27. Januar 2020 17:56

Chronik

Einsatzstab zum Coronavirus tagte im Innenministerium

Im Innenministerium in Wien hat am Montag der Einsatzstab zum Coronavirus getagt. Mit dabei waren alle Ministerien, Vertreter der Blaulichtorganisationen und der Bundesländer. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte im Anschluss, dass mit den Fällen in Frankreich das Coronavirus zwar in Europa angekommen ist, dies sei aber "kein Grund für Panik".

Vielmehr sei es ein Grund für erhöhte Vorsicht und gute Vorbereitung für einen etwaigen Erkrankungsfall. Österreich sah er dafür gut gerüstet, man könne "nicht besser vorbereitet sein". Man sei außerdem "sehr gut eingebettet in die europäischen Gesundheitsbehörden". Es gebe laufende Abstimmungen, Information und Kommunikation, betonte Anschober. Aktuell gibt es in Österreich drei Verdachtsfälle - zwei in Wien und einen in Klagenfurt.

Das Innenministerium ist für die Koordination der zivilen Sicherheit zuständig, weshalb der Einsatzstab auch dort tagte. Einberufen wurde er vom stellvertretenden Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Lang. "Alle relevanten Gruppen innerhalb der Republik sind zusammengekommen", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). "Österreich hat schon sehr viele Herausforderungen dieser Art erlebt und gemeistert", betonte Nehammer.

Gesundheitsminister Anschober vertraut darauf, dass die chinesischen Behörden die Causa ernst nehmen und betonte auch, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO an Ort und Stelle in China ist. Er habe keine "gegenteilige Annahme, dass die Zahlen nicht stimmen", meinte er in Hinblick auf die Informationen der chinesischen Behörden. Auch mit der chinesischen Botschaft in Wien gebe es eine "gute Kooperation", betonte Anschober.

Künftig will das Gesundheitsministerium jeden Tag eine Statistik über Verdachtsfälle veröffentlichen. Hilfreich sei hier auch die am Samstag erlassene Verordnung gemäß dem Österreichischem Epidemiegesetz, wonach das neuartige Coronavirus einer Anzeigepflicht unterworfen wird. "Informationen sind derzeit das wichtigste" betonte Anschober. Dass die Zahl der Verdachtsfälle ansteigen könne, wäre "keine Überraschung", insbesondere da die Symptome auch der Grippe ähneln. Patienten sollen bei hohem Fieber jedenfalls "einen Arzt rufen und keine Massenbeförderungsmittel benutzen, sondern zuhause blieben", riet Anschober.

Am Montagvormittag wurden zwei österreichische Staatsbürger nach China-Reisen im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien behandelt. Die Frau und der Mann hatten sich unabhängig voneinander und selbstständig in Wiener Spitäler - einmal ins AKH und einmal ins Kaiser-Franz-Josef-Spital - begeben. Der Patient vom AKH wurde dann in die 4. Medizinische Abteilung im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital überstellt, wo auch die Frau ist. Die beiden Patienten befanden sich in einem allgemein guten Zustand und sind nicht schwer krank, hieß es aus dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV). Ob sie bei ihren China-Reisen in der betroffenen Provinz Hubei waren, muss erst geklärt werden. Sie werden beide auf der Isolierstation behandelt. Die auf Diagnose und Behandlung spezialisierte Abteilung im Kaiser-Franz-Josef-Spital hat jahrzehntelange Erfahrung und weist höchsten technischen Standard auf.

Bei dem am Montagnachmittag in Klagenfurt gemeldeten Coronavirus-Verdachtsfall handelt es sich um einen Mann, der sich in einer der betroffenen Provinzen in China aufgehalten hatte und sich jetzt in seinem Haus in Quarantäne befindet. Das teilte das Land Kärnten in einer Aussendung mit. Auf dem Rückflug war er darauf aufmerksam gemacht worden, dass er die Behörden kontaktieren solle.

Der Patient habe keine Symptome, er befinde sich aber trotzdem für die Dauer der Abklärung zuhause, in einem Einfamilienhaus, unter Quarantäne, teilte das Land Kärnten mit. Dem Mann wurde eine Probe entnommen, mit einem Ergebnis wird bereits am (morgigen) Dienstag gerechnet. Schon bevor es eine Meldepflicht gegeben hatte, habe man zwei Verdachtsfälle geprüft, verlautbarte das Land - diese Ergebnisse waren aber allesamt negativ gewesen. Man stehe mit den Krankenhäusern und allen niedergelassenen Ärzten sowie dem zuständigen Ministerium in Kontakt.

Am Montag wurde auch bekannt, dass sich in der stark betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei derzeit zwei Österreicher befinden. Die beiden Männer wollen zurück nach Österreich. "Die Reisenden werden bei ihrem Ausreisewunsch von der österreichischen Botschaft unterstützt", sagte Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer am Montag auf APA-Anfrage. Die beiden Männer haben laut dem Sprecher "einmal einen beruflichen und einmal einen privaten Background" für ihre Reise nach China und haben sich temporär in der Provinz Hubei aufgehalten. Die beiden Männer weisen laut Guschelbauer keinerlei Krankheitssymptome auf. Insgesamt halten sich derzeit rund 3.000 Österreicher in China auf. Davon sind rund 2.300 Auslandsösterreicher und rund 700 Touristen.

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