30. November 2019 18:53

Politik

IS bekennt sich zu Messerattacke in London

Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamiert den Angriff nahe der London Bridge für sich. Die Tat ist laut dem IS von einem seiner Kämpfer durchgeführt worden. Beweise wurden keine vorgelegt. Der Angriff habe sich gegen ein Land gerichtet, das Teil der Koalition im Kampf gegen den IS sei. Indes entbrannte in Großbritannien eine Debatte über die vorzeitige Entlassung von Häftlingen.

Die britische Polizei hatte am Freitag einen Mann mit einer Sprengstoff-Attrappe erschossen, der zwei Menschen - eine Frau und einen Mann - erstochen und drei weitere verletzt hatte, bevor er von Passanten zu Boden gerungen wurde. Die Behörden sprachen von einem Terroranschlag.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Attentäter Usman Khan ein verurteilter Terrorist war, der vorzeitig auf freien Fuß gekommen war. Daraufhin entbrannte in Großbritannien eine Debatte über die routinemäßige vorzeitige Entlassung von Häftlingen. Die Entlassung war Medienberichten zufolge routinemäßig erfolgt.

Die zuständige Kommission (Parole Board) teilte am Samstag mit, sie sei nicht an der Entscheidung beteiligt gewesen. "Ich habe seit Langem argumentiert, dass es ein Fehler ist, Schwer- und Gewaltverbrecher vorzeitig aus dem Gefängnis zu entlassen", sagte Premierminister Boris Johnson (Konservative) am Freitagabend.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei hinterfragte, ob die zuständigen Behörden ausreichend Mittel zur Verfügung hätten, um gefährliche Personen zu überwachen. Unklar ist, wie das Thema den laufenden Wahlkampf beeinflussen wird. Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament. Für Samstag wurden mehrere Wahlkampfveranstaltungen abgesagt.

Der 28-jährige Usman Khan hatte der Tageszeitung "The Times" zufolge einen Anschlag auf die Londoner Börse geplant, bevor er 2012 zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde. Außerdem wollte er demnach im pakistanischen Teil Kaschmirs ein Trainingscamp für Terroristen aufbauen. Er war bereits im Dezember 2018 unter Bewährungsauflagen auf freien Fuß gekommen, wie die Polizei mitteilte. Dem "Times"-Bericht zufolge trug er eine elektronische Fußfessel.

Nach Mittätern fahndete die Polizei zunächst nicht. Es werde aber mit Hochdruck ermittelt, um herauszufinden, ob weitere Personen an der Tat beteiligt waren, hieß es in einer Mitteilung von Scotland Yard. Eine Wohnung in der Grafschaft Staffordshire in Mittelengland wurde im Rahmen der Ermittlungen durchsucht. Die Polizei twitterte, die umfangreichen Absperrungen würden wohl noch einige Zeit in Kraft bleiben. Die Öffentlichkeit solle die Gegend meiden.

Begonnen hatte der Angriff am Freitag der Polizei zufolge in der Fishmonger's Hall, wo der Attentäter an einer Konferenz über Resozialisierung der Universität Cambridge mit dem Titel "Learning Together" (Gemeinsam lernen) teilgenommen hatte. Er endete auf der London Bridge, wo Usman Khan von der Polizei erschossen wurde. Er trug einen Sprengstoffgürtel, der sich später als Attrappe herausstellte.

Berichten zufolge hatte der 28-Jährige gedroht, die Fishmonger's Hall, die ehemalige Halle der Fischhändler-Gilde in der City of London, in die Luft zu sprengen. Dort soll er begonnen haben, auf Menschen einzustechen. Er wurde dem "Times"-Bericht zufolge von einer Reihe von Männern in Richtung London Bridge verfolgt. Einer versuchte demnach, dem Attentäter mit einem Feuerlöscher ins Gesicht zu sprühen, ein anderer hatte sich den Stoßzahn eines Narwals geschnappt, das in der Gilde-Halle als Verzierung an der Wand hing. Gemeinsam soll es ihnen gelungen sein, dem Attentäter zwei Messer zu entwenden, die er mit Klebeband an seiner Hand befestigt hatte. Polizisten trennten schließlich die ringenden Männer und schossen auf Usman Khan, wie auf Videos zu sehen war, die im Internet kursierten.

Nun müsse man herausfinden, wie Usman Khan das Attentat ausführen konnte, sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Ermittler, Neil Basu. Laut der Tageszeitung "The Guardian" hatte der Richter bei Khans Verurteilung dessen Pläne als "ernsthaftes, langfristiges Projekt" bezeichnet und gewarnt, der Mann könne ein dauerhaftes Risiko für die Öffentlichkeit darstellen. Usman Khan habe zu neun Extremisten gehört, die 2012 verurteilt worden seien. Er sei mit 19 Jahren der Jüngste der Gruppe gewesen.

Ursprünglich sollte Usman Khan nicht wieder freigelassen werden, es sei denn, er werde nicht mehr als Bedrohung angesehen. Diese Bedingung sei später aufgehoben worden.

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