3. Dezember 2018 11:43

Kultur

Erste FC-Gloria-Filmpreise für Frauen

2010 wurde der Verein FC Gloria zur Unterstützung weiblicher Filmschaffender initiiert. "Es gibt seit unserer Gründung zwar einige Verbesserungen wie Anreizmodelle bei manchen Förderstellen, aber insgesamt geht es leider zu langsam voran", umreißt Vorständin Andrea Pollach im APA-Gespräch die Lage. Nicht zuletzt deshalb hat man die FC-Gloria-Filmpreise initiiert, die am Dienstag verliehen werden.

Die biennalen Auszeichnungen werden im Wiener Stadtkino in vier jeweils mit 5.000 Euro in bar und 1.000 Euro in Sachpreisen dotierten Kategorien verliehen: "Gloria" für eine Frau im Filmbereich über 40 Jahre, "Gloriette" für eine Filmemacherin im Bereich "Innovativer Film", die Nachwuchsauszeichnung "Louise Fleck Preis" sowie "Gloriosa Spotlight" für die Arbeit hinter den Kulissen wie Dramaturgie oder Regieassistenz.

"Ein Grund für uns, den Preis zu initiieren, ist natürlich auch, den FC Gloria bekannter zu machen", konstatiert Pollach: "Die Preisträgerinnen stehen aber absolut im Mittelpunkt - und es geht darum, sie zu feiern. Zugleich war uns wichtig, dass der Preis auch dotiert ist, weil das einfach eine andere Wertschätzung ausdrückt."

Schließlich sei die Frage des Geldes gerade in punkto Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche eine virulente: "Unserer Meinung nach ist die geringe Repräsentanz von Frauen ein strukturelles Problem, das nicht nur in der Filmbranche zu finden ist. Hier ist es nur eklatanter, weil Film viel Geld kostet." Frauen müssten im Schnitt immer noch mit kleineren Budgets arbeiten. Auch stelle sich nach wie vor die Problematik bei der Verteilung der Berufe auf Männer und Frauen, was nicht zuletzt der heuer mit ersten zentralen Ergebnissen publizierte Film Gender Report zeige.

Die Schlussfolgerung für den FC Gloria ist deshalb eindeutig: "Es braucht eine Quote. Und als erster Schritt gilt es zu erreichen, dass mehr Frauen Projekte zur Förderung einreichen." Die in diesen Fragen hilfreiche Vernetzung lässt in Richtung der aktuellen Bundesregierung jedoch zu Wünschen übrig. "Wir haben jetzt keinen Kontakt zur Spitze der Kulturpolitik. Unter Thomas Drozda (SPÖ-Kulturminister, Anm.) war das noch anders. Wenn jemand mit Interesse auf uns zukommt, werden wir uns nicht versperren. Es scheint aber von der jetzigen türkis-blauen Regierung keinerlei Interesse an den Anliegen der Filmbranche im Allgemeinen zu geben. Es wird hier eine völlig Abschottungspolitik betrieben", bedauert Pollach. Immerhin mit Wiens neuer Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler habe man für Anfang kommenden Jahres ein Treffen vereinbart.

Zugleich seien die Budgets in der Frage der Gendergerechtigkeit nicht alles. "Es geht auch um Inhalte, nicht nur ums Geld", macht das Gloria-Vorstandsmitglied deutlich: "Es müssen interessante Geschichten mit Frauen als Protagonistinnen erzählt werden - respektive damit auch interessantere Männerfiguren. Es geht um die Diversität einer Gesellschaft, die abgebildet werden soll."

Um das zu befördern hat der FC Gloria mit seinen rund 100 Mitglieder neben den Filmpreisen schon seit längerem weitere Vereinsschienen initiiert. So gibt es ein Mentoringprogramm, das mittlerweile rund 70 Frauen durchlaufen haben, Kinosalons als offene Treffpunkte zum Vernetzen und eine Datenbank mit Vertreterinnen aus allen Filmberufssparten. Und auf der Diagonale macht man alljährlich mit einer humorvollen Bierdeckel-Kampagne auf die eigenen Anliegen aufmerksam und hat heuer etwa Geschlechterstereotype im Kinderfernsehen angeprangert. Und ein baldiges Ende für den Verein ist laut Pollach nicht in Sicht: "Uns wird es so lange geben, bis die Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche hergestellt ist - und das wird noch dauern."

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

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