29. November 2019 09:29

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Dornhelm beleuchtet in "Vienna Blood" "mysteriöse Zeit"

Nach dem großen Erfolg der Erstausstrahlung in der BBC kommt der Fernsehdreiteiler "Vienna Blood" nun auch hierzulande auf den Bildschirm: Am 20. Dezember feiert "Die letzte Seance" auf ORF 2 Österreichpremiere. Am Donnerstag stellte Regisseur Robert Dornhelm gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern Juergen Maurer und Matthew Beard den zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelten Krimi in Wien vor.

Im Zentrum steht der Kriminalbeamte Oskar Rheinhardt (Maurer), der einen mysteriösen Mord an einer jungen Frau, die als Medium gearbeitet hat, aufklären soll. Sehr zu seinem Missfallen wird er bei seinen Ermittlungen von dem jungen englischen Mediziner Max Liebermann (Beard) begleitet, der in Wien bei Sigmund Freud studiert hat und nun die Psychologie des Verbrechens erkunden will.

Ein damals völlig neuer Ansatz, an den sich alle Beteiligten erst gewöhnen müssen. Die Geschichte von "Vienna Blood" basiert auf den "Liebermann"-Romanen von Frank Tallis, die nun für den Dreiteiler von Steve Thompson adaptiert wurden. Dornhelm führte in der ersten Folge Regie, Teil 2 und 3 stammen aus der Hand von Umut Dag.

Gedreht wurde die MR-Film-Produktion auf Englisch, um ein internationales Publikum zu erreichen. "Die Idee von Film ist ja, dass er Grenzen überschreiten soll", erläuterte Dornhelm im APA-Interview seinen Zugang. Mit mehrsprachigen Sets kennt sich der Regisseur von multinational besetzten Filmen wie "Krieg und Frieden" oder "Maria Theresia" schließlich aus. Im vorliegenden Fall wurden ausschließlich die englische Familie Max Liebermanns, den der junge Brite Matthew Beard gibt, mit Engländern besetzt. Die "echten" Wiener werden neben Maurer unter anderem von Roland Koch, Ursula Strauss, Petra Morze und Maria Bill gespielt. "Es ist wirklich besonders charmant, weil die Österreicher einen leichten Akzent haben", schwärmt Dornhelm vom englischen Original. Im ORF wird der Film allerdings in deutscher Synchronisierung laufen.

Für Juergen Maurer war das Drehen auf Englisch zwar eine Herausforderung, seine schauspielerischen Leistungen seien davon jedoch nicht beeinflusst worden. "Man spricht ja schließlich einen Text, den man vorher gelernt hat und muss nicht beim Sprechen gleichzeitig in einer Fremdsprache kreieren", erzählte er im APA-Gespräch. "Wenn man der Sprache mächtig ist, ist der Ausdruck derselbe." Zusätzlich habe er am Set viel mit einem Sprachcoach gearbeitet.

Auch das nachträgliche Synchronisieren sei ihm nicht schwer gefallen. "Ich habe früher einmal in Leipzig russische Spielfilme für den MDR synchronisiert, seitdem kann ich das. Es ist ein Handwerk." Ob er zu jenen Schauspielern gehört, die sich selbst nicht auf dem Bildschirm sehen wollen? "Ich kann mir selbst auch nicht zuschauen, aber darum geht es in dem Moment ist. Man kann beim Synchronisieren nicht denken: 'Oh, da hab ich aber schlecht gespielt'. Weil das hört man dann gleich in der Stimme. Es ist eine Konzentrationssache."

Einen besonderen Reiz an dem Stoff von "Vienna Blood" hatte sowohl für Dornhelm als auch für Maurer die "besondere Zeit" kurz vor dem Ersten Weltkrieg ausgemacht. "Es ist eine mysteriöse, für mich unverständliche Zeit, in der etwa unsere Helden, die Literaten, für einen Krieg warben. Eine Zeit, in die die tollsten Errungenschaften in Architektur, Literatur, Musik und Bildende Kunst fallen und zugleich dieser dämliche Nationalismus entsteht", so Dornhelm: "Das hat mich interessiert." Einen ähnlichen Zugang hat auch Beard, der bei Wien um 1900 vor allem an Klimt, Kokoschka und Schiele dachte. "Natürlich wusste ich nichts über Karl Lueger oder die spezifische politische Situation. Ich wusste allerdings, dass Hitler in die Kunstschule wollte."

Dass "Vienna Blood" auch international ein Erfolg wird, kann er sich gut vorstellen. "Ich denke, der Film wird international funktionieren, weil die Welt sich für Wien um 1900 interessiert. Auf einer simpleren Ebene lieben die Menschen einfach auch Kostüme und wunderschöne Sets." Viele Menschen hätten jedoch eine sehr romantisierte Vorstellung von Wien. "Aber was der Film macht, ist, die dunklere Seite herauszubringen, die politischen Verhältnisse, den Nationalismus, den Antisemitismus. Ich hoffe, es gibt eine gute Balance zwischen der klassisch unterhaltsamen Detektivgeschichte und den relevanten politischen Themen, die im Film mitschwingen."

Juergen Maurer freut sich jedenfalls, dass die Ausstrahlung in der BBC so erfolgreich war, wo durchschnittlich 2,5 Mio. Zuseher erreicht wurden. Ob eine internationale Karriere für ihn infrage kommt? "Ich bin kein großer Verfechter der Idee des internationalen Durchbruchs. Ich freue mich über alles, was passiert. Ich bin schon jetzt so ein großer Glückskeks, ich werde nicht herumwatscheln und sagen, ich will Weltkarriere machen."

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