14. November 2019 00:06

Politik

Ein Toter bei Protesten in Bolivien

Bei Protesten von Anhängern des zurückgetretenen bolivianischen Staatschefs Evo Morales ist am Mittwoch ein Mann erschossen worden. Der 20-jährige Demonstrant sei nahe der Stadt Santa Cruz im Osten des Landes durch einen Kopfschuss getötet worden, sagte der Arzt Jhonny Guzman.

Der Vorfall ereignete sich in der Ortschaft Yapacani, wo sich Unterstützer des Ex-Staatschefs aus Protest gegen den Amtsantritt der Übergangspräsidentin Jeanine Anez gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten.

Auch in La Paz gingen hunderte Anhänger des gestürzten Präsidenten auf die Straße. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, die nur wenige hundert Meter vom Präsidialpalast entfernt Steine auf Polizisten warfen.

Anez war am Dienstag vereidigt worden. Sie hatte sich zuvor mit Zustimmung des Verfassungsgerichts selbst als Übergangspräsidentin ernannt, nachdem das Parlament nicht die für eine Wahl nötige Beschlussfähigkeit erreicht hatte. Laut bolivianischer Verfassung muss Anez nun ihre Regierung ernennen und innerhalb von 90 Tagen Neuwahlen organisieren.

In Bolivien war ein Machtvakuum entstanden, nachdem der unter Druck geratene bisherige Staatschef Morales am Sonntag nach wochenlangen Protesten zurückgetreten war. Er ging nach Mexiko ins Exil. Von dort aus kündigte er am Mittwoch an, er werde nach Bolivien "zurückkehren, wenn mein Volk das will, um die Situation zu beruhigen". Morales rief zu einem "nationalen Dialog" zur Beilegung der politischen Krise auf. Übergangspräsidentin Anez sprach er jegliche Legitimität ab.

Auslöser der Proteste in Bolivien war die umstrittene Präsidentenwahl vom 20. Oktober. Morales, der erste indigene Staatschef Boliviens, war für eine vierte Amtszeit angetreten. Die Verfassung hätte eine weitere Kandidatur eigentlich nicht zugelassen, das Verfassungsgericht gestand ihm dies aber dennoch zu.

Der offiziell verkündete Wahlsieg von Morales bereits in der ersten Runde wurde von der Opposition als Betrug angeprangert und nicht anerkannt. Zuletzt hatte am Sonntag auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wegen schwerwiegender Unregelmäßigkeiten gefordert, die Wahl für ungültig zu erklären.

© APA
2019 © PULS 4 TV GmbH & Co KG | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ