28. Januar 2020 07:42

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Children: "'Geht nicht' ist nicht unsere Lebensphilosophie"

Berlin hat das Elektro-Pop-Duo Children ebenso geprägt wie die ostdeutsche Provinz, aber auch Girlbands und die Beatles hinterließen Spuren im Sound der beiden Musikerinnen Steffi Frech und Laura Daede. Dass ihr am Freitag erscheinendes Album "Hype" so erfrischend klingt, hat noch einen Grund: "'Das geht nicht' ist ein Spruch, den wir beide nicht mögen. Das ist nicht unsere Lebensphilosophie."

"Als wir vor zehn Jahren nach Berlin gingen, gründeten wir eine Band", erzählten Frech und Daede im Gespräch mit der APA in Wien. "Wir hatten das nie als großes Projekt im Kopf, sondern haben einfach gemacht. In den vergangenen Jahren bekam das Ganze zusätzlichen Drive. Und wenn man merkt, dass andere Interesse an deiner Arbeit haben, ist das natürlich eine zusätzliche Motivation." Schließlich zeigte auch das renommierte Indie-Label Grönland Interesse und nahm Children unter Vertrag.

Die beiden Musikerinnen kennen sich seit der Schulzeit. "Da haben wir bereits gemeinsame Projekte gemacht - und gemerkt, dass wir sehr gut zusammen arbeiten können", sagte Frech. "Wo die eine aufhört, fängt die andere sehr gut an. Wir ergänzen uns also und haben ähnliche Vorstellungen. Da brauchen wir nicht lange diskutieren." Ihre Mitstreiterin ergänzte: "Natürlich haben wir uns ausgetauscht, welche Musik wir mögen, wie wir klingen wollen. Auch da haben wir uns schnell getroffen."

Man besuchte gemeinsam Konzerte ("Das war keine Industriespionage!", merkte Daede mit einem Lachen an) und sog die Atmosphäre der Berliner Szene auf. "Das ist eine Stadt, wo alles geht, wo es alles gibt", sagte Daede. "Die Indie-Szene war riesengroß, als wir hinzogen. Auch die Techno-Szene. Das hat uns musikalisch sozialisiert. Aber ich würde trotzdem behaupten, dass man auch die mecklenburgische Provinz bei uns heraushört."

Dem fügte Frech zustimmend nickend hinzu: "Man sagt ja, man bekommt die Leute aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus den Leuten. Ich komme aus einem 80-Einwohner-Dorf - und ich spüre das Dorf manchmal. Da habe ich ja prägende Jahre verbracht. Und manchmal denke ich mir: 'Oh Gott, was geht da (in Berlin, Anm.) eigentlich ab?'."

Children machen "Future Retro Pop", wie es im Infoblatt zu "Hype" so schön heißt, mit "flirrenden Retro-Synthesizern, melodische Basslinien und allem voran harmonischem Gesang". Letzterer im kessen Deutsch-Englisch: "Das ermöglicht, mehr von unserem Humor und der Ironie einzubringen", erklärte Frech. "Bei englischen Texten stößt man irgendwo an Grenzen, wenn es nicht die Muttersprache ist. Darum singen wir in beiden Sprachen. Aber auch darauf wollen wir uns nicht festlegen."

Um noch einmal zum Sound des Duos zurückzukehren: "Wir sind mit unterschiedlichsten Klangwelten aufgewachsen. Mein Eltern hatten Platten von den Beatles und Michael Jackson oder auch Queen", sagte Daede. "Dazu die Musik aus unserer Jugend, Girlbands und Boybands und alles, was im Radio lief. Das war ja noch eine andere Zeit, in der alle Radio gehört haben. Klar, ein bisschen ist der Retro-Synthesizer-Juno-Vibe wieder en vogue gerade. Aber man hört es, wenn es nicht nur Midi-Zeug aus der Dose ist, sondern ein Song auch Soul hat. Diese Erkenntnis haben wir mitgenommen."

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

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