3. November 2019 11:15

Kultur

Filmavantgardist Gustav Deutsch verstarb 67-jährig

Der österreichische Filmavantgardist Gustav Deutsch ist tot. Der gebürtige Wiener verstarb am Samstag im Alter von 67 Jahren, wie das Österreichische Filmmuseum im Namen seiner Lebens- und Filmpartnerin Hanna Schimek bekanntgab. "Mit dem Tod von Gustav Deutsch verlieren wir einen herausragenden Künstler, dessen Werk beständig die Grenzen zwischen den Sparten überwand", heißt es in der Würdigung.

"Er stand für den Glauben daran, dass sich ästhetische Exzellenz mit dem kompromisslosen Bekenntnis zur sozialen Wirkung der Kunst vereinbaren lässt. Vor allem aber war er ein liebenswürdiger und großzügiger Mensch", beschied das Filmmuseum in seiner Mitteilung.

Geboren wurde Gustav Deutsch am 19. Mai 1952 in Wien und begann seine künstlerische Karriere nach der Schule zunächst als Zeichner, Musiker und Fotograf respektive nahm er an der Wiener TU das Architekturstudium auf, das er 1979 abschloss. Ab dieser Zeit veröffentlichte er als Mitglied der Medienwerkstatt Wien auch erste Experimentalfilme, ein Genre, dem er sein Leben lang treu blieb.

Zugleich war der Filmemacher nie auf eine künstlerische Ausdrucksform beschränkt. So gestaltete er als Mitglied der Künstlergruppe Der Blaue Kompressor eine Parkanlage oder zeichnete für mehrere Schwitzhütten verantwortlich. Mit seiner Lebensgefährtin Hanna Schimek realisierte er in Marokko oder auch im Linzer Lentos ("Licht | Bild | Realität atlas" 2004) Ausstellungen und rief später auf der griechischen Insel Ägina die Aegina Academy ins Leben, mit der er Kunst und Wissenschaft zu verbinden suchte. Wichtiger Teil in Deutschs Leben war auch das gesellschaftspolitische Engagement. So nahm er 1976 an der Arena-Besetzung teil und beteiligte sich im selben Jahr im Rahmen seines Architekturstudiums am Wiederaufbau nach dem Erdbeben von Friaul.

Den breitesten Bekanntheitsgrad sicherten Deutsch jedoch seine filmischen Werke. Mit der Trilogie "Film ist..." schaffte er den internationalen Durchbruch. Er etablierte sich zunächst als Meister der Found-Footage-Produktion, also der künstlerischen Neuvermessung vorhandenen Filmmaterials. Auch sein letztes großes Leinwandwerk "So leben wir. Botschaften an die Familie" feierte 2017 nochmals das Medium des Amateurfilms. Seine wohl schönste Arbeit wurde allerdings "Shirley - Visionen der Realität". Für die szenische Belebung von 13 Gemälden Edward Hoppers, die bei der Berlinale Premiere feierte, wurde Deutsch gemeinsam mit Schimek 2014 mit dem Österreichischen Filmpreis für das Szenenbild ausgezeichnet.

Zuletzt arbeitete Deutsch laut Filmmuseum an dem Vermittlungsprojekt "am rand : die stadt". Der Abschluss dieses Vorhabens, das sich dem privaten Blick auf Wien widmen soll, ist für den 14. November geplant, was der Avantgardist nun nicht mehr erleben sollte.

"Gustav Deutsch war der Idealtypus eines Künstlers, der sich in seinem Denken und Schaffen von den Grenzen eines Genres nicht beschränken lässt", zeigte sich in ihrer Reaktion Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) betroffen von der Todesnachricht: "Deutsch gelang die zeitgleiche Dekonstruktion und Konstruktion des Mediums, er war ein selten großer Rechercheur sowie Aufspürer des ins Archiv Verdrängten."

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