22. Oktober 2019 07:42

Kultur

Dagmar und Manfred Chobot übergeben Schenkung an Albertina

Am Donnerstag wird im Leopold Museum zum vierten Mal der Dagmar Chobot Skulpturenpreis vergeben. Den deutlich wichtigeren Termin haben die Wiener Galeristin und ihr Mann, der Autor Manfred Chobot, vergangene Woche beim Notar absolviert. Unterzeichnet wurde der Vertrag einer umfangreichen Schenkung an die Albertina: 800 Werke im Schätzwert von rund drei Millionen Euro.

"Schon als wir nach unserer Heirat 1968 begonnen haben, gemeinsam Kunst zu sammeln, haben wir uns vorgenommen: Einmal werden wir der Albertina alles schenken", versichert das Paar beim Gespräch mit der APA in ihrer Wohnung nahe dem Yppenplatz in Wien-Ottakring. Hier hat alles begonnen. Die Wohnung war von Anfang an Künstlertreff und ab 1971 jeden Montagabend auch offiziell die "Galerie Yppen". Später wurde sie in "Galerie Chobot" umbenannt und der Galerienbetrieb 1983 in die Domgasse in die Wiener Innenstadt übersiedelt. In der Wohnung bedeckten Kunstwerke und Bücherregale bald jeden freien Quadratzentimeter Wand. Das ist auch heute noch so.

Im Lauf eines halben Jahrhunderts Sammler- und Galeristentätigkeit haben die Chobots eine große Kunstsammlung zusammengetragen. "Wir wollen, dass sie auch nach unserem Tod zusammenbleibt und weiter betreut wird", begründen sie ihren Entschluss. Dabei hätten die beiden, die unabhängig voneinander mit dem Goldenes Verdienstzeichen der Stadt Wien ausgezeichnet wurden (1995 erhielt Dagmar Chobot die Auszeichnung für ihre Arbeit als Galeristin, heuer wurde ihr Mann Manfred als Autor geehrt), eigentlich noch keinen Grund, Vorsorge zu treffen: Das Paar ist 72 bzw. 73 Jahre alt, und von ungebrochener Lebens- und Abenteuerlust kündet u.a. das heuer im Löcker Verlag erschienene Buch "In 116 Tagen um die Welt", in dem Manfred Chobot die gemeinsame Weltumrundung per Kreuzfahrtschiff dokumentierte, die die beiden einander zur Goldenen Hochzeit geschenkt hatten.

Und doch haben sie die Dinge nun genau geregelt: 650 Werke hat die Albertina bereits jetzt übernommen, 150 weitere sind bereits ins Eigentum der Albertina übertragen worden, verbleiben aber - wie etwa ein großformatiges Gemälde von August Walla im Esszimmer - bis zum Ableben der Stifter noch in deren Verwahrung. "Wir wollen schon noch von Kunst umgeben sein und uns nicht Poster an die Wände hängen müssen", scherzt Manfred Chobot - wohl wissend, wie groß sein Understatement dabei ist. Rund noch einmal so viele Werke verbleiben im Besitz der Chobots. Eine weitere Schenkung, diesmal an das Wien Museum, ist bereits fixiert.

Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder hat persönlich bei den Chobots die hauptsächlich österreichische Kunst der 1970er und 80er-Jahre umfassenden Sammlungsbestände gesichtet und jene Werke und Werkgruppen ausgewählt, die in seinem Museum Lücken schließen. "Er hat sich sehr eingebracht, in einer Detailliertheit, die ich nie vermutet hätte", ist Dagmar Chobot voll des Lobes. "Nicht nur deshalb haben wir das Gefühl: Unsere Sammlung ist in guten Händen."

Schröder selbst nennt die Schenkung "ihrem Umfang und ihrer Qualität nach eine ganz wichtige Bereicherung der Sammlungen für Gegenwartskunst in der Albertina. Seit vielen Jahren habe ich das Programm der Galerie Chobot aus nächster Nähe verfolgt. Deren unschätzbares Verdienst ist ja nicht zuletzt, der österreichischen Skulptur eine Bahn gebrochen zu haben."

Ein großer Teil der Art Brut Sammlung der Chobots wechselt an die Albertina, über 250 Zeichnungen des Wiener Zeichners Karl Anton Fleck (1928-1983) samt umfangreichen Materialien, Werke u.a. von Jürgen Messensee und Henri Michaux, sowie umfangreiche Werkblöcke von Ernst Zdrahal, Othmar Zechyr, Bruno Gironcoli und Alfred Hrdlicka, von dem ein 300 Kilogramm schwerer Steintorso noch mitten in einem der Zimmer auf dem Parkett liegt.

Ab 13. Dezember wird die Albertina in einer Sonderausstellung einen ersten Einblick in die Sammlung Chobot geben, vertraglich ist auch eine Karl Anton Fleck-Ausstellung innerhalb der kommenden drei Jahre vereinbart. "Ich denke, es wird aber auch einiges aus unserer Sammlung zur Eröffnung der 'Albertina modern' im Künstlerhaus zu sehen sein", sagt Dagmar Chobot.

Für die 10.000-Euro-Dotierung des Skulpturenpreises, für den eine Jury Alfredo Barsuglia, Cäcilia Brown, Julian Göthe, Bernd Oppl, Marusa Sagadin und Anne Schneider nominiert hat, kommt die Galeristin derzeit im jährlichen Wechsel mit der Bildrecht-Verwertungsgesellschaft privat auf. Doch auch hier gibt es bereits ein Zukunftsprojekt: Nach dem Tod des Paares sollen aus den Mieteinnahmen des Hauses beim Yppenplatz zwei Preise finanziert werden - abwechselnd mit dem Dagmar Chobot Skulpturenpreis wird es dann auch einen Manfred Chobot Literaturpreis geben.

© APA