21. März 2020 16:02

Sport

IOC erntet in Austragungsfrage zunehmend Kritik

Die Kritik am Festhalten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an der Durchführung der Sommerspiele in Tokio (ab 24. Juli) wird mehr. Nationale Vertretungen verlassen die IOC-Linie, dazu gehören Norwegen, Slowenien und Brasilien. Auch von Sportverbänden wie den US-Leichtathleten und -Schwimmern kommt aufgrund der Corona-Krise der Aufruf zur Verschiebung. "Positiv bleiben", sagt das ÖOC.

"Der derzeitige Ausnahmezustand erlaubt keine leichten Antworten und Lösungen. Vorrangig geht es jetzt darum, die Covid-19-Infektionszahlen zu verlangsamen und das heimische Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten. Abstand zu halten, wenn möglich daheimzubleiben, Hände zu waschen usw. Alles simple Dinge, die auf die Gemeinschaft bezogen Großes bewirken können", teilte Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees der APA auf Anfrage mit.

Auch wenn sich derzeit die Prioritäten klar verschoben hätten und die Gesundheit jedes Einzelnen klar im Vordergrund stehe, so sei doch jeder dazu angehalten, sein Berufsleben möglichst aufrecht zu erhalten und möglichst positiv zu bleiben, meinte Stoss weiters. "Das gilt natürlich auch für Olympia-Athleten."

Das IOC prüfe derzeit mit den Internationalen Sportverbänden, ob und wie die Olympia-Qualifikation sinnvoll fortgeführt werden könne. "Die meisten Sportverbände planen, im Mai oder Juni ihr Wettkampfprogramm wieder aufzunehmen. In den nächsten Wochen geht's darum, Antworten auf offene Fragen zu bekommen, Lösungsansätze für Herausforderungen zu finden."

Am vergangenen Dienstag hätten alle europäischen Nationalen Olympischen Komitees die IOC-Linie abgesegnet. "Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, dass wenige Tage danach einzelne NOC's etwas Anderes sagen, als damals vereinbart. Es geht auch darum, weiter möglichst zuversichtlich zu bleiben, dass wir, sofern es die gesundheitlichen Rahmenbedingungen erlauben und die WHO dieses Bild teilt, weiterhin an eine Durchführung der Olympischen Spiele 2020 glauben und alles dafür unternehmen, um bestmöglich darauf vorbereitet zu sein."

Das ÖOC ermutige die Sportler und Sportlerinnen, weiter zu trainieren und sich auf ihre Sommersaison "so normal wie derzeit möglich" vorzubereiten. "Wir werden in den nächsten Tagen, Wochen uns bestmöglich dafür einsetzen, dass wir für alle Top-AthletInnen sinnvolle Trainingslösungen - unter Einhaltung aller geltenden Sicherheitsmaßnahmen - gewährleisten können. Wir stehen mit den Behörden dazu im direkten Austausch."

Die Ungewissheit werde noch andauern: "Wer kann derzeit voraussagen, was im Juni, Juli sein wird? Nicht einmal WHO-Experten wollen diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt beantworten. Das wäre nicht seriös, sagen sie. Die Ärzte, Infektionsspezialisten brauchen mehr Klarheit, erst dann macht eine Entscheidung Sinn." Die Entscheidung, dass Olympische Spiele in Tokio abgehalten werden, sei vor sieben Jahren getroffen worden. Jetzt stelle sich die aktuelle Frage, ob sie zum planmäßigen Zeitpunkt abgehalten werden können.

Günther Weidlinger, Vorsitzender der Athletenkommission im Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC), hatte am Freitag im APA-Interview erklärt, dass "die Chancengleichheit zur Zeit nicht gegeben" sei, da in einigen Ländern wie Österreich trainiert werden könne, in anderen wie Österreich nicht. Er glaube nicht, dass diese Pandemie Mitte Juli vorbei sein werde und die Spiele plangemäß stattfinden werden können. Mit einer schnellen IOC-Entscheidung rechnet er nicht: "Das wird so lange wie möglich verschoben, bis es wirklich kein Zurück mehr gibt."

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