7. Februar 2020 09:20

Kultur

Grabungen vor dem Wien Museum abgeschlossen

Das Wien Museum wird neu gestaltet und ist derzeit sanierungsbedingt geschlossen. Bevor es mit dem Umbau so richtig losgeht, hat sich die Stadtarchäologie ans Werk gemacht. Bis zu fünf Meter wurde vor dem Gebäude in die Tiefe gegraben. Entdeckt wurden dabei - im wahrsten Sinn des Wortes - Straßen über Straßen. Sie folgten einst dem Uferverlauf des Wienflusses.

Einige Monate lang widmeten sich die Archäologinnen und Archäologen der unmittelbar beim Eingang des Museums liegenden Fläche. Die Aktion ist nun im Großen und Ganzen abgeschlossen, wie Grabungsleiter Martin Mosser im APA-Gespräch erläuterte - wobei kleinere Untersuchungen noch folgen könnten. Für großes Interesse sorgte bereits die Auffindung der Baureste einer alten Verkaufshalle, die in der Zwischenkriegszeit eher wenig erfolgreich auf Geschäfte im Luxussegment setzte.

Nach der Freilegung der relativ jungen Überreste ging es weiter in die Tiefe. Erst nach rund fünf Metern war Schluss, wie Mosser erläuterte. Dabei wurden noch immer keine älteren Reste als aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Dies sei durchaus ungewöhnlich für Grabungen im städtischen Umfeld, hieß es. Die mächtigen Planierungen sind dem Wienfluss geschuldet - oder genaugenommen der Tatsache, dass er sich dort nicht mehr befindet. Denn das einst dicht verzweigte Bachbett wurde 1867 und 1899 reguliert bzw. verlegt. Der Aushub landete unter anderem dort, wo sich nun das Museum befindet.

Und auch zuvor wurde immer wieder aufgeschüttet, wofür nicht selten die Natur verantwortlich war. Regelmäßige Überschwemmungen ließen auf den Wegen und Straßen immer wieder Material zurück. Dass das Niveau der Umgebung einst deutlich niedriger war, lässt sich auch anhand alter Darstellungen erkennen, erklärte der Archäologe. Die Karlskirche stand anfangs erhöht auf einer Art Hügelkuppe.

Gefunden hat man auf den verschiedenen Ebenen, die älteste davon aus der Zeit um 1700, nun fünf frühere Uferstraßen. Sie stellten quasi die Verlängerung der Rechten Wienzeile dar. Der - aus heutiger Sicht desaströse - Zustand der älteren Fahrbahnen ließ sich dabei gut feststellen. Laut Mosser dürfte das Vorankommen auf den wichtigen Verbindungsrouten zum Teil äußerst beschwerlich gewesen sein. Die früheste Straße war geschottert und mit Schlaglöchern übersät. Darüber wurde später eine offenbar stabilere Konstruktion errichtet, wobei dort sehr auffällige, wenn auch schön parallel sich hinziehende Spurrillen zum Vorschein kamen. Einzelfunde aus der Zeit waren etwa Pfeifenköpfe. In diese Kategorie fällt eine sogenannte Fersenpfeife des 16. oder 17. Jahrhunderts, in die das Gesicht eines Gockels modelliert war.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dort sogar bereits Kopfsteinpflaster aus Wiener Granitwürfeln verlegt, wie es heute noch gebräuchlich ist. Überreste davon wurden ebenfalls geborgen. Dies dürfte eine der ältesten Konstruktionen dieser Art sein, versicherte Mosser. Weiters gab der Aushub ältere Einzelobjekte frei, wobei auch Objekte wie Becher aus dem Mittelalter oder römische Keramik mit dabei waren - die offenbar im einst aufgeschütteten Material dorthin gebracht wurden. Reste römischer Bebauungen oder Gräber fand man nicht. Die hat es am heutigen Karlsplatz gegeben, aber anscheinend nicht an der betreffenden Stelle. Aus dem 19. Jahrhundert wurde entsorgtes Material aus metallverarbeitenden Werkstätten - wie etwa der "Fruhwirtschen Gewehrfabrik" - gefunden.

Der Grabungsbereich wird nicht erhalten bleiben. Dort, wo die Archäologinnen und Archäologen tätig waren, wird sich künftig etwa der Tiefenspeicher des umgebauten Wien Museums befinden sowie das neue Cafe. Dieses wird auch über eine Terrasse verfügen, die sich unmittelbar über den einstigen Uferstraßen erstrecken wird.

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