7. März 2020 04:00

Politik

Frauenministerin Raab sieht Quote nicht als Allheilmittel

Als Frauenministerin will sich Susanne Raab (ÖVP) dafür einsetzen, die Selbstbestimmung der Frau in der Gesellschaft zu verankern. Frauen sollten nicht in Schubladen gesteckt werden und jedes Lebensmodell wählen können, das sie wollen. Die Politik müsse dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, nimmt sie sich selbst in die Pflicht. Eine Ausweitung von Frauenquoten hält Raab nicht für nötig.

"Ich glaube, die Quote ist kein Allheilmittel für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen", sagte Raab anlässlich des Frauentages am 8. März im Gespräch mit der APA. Die von der Regierung angestrebte 40-Prozent-Quote in Aufsichtsräten staatsnaher Unternehmen finde sie zwar gut, eine Ausweitung auf Geschäftsführung oder Vorstand befürwortet sie jedoch nicht. Lieber solle man Vorbilder schaffen - und da gehe die Bundesregierung mit mehr Frauen als Männern mit gutem Beispiel voran, so die 35-jährige Ministerin. In der Privatwirtschaft möchte Raab Frauen eher durch Förderungen als mit Quoten unterstützen. Außerdem gibt es ab sofort ein "Equal Pay Siegel" für Unternehmen zur innerbetrieblichen Frauenförderung.

Grundsätzlich ist es ein Ziel der ÖVP-Politikerin, in ihrer Amtszeit starke Frauen vor den Vorhang zu holen. "Ich möchte alle Frauen ermutigen, zu zeigen was sie können", sagte Raab. Frauen hätten etwa "ein besonderes Gespür", so Raab - auch in der Teamführung. Durchmischte Teams würden jedes Unternehmen und jeden Betrieb besser machen, ist sie überzeugt.

Mit der ersten ernsthaften Budgeterhöhung für das Frauenressort seit 2010 - von zehn auf zwölf Millionen - zeigte sich Raab zufrieden. "Ich lasse mir den Erfolg nicht kleinreden", sagte sie in Anspielung auf Kritik, derzufolge die Erhöhung eigentlich nur den Inflationsverlust der letzten Jahre ausgleicht. Mit den zwei Millionen möchte sie "ganz wichtige Projekte für den Gewaltschutz auf den Weg bringen", sagte die Ministerin. Zwei weitere Millionen über den Integrationsfonds will Raab für die Prävention "kulturell bedingter Gewaltformen" in Österreich einsetzen und nannte hier etwa die Zwangsverheiratung junger Mädchen als Missstand. "Keine Form von Gewalt kann durch Tradition, Kultur oder Ehre gerechtfertigt werden", wurde betont.

Welche Frauenorganisationen von der Budgeterhöhung profitieren werden, ist noch in Abklärung. Sie habe zuletzt viele dieser Organisationen kennengelernt und den Eindruck gewonnen, dass dort sehr wertvolle Arbeit für Frauen geleistet werde, sagte Raab. Ab jetzt werden die Förderanträge überprüft, danach werde entschieden. In erster Linie gehe es ihr darum, die faktische Sicherheit von Frauen zu stärken. "Das bedeutet: Wir brauchen mehr Zufluchtsräume für Frauen", sagte die Frauenministerin. Und weil Frauen oft auch Opfer sexueller Gewalt werden, strebt Raab mehr weibliche Ansprechstellen bei der Polizei an.

Das von Experten heftig kritisierte Gewaltschutzgesetz, das im September 2019 mit Stimmen von ÖVP und FPÖ verabschiedet wurde, ist aus Sicht der studierten Juristin "fundiert". Doch auch wenn Österreich seit vielen Jahren "Vorreiter beim Gewaltschutz" ist, könne man hier noch etwas verbessern. Mit Justizministerin Alma Zadic (Grüne) habe sie daher bereits besprochen, wie man den Gewaltschutz durch die Justiz stärken und Maßnahmen auf den Weg bringen könnte.

Mit ins Amt genommen hat die Integrations- und Frauenministerin frühe Erfahrungen aus einem Praktikum während ihres Psychologie-Studiums. Damals arbeitete sie in einem brasilianischen Frauenhaus für junge Mädchen aus den Favelas. "Diese Zeit prägt mich bis heute", sagte sie. Dort habe sie gesehen, "was mit Mädchen passiert, die in einer gewalttätigen Umgebung groß werden", berichtete die Frauenministerin. "Deshalb ist mir der Gewaltschutz von Frauen ein großes Anliegen", sagte sie. "Es muss einfach sein, dass jede von Gewalt bedrohte Frau einen Zufluchtsort finden kann."

Weiters sollte jungen Mädchen von Beginn an vermittelt werden, dass sie selbstbewusste, selbstbestimmte Frauen werden können. "Das ist auch ein zentraler Punkt, wieso ich für das Kopftuchverbot von Mädchen bin", so Raab. In Bildungseinrichtungen in Österreich müsse für Selbstbestimmtheit gesorgt werden - und mit dem Kopftuchverbot sollen ihrer Meinung nach Mädchen von familiärem oder kulturellem Druck befreit werden, damit sie sich frei entfalten können. "Das ist für mich Empowerment."

Das Aufbrechen von Rollenbildern hat sich Raab ebenfalls auf ihre Agenda geschrieben. Auch wenn wir alle mit Klischees aufwachsen würden, gehe es darum, sich nicht in irgendwelche Schubladen stecken zu lassen. "Ich kenne diese Schubladen alle", beklagte Raab. Entweder sei man Feministin oder Rabenmutter oder Hausmütterchen - aber "das ist alles falsch", forderte sie ein Ende dieses Schubladendenkens. "Ich lehne es als Frau ab, mir ein Label umhängen zu lassen!"

Damit kontert sie etwa der Kritik, dass sie sich selbst nicht als Feministin sieht. "Ich mache dieses Spiel auch nicht mit, wenn es um Etiketten und Begriffsbestimmungen geht", so Raab. "Aber selbstverständlich stehe ich als Frauenministerin für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen", fügte sie hinzu.

Zum Frauentag am Sonntag wünscht die Ministerin allen Frauen in Österreich, dass sie zeigen; was sie können. "Dass sie zusammenhalten und dass sie sich von niemandem klein machen lassen", lautet die Botschaft. In Österreich sei man in Sachen Frauenrechte schon einen weiten Weg gegangen, sagte Raab, merkte aber an, der Weg gehe noch viel weiter. "Meine Vision wäre, dass der Frauentag irgendwann einmal ein Tag ist, an dem es nicht mehr notwendig ist, auf Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern hinzuweisen, sondern dass der Frauentag ein Tag wird, an dem wir die Leistung von Frauen in der Gesellschaft feiern".

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