17. Dezember 2019 11:14

Kultur

Heumarkt: Wiener ÖVP befürchtet heimliche Verwirklichung

Kurz vor Jahresende will die Wiener ÖVP noch einmal Druck auf die rot-grüne Wiener Stadtregierung in Sachen Heumarkt-Projekt ausüben. Sie befürchtet eine heimliche Verwirklichung trotz der von der rot-grünen Stadtregierung auferlegten Nachdenkpause für das Vorhaben, wie am Dienstag in einer Pressekonferenz dargelegt wurde. Von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) wollen die Türkisen Taten sehen.

Das Bauvorhaben am Heumarkt sorgt seit Jahren für einen politischen Konflikt. Die UNESCO sieht besonders durch den von Investor Michael Tojner geplanten, 66 Meter hohen Turm die historische Stadtsilhouette, die bei der Aufnahme in die Welterbeliste 2001 eigens hervorgehoben wurde, beeinträchtigt. 2017 wurde die Innenstadt deshalb schließlich auf die Rote Liste gesetzt. Mit einem zweijährigen Moratorium soll Österreich Zeit gegeben werden, Maßnahmen zum Erhalt der Welterbestätte umzusetzen.

Trotz der zweijährigen Nachdenkpause werde "still und heimlich und seelenruhig weiter an der Verwirklichung des Heumarkt-Projekts gearbeitet", ärgerte sich der nicht-amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch. Als Beispiel wies er darauf hin, dass am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung ein Antrag zur Baureifgestaltung auf der Tagesordnung steht und beschlossen werden soll. Infolge dessen würden stadteigene Flächen an Tojners Firma Wertinvest verkauft werden.

Diesen Antrag will die ÖVP von der Tagesordnung genommen wissen. "Bis der Turm nicht einer Dimension entspricht, die mit dem Weltkulturerbe vereinbar ist, soll und darf das Projekt nicht die Baureife erlangen", forderte Klubobfrau Elisabeth Olischar. Anders sieht dies die Stadt Wien. Der Antrag resultiere aus einer "zwingenden Konsequenz" der geltenden Rechtslage, erläuterte ein Sprecher von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) der APA. Bei dem betroffenen Grundstück handle es sich um eine 82 Quadratmeter große Restfläche auf dem Projektareal, die laut Bauordnung an die Wertinvest abgetreten werden müsse.

Überdies begehren die Türkisen in der Fragestunde am Donnerstag auch Auskunft von Bürgermeister Ludwig zum aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Heumarkt-Investor. "Denn seit einem halben Jahr wird verhandelt und bis heute ist nichts Konkretes bekannt. Die Nachdenkpause darf nicht mit einem Baustart eines unveränderten Projektes einhergehen", warnte Wölbitsch.

Die ÖVP fordert eine Adaptierung des Bauvorhabens, sodass der Turm den Weltkulturerbe-Status nicht weiter gefährdet. Weiters soll ein Bekenntnis zum Schutz des Wiener Kulturerbes in der Wiener Stadtverfassung und in der Wiener Bauordnung verankert werden.

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