14. Oktober 2019 09:33

Chronik

Hohe Entschädigung für schuldlos verurteilten Australier

Weil er fast 20 Jahre zu Unrecht wegen Mordes im Gefängnis saß, ist einem Australier eine Millionenentschädigung zugesprochen worden. Der Wirtschaftswissenschafter und frühere Staatsbedienstete David Eastman solle für seine fälschlich verhängte Haftstrafe 7,02 Millionen australische Dollar (4,32 Mio. Euro) an Entschädigung erhalten.

So urteilte das Oberste Gericht der australischen Hauptstadt Canberra am Montag. Der 74-Jährige hatte für seine 19 Jahre im Gefängnis 18 Millionen australische Dollar gefordert. Er war 1995 wegen Mordes an einem Polizeibeamten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Eastman beteuerte stets seine Unschuld und focht die Gerichtsentscheidung mehrfach an. 2014 wurde er schließlich freigelassen, nachdem das Mordurteil gegen ihn aufgehoben worden war.

Vor Gericht hatte Eastman dargelegt, durch die lange Haft sei ihm die Möglichkeit genommen worden, eine Familie zu gründen und seine berufliche Karriere zu verfolgen. Außerdem seien seine Mutter und seine Schwestern gestorben, während er hinter Gittern saß. Darüber hinaus wurde Eastman nach eigenen Angaben während seiner Haft Zeuge eines Mordes und leidet weiterhin unter Beeinträchtigungen seiner Sehfähigkeit, nachdem er 2006 von einem Mithäftling tätlich angegriffen worden war.

Eastmans Anwalt Sam Tierney sagte nach dem Urteil vor Journalisten, sein Mandant sei "sehr glücklich" über die Millionenentschädigung. "Er hat ein großes Stück seines Lebens verloren und er hat sicherlich einige Ideen im Kopf, was er damit tun wird", fügte der Jurist mit Blick auf die Millionensumme hinzu.

Ob die Regierung von Canberra das Urteil anerkennt oder in Berufung geht, war zunächst unklar. Nach Informationen des öffentlich-rechten Senders ABC hat der Justizirrtum die Regierung bereits mehr als 30 Millionen australische Dollar gekostet.

In dem Mordprozess gegen Eastman ging es um den australischen Bundespolizisten Colin Winchester, der 1989 erschossen wurde, als er in der Nähe seines Zuhauses aus seinem Auto stieg. Der Täter wurde bis heute nicht gefunden.

© APA