26. Dezember 2018 14:39

Chronik

Indonesien droht nach Tsunami weiter Gefahr

Nach dem verheerenden Tsunami mit 430 Toten haben indonesische Rettungskräfte weiter unter Hochdruck nach Opfern und Überlebenden gesucht. Wie die nationale Katastrophenschutzbehörde am Mittwoch mitteilte, erschwerten sintflutartige Regenfälle die Hilfsarbeiten, insbesondere in entlegenen Ortschaften.

1.500 Menschen wurden verletzt, nach 159 werde noch gesucht, sagte ein Sprecher der indonesischen Katastrophenschutzbehörde. Die Behörde riet Küstenbewohnern, sich vom Meer fernzuhalten, solange der Vulkan Anak Krakatoa zwischen den Inseln Java und Sumatra noch aktiv sei.

Der Tsunami hatte am Samstag alles mit sich gerissen, was ihm im Weg stand und weit landeinwärts getragen. Umgestürzte Palmen, Treibholz und Dreck lagen an den Sandstränden, wo noch vor wenigen Tagen Urlauber ins lange Wochenende hineinfeierten.

Heftiger Regen behindert die Rettungsarbeiten. "Viele Menschen, die wir in den entlegenen Ansiedlungen angetroffen haben, hatten bisher keinerlei medizinische Behandlung erhalten", sagte Dina Afriyanti, die als Hebamme für Ärzte ohne Grenzen in der Küstenstadt Labuan arbeitet. Die Organisation versorgte auch mit einem mobilen Team Verletzte, die sich zu Fuß in höher gelegene Bereiche gerettet haben.

Auf der Insel Sebesi harrten Bewohner drei Tage lang in den Hügeln aus, bevor Helfer sie aufs Festland bringen konnten, erzählte Hajawi dem Sender TV One. "Als die erste Welle kam, sagte ich meiner Frau und Kindern, sie müssen auf den Hügel laufen."

Eigentlich sollten die Aufräum- und Rettungsarbeiten mit Hochdruck vorangehen, doch vom Anak Krakatau geht noch immer Gefahr aus. Der Vulkan etwa 50 Kilometer vor der Küste war am Samstag ausgebrochen. Die Eruption verursachte einen Erdrutsch, der dann wiederum den Tsunami auslöste. Der Anak Krakatau selbst wächst seit Jahrzehnten aus den Überresten einer bei der verheerenden Explosion des Krakatau 1882 fast vollständig zerstörten Vulkaninsel aus dem Meer.

Indonesiens Behörde für Klimatologie und Geophysik (BMKG) warnte am Mittwoch die Bevölkerung, sich von Küstengebieten fernzuhalten. Heftiger Regen und hoher Wellengang erhöhen das Risiko für die Bewohner weiter. "Meiden Sie Küstengebiete von 500 Meter bis einen Kilometer landeinwärts", so BMKG-Chefin Dwikorita Karnawati.

Er möchte nicht nach Hause, sagt Aan, der in einer Notunterkunft Zuflucht gefunden. Er habe Angst for einem neuen Tsunami. "Wir haben nur die Kleider, die wir am Leib tragen", sagte er der "Jakarta Post".

Der Tsunami schwappte auf einer Küstenlänge von mehr als 310 Kilometern bis zu 500 Meter landeinwärts. Am schlimmsten betroffen ist der Bezirk Pandeglang, der vor allem bei einheimischen Touristen beliebt ist. "Wegen des langen Wochenendes waren viele Urlauber dort", sagte Nugroho. Ausländische Touristen waren nicht unter den Opfern.

Im Krankenhaus in Pandeglang arbeiten Ärzte und Pflegepersonal rund um die Uhr. Sie versorgen Verletzte und versuchen die 84 Leichen zu identifizieren, die in das Hospital gebracht wurden, schrieb die Zeitung "Jakarta Post". Kastro und seine Frau sind auf der Suche nach der Leiche seiner Schwester und ihrer kleinen Tochter. "Sie hatte ein Mal auf der Hüfte", erklärte er einem Polizeibeamten.

Der Schwager und die anderen Kinder seien in einem anderen Krankenhaus. Er wolle die Leichen seiner Familienmitglieder mitnehmen, aber das Krankenhaus gebe den Leichnam der Nichte nicht heraus. "Ich verstehe es nicht, ich möchte sie doch nur nach Hause bringen (...), dann beten und sie begraben", sagte Kastro.

Die Katastrophe weckte Erinnerungen an den verheerenden Tsunami, der am 26. Dezember 2004 Indonesien und andere Teile Südostasiens heimsuchte. Damals starben allein in der indonesischen Provinz Aceh mehr als 200.000 Menschen.

Zum 14. Jahrestag des Tsunami haben in der indonesischen Provinz Aceh Tausende Muslime der rund 150.000 Toten der Katastrophe gedacht, berichtete die Kathpress. Das Gedenken gelte aber auch der internationalen Solidarität und Hilfe, die die Menschen in Aceh nach dem Tsunami erfahren hätten, erklärte ein Sprecher der islamischen Provinzregierung.

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