31. Oktober 2019 13:18

Chronik

Hinterbliebene können in Wien nun selbst Sarg gestalten

Vlies zuschneiden, Stoff antackern, Holz bemalen: Was nach Bastelstunde klingt, ist eine neue Form von Trauerbewältigung, die die Bestattung Wien ab sofort in Kooperation mit dem kleinen Betrieb "Sargatelier" anbietet. In Ganztages-Workshops gestalten Angehörige unter professioneller Anleitung den Sarg des oder der Verstorbenen selbst. Dabei helfen sie auch bei den handwerklichen Schritten mit.

"Wir merken seit Jahren einen Trend zur Individualisierung - auch bei Särgen", sagte Bestattung-Geschäftsführer Jürgen Sild am Donnerstag bei der Präsentation des Angebots. Die Bestattung habe bisher schon ermöglicht, auf persönliche Wünsche der Trauernden einzugehen, "aber nicht auf diesem Niveau wie hier".

Wie läuft der Sargworkshop nun ab? "Am Anfang gibt es ein Klärungsgespräch", berichtete Sargatelier-Gründerin Romana Maschek. Dabei wird über den Menschen, den man verloren hat, gesprochen - seine Hobbys, seine Vorlieben. Farben und Stoffmuster werden ausgesucht, sonstige Beigaben wie etwa Abschiedsbriefe überlegt. Dann geht es im wahrsten Sinn des Wortes an die Arbeit. Denn der betreffende Sarg kommt sozusagen als Rohling ins Sargatelier - also beispielsweise aus unbehandelter Fichte. Wobei die letzte Ruhestätte auf Wunsch sogar in Einzelteilen geliefert und dann gemeinsam zusammengezimmert werden kann.

Die üblichen Arbeitsschritte in der Werkstatt an der Hetzendorfer Straße in Meidling reichen in der Regel vom Zuschnitt des Vlies - übrigens aus Schaf-Hanf-Wolle - und der Stoffe für die Einbettung über die Bemalung des Holzes bis zum Einnähen der Abschiedsbriefe in den Kopfpolster. Der Sargdeckel selbst kann ebenfalls mit gemusterten Stoffen überzogen werden. "Wir haben auch schon die Deckelinnenseite, den 'Himmel', austapeziert mit einem Lieblingsbuch oder Notenblättern", erzählte die Chefin: "Es gibt ganz viel, wo man personalisieren kann." Auch das Lieblingskleidungsstück kann etwa zum Sargkissen umgearbeitet werden.

Gegründet hat Maschek ihre "One-Woman-Show", wie sie das Unternehmen nennt, im Vorjahr. Auslöser war der Tod ihrer Eltern davor. "Da musste ich selber zum Bestatter gehen und habe festgestellt, das was dort angeboten wird, gefällt mir nicht. Es war mir zu braun, zu unpersönlich. Und dann habe ich entschieden, das selbst bei mir im Wohnzimmer zu machen.

Ein paar Workshops hat die Ingenieurin für Holzbau schon vor der Zusammenarbeit mit der Bestattung Wien abgehalten. "Natürlich fließen manchmal Tränen, aber es wird auch total viel gelacht und über das Leben des betreffenden Menschen geredet", beschrieb Maschek die Atmosphäre. Die Familien, die das Angebot in Anspruch nehmen, "wollen das auch machen und gehen ganz bewusst mit ihrer Trauer um".

Buchen kann man den Sargworkshop um rund 2.700 Euro, wobei der Preis je nach verwendeten Materialien und Sonderwünschen auch höher liegen kann. Und falls man dem Geschmack von Verwandten und Freunden nicht traut, kann man natürlich auch sein eigenes letztes Bett designen. "Das hat aber bisher noch niemand gemacht", so Maschek.

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