15. Januar 2020 11:34

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Ex-Königshaus Savoyen überträgt Sukzessionsrecht auf Frauen

Erstmals in ihrer tausendjährigen Geschichte überträgt die ehemalige italienische Königsfamilie Savoyen das dynastische Sukzessionsrecht auf Frauen. Dies wurde vom Savoyen-Prinzen Vittorio Emanuele, Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II., beschlossen, wie die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" in ihrer Mittwochausgabe berichtete.

Damit könnte Vittorio Emanueles Enkelin, die 16-jährige Vittoria, in Zukunft die Führung des Hauses übernehmen. "Wir haben lang über diesen Beschluss nachgedacht. Die Gesellschaft entwickelt sich in Richtung einer immer größeren Chancengleichheit, und die Mehrheit der Königshäuser geht in diese Richtung", sagte Vittorio Emanuele dem Blatt.

Bisher konnte eine weibliche Person das Erbfolgerecht auch dann nicht erlangen, wenn es keine männlichen Erbberechtigten (Söhne, Brüder oder Neffen) gab. Dieses auf das fränkische Gesetzesbuch "Lex Salica" (Salisches Gesetz) aus dem frühen 6. Jahrhundert zurückgehende Prinzip hatte bis vor wenigen Jahrzehnten noch in zahlreichen europäischen Adels- und Königshäusern gegolten.

Die Königsfamilie Savoyen musste bei der Gründung der italienischen Republik 1946 ins Exil gehen. Ihr wurde vorgeworfen, die Machtergreifung durch den Diktator Benito Mussolini ermöglicht und die Rassengesetze der Faschisten 1938 unterzeichnet zu haben. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam auch das Aus für die Savoyer. Für kurze Zeit regierte nach der Abdankung von Vittorio Emanuele III. (1869-1947) noch Umberto II. (1904-1983), ehe die Monarchie infolge einer Volksabstimmung im Juni 1946 abgeschafft wurde. Italien ist seitdem eine Republik.

Umberto II. und seine Familie mussten das Land verlassen. Die männlichen Nachkommen der Savoyer wurden mit einem Einreiseverbot belegt. Dieses endete erst 2002, nachdem Umbertos Sohn Vittorio Emanuele auf alle Thronansprüche verzichtet und sich zur Republik bekannt hatte. Die Überführung der sterblichen Überreste von Vittorio Emanuele III. nach Italien erfolgte 2017. Sie befinden sich im Marienheiligtum Vicoforte nahe der piemontesischen Stadt Cuneo.

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