29. November 2018 14:06

Kultur

Götterdämmerung: Thomas Angyan verlässt 2020 den Musikverein

Es ist eine Götterdämmerung im übertragenen Sinn: 2020 geht im Wiener Musikverein die Ära von Thomas Angyan als Intendant zu Ende. Der Musikmanager kündigte am Donnerstag an, seinen bis 30. Juni 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen und damit 32 Jahre an der Spitze der Klassikinstitution gestanden zu haben. Es sei an der Zeit, "das Ruder an die nächste Generation weiterzugeben".

"Die Verdienste, die sich Dr. Thomas Angyan um den Musikverein, aber auch das Wiener und internationale Musikleben generell erworben hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen", zollte Johannes Neubert als Intendant der Wiener Symphoniker seinen Respekt. Und Johannes Stockert, Präsident der Gesellschaft der Musikfreunde, dankte Angyan, dass dieser "den Ruf des Musikvereins in Wien als eine der führenden Konzertinstitutionen der Welt weiterentwickelt und ausgebaut" habe.

So lässt sich fraglos sagen, dass Thomas Angyan seit seinem Amtsantritt den Musikverein seit 1988 geprägt hat, wie wohl kein Intendant vor ihm. Mit 32 Jahren an der Spitze wird der heute 65-Jährige bei seinem Abtritt der längstgediente Intendant der Gesellschaft sein. Und schließlich tritt Angyan mit einem ordentlichen Feuerwerk ab, wird in seiner letzten Saison 2019/20 doch der 150. Jahrestag der Eröffnung gefeiert.

Dann wird der 30. Juni 2020 der letzte offizielle Arbeitstag von Angyan im Musikverein sein und eine Ära enden, in der nicht zuletzt mehr als 100 Auftragswerke an 55 Komponistinnen und Komponisten vergeben wurden. Das vielleicht zentralste Verdienst des am 16. März 1953 in Wien geborenen Theresianumsabsolventen bleibt allerdings zweifelsohne der Ausbau des Gebäudes, das seit 2004 mit vier von Architekt Wilhelm Holzbauer gestalteten neuen Sälen im Souterrain aufwarten kann, die Raum für Proben, Veranstaltungen und Konzerte bieten. Auch die Klimaanlage und die Renovierung der Musikvereinsorgel fallen in seine Amtszeit.

Darüber hinaus wurden unter Angyans Ägide die Residenzen ausländischer Orchester und die Zahl der Zyklen erhöht, was auch für die Abonnenten zutrifft. Ebenso geht die massive Positionierung im Kinder- und Jugendbereich auf Angyans Konto. Letzteres dürfte nicht zuletzt der Erfahrung geschuldet sein, die Angyan von 1978 bis 1986 als Generalsekretär der Jeunesse Musicale und neben Claudio Abbado und Hans Landesmann als Mitbegründer des Gustav Mahler Jugendorchesters gesammelt hatte.

Zugleich paarte Angyan stets seine Liebe zur Musik mit einem ausgesprochenen Sinn für Finanzen. Und dieses Talent schlägt sich auch in den Zahlen des Musikvereins nieder. Insgesamt also große Fußstapfen, in die ein Nachfolger treten muss, der von der Gesellschaft im Laufe des kommenden Jahres bestimmt werden soll.

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