15. November 2019 12:40

Kultur

Eva Hesse, geblitzte Objekte und Moderne im mumok

Nach einem "sehr erfolgreichen Sommer" mit der Op Art-Ausstellung "Vertigo" und der Dorit Margreiter-Personale startet das Wiener mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig nun mit dem grafischen Werk von Eva Hesse, der Gruppenausstellung "Objects Recognized in Flashes" und der Sammlungspräsentation "Im Raum die Zeit lesen" mit einem geballten wie ansprechenden Programm in die Wintermonate.

"Forms Larger and Bolder" nennt das mumok die Ausstellung im obersten Geschoß in Anlehnung an eine Eigenbeschreibung einer Werkgruppe der Künstlerin. Hesse, 1936 in Hamburg geboren und vor den Nazis mit ihrer Familie in die USA geflüchtet, beschrieb damit 1965 eine Gruppe von "mechanischen Zeichnungen", die Details von technischen Apparaturen abzubilden scheinen und zugleich körperhaft anmuten. In der Ausstellung zeigt man anhand von 70 Arbeiten auf Papier aus dem Allen Memorial Art Museum am Oberlin College in Ohio das grafische Werk Hesses erstmals in Österreich. Besonders überzeugt dabei die gewählte Präsentation im Ausstellungsdesign, das mit nach unterschiedlichen Seiten geöffneten Kuben spielt, an deren Wänden die Werke gehängt sind.

"Als geometrische Grundform, ikonisches Element des Minimalismus und nicht zuletzt als Volumen, das sich aus Flächen zusammensetzt, wird der Kubus bei Hesse aufgeklappt und befüllt, perspektivisch gedreht oder gar anthromorphisiert", erläuterte Kuratorin Manuela Ammer am Freitag bei der Presseführung das Konzept. Das umfangreiche grafische Werk Hesses, die 1970 im Alter von nur 34 Jahren an einem Gehirntumor starb, umfasst düstere Aquarelle und Gouachen aus den späten 1950er-Jahren ebenso wie bunte, kindlich anmutende Material-Collagen oder filigrane Grafit-Zeichnungen auf Millimeterpapier.

Der Umgang mit analogen und digitalen Bildern und die Beziehung von Material und Immaterialität steht im Zentrum der Gruppenschau "Objects Recognized in Flashes", die Arbeiten der 42-jährigen US-Amerikanerin Michele Abeles, der 44-jährigen Deutschen Annette Kelm, der 52-jährigen Britin Josephine Pryde und der 47-jährigen US-amerikanischen Fotografin Eileen Quinlan versammelt. "Die Faszination und Widersprüchlichkeit, die von der Produktfotografie ausgeht, findet ihren Widerhall in einer Kunst, die sowohl deren Verlockungs- und Verschleierungsmechanismen beleuchtet als auch deren Spiel mit Begehren, Genießen und Identifikation gegen den Mainstream selbst wendet", fasst Kurator Matthias Michalka den Zugang der Künstlerinnen zusammen.

Doppelschichtig im wahrsten Sinne des Wortes präsentieren sich die Arbeiten von Michele Abeles: So hat sie etwa Textilien, Hände oder technische Utensilien fotografiert, auf ihr Tablet geladen und dann erneut abfotografiert, wodurch vereinzelte Tropfen oder Farbspritzer auf dem Display den Status von Oberfläche hinterfragen. Annette Kelm hingegen zwingt durch Arrangements unterschiedlicher Objekte zu einem zweiten Blick: Ihre Fotos zeigen etwa einen Wecker in einer transparenten Handtasche, einen auf bunten, mit Smileys bedruckten Schachteln dreibeinig stehenden Korbsessel oder eine vor Steinformationen drapierte Ananas-Pflanze auf einem Rollwagen.

Reflektierende oder blendende Oberflächen finden sich in den Objekt-Fotos von Josephine Pryde: So setzt sie etwa Schmuck und Zigarettenpackungen, Meerschweinchen und Plastikfolie oder Nagellack und Haut miteinander in Beziehung. Aber auch bedruckte, aus der Wand ragende Metallrohre gehören zu ihren verstörenden, zum Nachdenken anregenden Arbeiten. Mit irritierenden Oberflächen und bunten Formen arbeitet Eileen Quinlan, von der etwa die Serie "Smoke & Mirrors" zu sehen ist. "Quinlans Fotografien haben alles, was für die effektvolle Inszenierung eines Warenfetisch notwendig ist: die Eliminierung oder Abstraktion von Raum und Physis zugunsten einer spektakulären Schwerelosigkeit", so der Kurator.

Mit "Im Raum die Zeit lesen" verabschiedet sich auf Ebene 0 schließlich die langjährige Kuratorin Susanne Neuburger in die Pension. Im Fokus steht die mumok-Sammlung aus der Zeit 1910 bis 1955. Mit Leihgaben aus Häusern wie dem MAK oder dem Leopold Museum ergänzt, zeigt die Kuratorin in einem abwechslungsreichen Parcours Werke von Hans Richter, Friedrich Kiesler, Oskar Kokoschka, Egon Schiele oder Paul Klee. Zentral ist dabei die Fragestellung, inwiefern die Moderne eine Epoche ist. Beantwortet werden soll die Frage mit einer Referenz auf vier Ausstellungen bzw. Buchprojekte, die erste Gesamtdarstellungen der Moderne waren und zentrale Fragen an die eigene Zeit aufgriffen.

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