28. Oktober 2019 10:22

Sport

Hirschers Epigonen bezogen Stellung - Österreicher zurück

Wenn im ersten Saisonrennen die Positionen für die Ski-Welt nach Marcel Hirscher bezogen worden sind, dann ist Alexis Pinturault erster Anwärter auf die große Kristallkugel. Während der Sympathieträger aus Frankreich in Sölden souverän seinen Erfolg aus 2016 wiederholte, erlitten Weltmeister Henrik Kristoffersen und die ÖSV-Herren Debakel. Allgemeiner Tenor war: "Die Saison ist noch lange!"

Dem schloss sich auch Pinturault an, nur eben aus der Sicht des nun vermeintlichen Favoriten. Eine Rolle, die er gleich relativierte. "Es wird sich von Rennen zu Rennen viel ändern. Die Amerikaner haben gute Talente, wir auch, und auch um die Österreicher mache ich mir keine Sorgen. Österreich ist ein starkes Ski-Land", wiegelte der stets freundliche "Halb-Norweger" - Pinturaults Mutter Hege ist Norwegerin - aus Courchevel freundlich, aber bestimmt ab.

Auch der Sieger von mittlerweile 24 Weltcuprennen hat nun sein eigenes Team und unterstreicht damit die Ambitionen auf die große Kugel. "Es macht mich flexibler und ich kann mich noch mehr einfach nur auf das Skifahren konzentrieren", bestätigte Pinturault, dass er wie Kristoffersen nun auf ein Privatteam a la Hirscher setzt. "Alexis ist im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination unsere Nummer eins. Die Zielsetzung muss bei ihm der Gesamt-Weltcup sein", betonte auch Head-Rennsportleiter Rainer Salzgeber in Sölden.

Dass "Pintu" nach seinem souveränen Sieg vor Landsmann Mathieu Faivre das Scheinwerferlicht auf andere zu lenken versuchte, ist nur logisch. Schon aus dem wortreichen Vorsaison-Geplänkel hatte sich der Franzose tunlichst herausgehalten, stattdessen schlug Pinturault auf der Piste zu. Wie Hirscher hält er nun in Sölden bei fünf Podestplätzen. Nur der Amerikaner Ted Ligety (7) hat dort mehr.

Dass es für ihn in Sölden so gut läuft, war für Pinturault rasch erklärt. "Es ist die spezielle Atmosphäre. Und es ist das Rennen, auf das du dich in Wahrheit den ganzen Sommer vorbereitest", machte er klar, dass er im Gegensatz zu vielen anderen dem frühen Gletscher-Saisonauftakt hohen Stellenwert gibt. "Außerdem", so Pinturault, "mag ich Österreich. Es ist ein Ski-Land, es sind immer viele Fans da und das taugt mir sehr."

Pinturault generiert also Energie aus etwas, das eigentlich den ÖSV-Athletinnen und Athleten zugutekommen sollte. Viele Verletzungen und das Fehlen des zurückgetretenen Hirscher führten diesmal zu interessanten Konstellationen. Bei Damen als auch Herren blieben die vermeintlichen Leistungsträger unter den Erwartungen, traten andere, wie etwa Lokalmatadorin Franziska Gritsch (7.) und Speed-Spezialistin Ramona Siebenhofer (10.) nach vorne.

Bei den Herren wäre im ersten Kräftemessen ohne Hirscher beinahe Speed-Doppelolympiasieger Matthias Mayer als 15. bester ÖSV-Riesentorläufer geworden. Manuel Feller verhinderte das trotz starker Prellungen nach seiner "größten Brez'n" im Training als 12. gerade noch und schrieb nach vier verpatzten Versuchen in Sölden wenigstens erstmals an. "Das ist irgendwie ein Lichtlein", suchte der im Weltcup sieglose Pillerseetaler das Positive. Insgesamt ging der Versuch, "das Thema Marcel gleich abzuschließen", beim ersten Anlauf aber ziemlich daneben.

Ski-Diplomat Pinturault zeigte Verständnis für seine enttäuschten Gegner. "Startnummer eins hat Henrik sicher nicht geholfen", erklärte er den 18. Platz des Weltmeisters. Über die Österreicher meinte der Kombi-Weltmeister: "Marcel ist weg, das hat viel verändert. Aber die Jungs dahinter sind superschnell, das haben Marco Schwarz oder Manuel Feller schon mehrfach gezeigt. Sie kommen sicher alle stark zurück." Eines gestand selbst Pinturault ein. "Es kommen natürlich noch sehr viele Rennen. Aber das war wirklich ein sehr guter Beginn."

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