idaho. Keinen eindeutigen Gewinner sahen die Sender zunächst im Bundesstaat Washington. Prognosen zufolge konnte der linke Senator Bernie Sander die Vorwahl im Bundesstaat North Dakota gewinnen. Das meldeten die Fernsehsender Fox News, NBC und CNN übereinstimmend.

Sanders' Sieg in North Dakota kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für ihn im Zweierduell mit Biden immer enger wird. In dem Bundesstaat geht es lediglich um die Stimmen von 14 Delegierten für den Parteitag der Demokraten im Juli, auf dem der Präsidentschaftskandidat gekürt wird. Zum Vergleich: Im Industriestaat Michigan geht es um die Stimmen von 125 Delegierten.

Einige hätten seine Wahlkampagne noch vor kurzem totgesagt, sagte Biden, nachdem sein Sieg in Mississippi, Missouri und Michigan feststand. "Nun sind wir sehr lebendig", ergänzte er bei einem kurzen Auftritt in Philadelphia. "Heute Abend sind wir einen Schritt weiter, Anstand, Würde und Ehre im Weißen Haus wiederherzustellen."

Biden rief Sanders noch am Wahlabend zur Zusammenarbeit auf. "Wir haben ein gemeinsames Ziel. Zusammen werden wir Donald Trump besiegen", sagte der 77-Jährige in einer Ansprache. "Wir werden diese Nation zusammenbringen." Er danke Sanders und seinen Anhängern für ihre "unermüdliche Energie und Leidenschaft".

Präsident Donald Trump seinerseits erklärte sich bei allen sechs Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur seiner Republikaner zum Sieger.

Die Abstimmung in Michigan - ein Industriestaat im Mittleren Westen der USA - galt in der Frage, wer Trump herausfordern soll, als wichtiger Indikator für die Stärke der demokratischen Bewerber. Sein Sieg in Michigan bringt Biden einen besonderen Schub - und bedeutet für Sanders (78) einen herben Rückschlag. Biden sprach auf Twitter von "einer großartigen Nacht".

Keine zwei Wochen ist es her, da war Bidens Wahlkampf schon beinahe totgesagt worden. Nach Niederlagen bei den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und Nevada schien seine letzte Chance in South Carolina zu liegen. Diese Chance konnte Biden dort Ende vergangenen Monats in einen spektakulären Erfolg verwandeln, dem am "Super Tuesday" eine ganze Siegesserie folgte: Biden gewann am Dienstag vergangener Woche in 10 von 14 Bundesstaaten gegen Sanders. Die Fortsetzung folgte an diesem Dienstag vor allem mit dem Erfolg in Michigan. Auch in nationalen Umfragen hat Biden wieder klar die Führung übernommen.

Im Februar hatte es für Sanders noch rosig ausgesehen: Über längere Zeit führte er in nationalen Umfragen und startete stark in die Vorwahlserie. Doch Bidens plötzliches Comeback erwischte auch Sanders kalt und bremste seinen Lauf jäh aus. Seine Konkurrentin Elizabeth Warren, die wie Sanders für eine linke Agenda steht, machte diesem am "Super Tuesday" noch Stimmen streitig und schied erst danach aus. Außerdem sprach sie ihm - zumindest bisher - nicht die erhoffte öffentliche Unterstützung aus. Sanders hatte sehr auf einen Sieg in dem wichtigen Vorwahlstaat Michigan gehofft, um das Rennen zu drehen und zu Biden aufzuholen. 2016 hatte er dort bei der Vorwahl noch gewonnen. Doch der Befreiungsschlag für ihn blieb aus.

Entschieden ist das Rennen zwischen Sandes und Biden noch nicht: Bei den Vorwahlen wurden bisher die Stimmen von knapp 47 Prozent der 3.979 regulären Delegierten für den Parteitag der Demokraten vergeben. Derzeit hat Biden mehr Delegiertenstimmen als Sanders. 1.991 Delegiertenstimmen sind am Ende nötig für eine Nominierung.

Sanders bleibt trotz einer Reihe von Vorwahl-Niederlagen im Präsidentschaftsrennen. Der 78-Jährige kündigte am Mittwoch an, wie geplant am Sonntag bei einem TV-Duell gegen seinen Mitbewerber Joe Biden anzutreten. Dann könnten die US-Bürger sehen, wer der beste Kandidat sei, um bei der Präsidentschaftswahl im November Amtsinhaber Donald Trump zu besiegen.

Am kommenden Sonntag steht in Arizona die nächste Fernsehdebatte an. Biden hat sich in den vergangenen Monaten nicht als begnadeter Redner hervorgetan, und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Mit Patzern, Versprechern und Aussetzern zog er viel Spott auf sich. Dass er durch das zusammengeschrumpfte Format viel Redezeit im TV-Duell mit Sanders bekommen wird, spielt ihm nicht in die Hände. Sanders dagegen liegen öffentliche Debatten. Er dürfte dort glänzen und Biden zusetzen. Womöglich könnte ihm das Schwung für die nächsten Vorwahlen geben.

Afroamerikaner sind bei den Demokraten eine wichtige Wählergruppe. Bidens Erfolge haben gezeigt, dass er auf ihre Unterstützung setzen kann. In südlichen Bundesstaaten, in denen relativ viele Schwarze leben, konnte er teils fulminante Siege verbuchen: etwa in South Carolina oder nun in Mississippi. Auch die Parteiführung sähe lieber Biden als den selbst ernannten "demokratischen Sozialisten" Sanders als Kandidaten.

Die Republikaner hielten am Dienstag zwar ebenfalls Vorwahlen ab, das aber pro forma. Trump hat intern keinen ernsthaften Herausforderer und ist als Kandidat seiner Partei für die Wahl im November gesetzt. Die Republikaner haben daher in mehreren Bundesstaaten die Vorwahlen gleich ganz abgesagt. Von den bisher bei den Republikaner-Vorwahlen vergebenen Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im August hat Trump so gut wie alle gewonnen.

Das Coronavirus breitet sich auch in den USA aus und beeinflusst dort inzwischen den Wahlkampf. Sowohl Biden als auch Sanders sagten am Dienstagabend Wahlkampfauftritte im US-Bundesstaat Ohio wegen Warnungen der dortigen Behörden vor Großveranstaltungen ab. Zudem wird die TV-Debatte zwischen Biden und Sanders am Sonntag in Phoenix entgegen der Planungen nun ohne Studiopublikum stattfinden. Trump sagte am Samstag zwar noch, er wolle weiterhin "gewaltige" Wahlkampfveranstaltungen abhalten. Sein jüngster Wahlkampfauftritt liegt allerdings bereits mehr als eine Woche zurück - und neue Veranstaltungen sind derzeit nicht angekündigt.

© APA
2019 © PULS 4 TV GmbH & Co KG | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ