5. Januar 2020 15:25

Politik

Fast 30 Tote bei Luftangriff auf Militärakademie in Libyen

Bei einem Luftangriff auf eine Militärakademie in Libyens Hauptstadt Tripolis sind mindestens 28 Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden. Das teilte das Militär der international anerkannten Regierung des Landes mit, die nur kleine Gebiete beherrscht. Unbekannte "ausländische Kampfflugzeuge", die General Khalifa Haftar unterstützen, hätten die Akademie in der Nacht auf Sonntag angegriffen, teilte die Regierung der Nachrichtenseite Alwasat Gate zufolge mit.

Wer für den Angriff verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Haftar bemüht sich seit Monaten, Tripolis mit seinen Kämpfern der Libyschen Nationalarmee (LNA) einzunehmen. Die LNA hatte ihre Angriffe auf die Hauptstadt in vergangenen Wochen verstärkt. Haftar wird in dem Konflikt von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Russland unterstützt.

Die Vereinten Nationen verurteilten den Angriff. Die militärische Eskalation würde die Lage im Land weiter verschärfen und Chancen auf eine Rückkehr zu politischen Verhandlungen gefährden, teilte die UN-Mission in Libyen (UNSMIL) bei Twitter mit. Am Samstag hatte der stellvertretende UNSMIL-Einsatzleiter Yacoub El-Hillo sich schockiert gezeigt angesichts der "sinnlosen, willkürlichen Attacken auf zivile Gebiete und zivile Infrastruktur".

Unklar blieb weiter, ob und gegebenenfalls wann die Türkei reguläre Truppen in das nordafrikanische Land entsendet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte dafür am Donnerstag vom Parlament ein Mandat erhalten. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarraj mit Sitz in Tripolis und hat bereits syrische Rebellen dorthin entsandt. Das türkische Außenministerium verurteilte den Angriff auf die Militärakademie und forderte andere Länder dazu auf, Haftar künftig nicht mehr zu unterstützen.

Al-Sarraj hatte im November zwei umstrittene Abkommen mit Erdogan unterzeichnet. Dabei geht es um Seegrenzen im Mittelmeer sowie um die militärische Zusammenarbeit beider Länder. Letzteres Abkommen hatte den Weg frei gemacht für die Entsendung türkischer Truppen nach Libyen. Das Parlament im Osten Libyens, das Haftar unterstützt, stimmte allerdings gegen diese Abkommen. Wie die Sarraj-Regierung auf die Beschlüsse der Abgeordneten reagieren wird, ist unklar.

Das Parlament stimmte auch für strafrechtliche Ermittlungen gegen Al-Sarraj wegen "Hochverrats", da er sich um militärische Unterstützung aus dem Ausland bemüht habe. Zudem stimmte es dafür, die Beziehungen zur Türkei abzubrechen.

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