6. Januar 2020 15:28

Kultur

Festkonzert zum 150. Geburtstag des Wiener Musikvereins

Mit viel Prominenz und zu den Klängen der Wiener Philharmoniker ist am Dreikönigstag der 150. Geburtstag des Wiener Musikvereins begangen worden. Im Goldenen Saal des weltberühmten Konzertgebäudes gab es das gleiche Programm wie einst bei der Einweihung. Semyon Bychkov fiel die Ehre des Dirigats zu, Violinistin Anne-Sophie Mutter glänzte als Solistin.

Fast war es wie beim Neujahrskonzert, so oft hörte man Neujahrswünsche, so viele Prominente waren gekommen. Nur der Blumenschmuck fiel etwas schlichter aus. Doch das Konzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins am Dreikönigstag war etwas ganz Besonderes: das Geburtstagskonzert für eines der prominentesten Konzertgebäude der Welt, 150 Jahre nach der Einweihung. Mit demselben Programm wie einst.

Begonnen hatte der festliche Vormittag mit einem von Elisabeth Waglechner und Sophie Druml am Klavier mit zwei Brahms-Walzern begleiteten Festakt im Brahms-Saal. "Theophil Hansen steht heute im Mittelpunkt", meinte Johannes Stockert, der Präsident der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, in seinen Begrüßungsworten. Altbundespräsident Heinz Fischer erinnerte daran, das der dänisch-österreichische Architekt nicht nur in bloß dreijähriger Bauzeit dieses "Meisterwerk der Architektur" geschaffen habe, sondern auch wenige Jahre später für das österreichische Parlament verantwortlich zeichnete.

Fischer schlug in seiner Rede den großen Bogen von den ersten wissenschaftlich nachgewiesenen Erzeugungen von Tönen und Klängen vor rund 50.000 Jahren über die "außergewöhnliche Pioniertat" der Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde im Jahr 1812 bis zur Gegenwart. Er schloss mit einer "Dankbarkeitserklärung" ("in meinem ursprünglichen Manuskript stand da noch 'Liebeserklärung'") an Musikvereins-Intendant Thomas Angyan und seine Gattin Eva, die ihr halbes Leben dem Musikverein gewidmet hätten und "Herz und Seele dieses Hauses geworden sind".

Angyan begann seine Rede mit den Jubelkritiken, die das Eröffnungskonzert vor 150 Jahren hervorrief ("Auch die kritischsten Geister wurden da zu Lyrikern.") und erinnerte an den kürzlich gestorbenen Dirigenten Mariss Jansons, der das Festkonzert dirigieren hätte sollen. Einen kurzen Streifzug durch die Geschichte des Hauses, das seit der Erweiterung durch die "Vier Neuen Säle" jährlich rund 900 Veranstaltungen für an die 800.000 Besucher anbietet, schloss er mit der Versicherung: "Mehr Musikverein war nie als heute." Doch nicht die Fülle, sondern die Erfüllung sei das Wesentliche, und Hingabe das wahre Fundament - "prägend für die Gegenwart, tragend für die Zukunft".

Kammerschauspieler Michael Heltau stellte sich als "die Stimme des Stehplatzes" ein und erinnerte sich an seinen ersten Musikvereins-Besuch am 18. Mai 1952, als Bruno Walter ein Konzert mit Mozart und Mahler dirigierte. "Da hat der 19-jährige Max-Reinhardt-Seminarist gleich zu Beginn den Kompass eingestellt bekommen." In der Folge habe er nicht nur dieses Haus, sondern auch die Menschen gut kennengelernt, "die dafür sorgen, dass es auf diesem Weltmeisterniveau funktioniert".

Am Konzertpodium waren das beim anschließenden Festkonzert im großen Musikvereinssaal Dirigent Semyon Bychkov und die Wiener Philharmoniker, Violinistin Anne-Sophie Mutter als Solistin bei einem vor allem in den Pianissimi glänzenden Adagio aus dem Violinkonzert E-Dur von Johann Sebastian Bach, Tenor Piotr Beczala mit der bejubelten Arie des Belmonte aus Mozarts "Entführung aus dem Serail", vor allem aber der in Höchstform agierende Singverein mit einer Mini-Kostprobe aus dem Haydn-Oratorium "Die Schöpfung" und einem in größter Innigkeit und Raffinesse a capella gesungenen "Pax vobiscum" von Franz Schubert. Dieser mit Goldfäden gewobene musikalische Fleckerlteppich sollte vor 150 Jahren die unterschiedlichen musikalischen Möglichkeiten des Goldenen Saales darlegen - der heutige Ruf als heilige Halle der Tonkunst musste schließlich erst erworben werden.

Vor Gästen wie Außenminister Alexander Schallenberg, der den letzten Tag seiner Kultur-Zuständigkeit genoss, Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), Salzburgs Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler und -Intendant Markus Hinterhäuser (die heuer das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele feiern), Volksopern-Intendant Robert Meyer, Konzerthaus-Intendant Matthias Naske, Elbphilharmonie-Chef Christoph Lieben-Seutter, Theater an der Wien-Intendant Roland Geyer, den Star-Pianisten Alfred Brendel und Rudolf Buchbinder, Kammersängerin Christa Ludwig, Bariton Thomas Hampson und vielen weiteren Prominenten aus Politik und Kultur gab es nach der Pause Beethovens Fünfte - ein wuchtiges, selbstbewusstes Statement, mit dem man offenbar an jenen Eindruck vor 150 Jahren anschließend wollte, den der "Presse"-Rezensent damals so beschrieb: "Beethoven's Symphonie haben wir nie so prachtvoll gehört; es schien, als habe dies riesenhafte Gebilde erst hier die Räumlichkeit gefunden, die seiner Größe und Schönheit würdig ist."

Mitte 2020 übergibt der nach 32 Jahren scheidende Intendant Thomas Angyan an seinen Nachfolger Stephan Pauly. Der 47-jährige deutsche Musikmanager war ebenfalls im Publikum. Das große Erbe, das er übernimmt, hätte ihm nicht eindrucksvoller vorgeführt werden können.

Das Festkonzert wird heute Abend um 20.15 auf ORF III ausgestrahlt. Die Musikvereins-Feierlichkeiten werden u.a. am 29. Februar mit einem Tag der offenen Tür fortgesetzt.

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