28. Oktober 2019 09:43

Politik

Italienische Küstenwache evakuierte Frau von "Alan Kurdi"

Die italienische Küstenwache hat am Sonntagnachmittag eine 22-jährige schwangere Nigerianerin evakuiert, die sich mit anderen 90 Menschen an Bord des Rettungsschiffes "Alan Kurdi" befand. Die Frau wurde von einem Schiff der italienischen Küstenwache auf Lampedusa gebracht, wie die Crew des Schiffes am Montag mitteilte.

Die Hilfsorganisation Sea-Eye, Betreiberin der "Alan Kurdi", bat inzwischen Italien offiziell um einen Landehafen für die Migranten. Das Schiff befindet sich derzeit außerhalb der italienischen Territorialgewässer vor der Insel Lampedusa.

Ein junger Migrant informierte die Crew, dass er seinen Bruder an Bord nicht finden könne. Er sei mit ihm auf dem Schlauchboot gewesen. Seither gilt eine Person als vermisst. Ob die vermisste Person ertrunken ist, ist unklar, so Sea-Eye.

Bei der Rettung von Migranten aus dem Mittelmeer war die Besatzung des deutschen Rettungsschiffs nach eigenen Angaben von libyschen Streitkräften mit Schusswaffen bedroht worden. Drei libysche Schiffe hätten die "Alan Kurdi" bedrängt, Maskierte hätten Warnschüsse in die Luft und ins Wasser abgegeben.

Viele Migranten seien in Panik ins Wasser gesprungen, auch sie seien mit Maschinenpistolen bedroht worden. Die "akute Bedrohungssituation" sei später vorbei gewesen, die Libyer hätten abgedreht, berichtete die Crew. Die Migranten an Bord eines in Seenot geratenen Schlauchbootes waren am Samstag gerettet worden.

Unterdessen forderten die Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, endlich die Ausschiffung von 104 Bootsflüchtlingen an Bord ihres Schiffes "Ocean Viking" zu ermöglichen. Das Schiff hatte die Migranten am 18. Oktober im Mittelmeer vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet und wartet seither auf die Zuweisung eines sicheren Hafens.

Die Organisationen forderten außerdem, dass endlich ein "berechenbarer und koordinierter Mechanismus für das Ausschiffen von Geretteten" eingeführt werde. Die Organisationen hatten schon vorige Woche gewarnt, dass viele der Geretteten an Bord seekrank seien. "In den letzten vier Monaten haben sich die europäischen Staats- und Regierungschefs erst in Paris, dann in Malta und schließlich in Luxemburg getroffen, um einen Mechanismus für die temporäre Ausschiffung und Verteilung von Menschen einzurichten, die im zentralen Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden", sagte die stellvertretende Projektleiterin von SOS Mediterranée, Louise Guillaumat, laut einer Mitteilung. Jetzt würden wieder 104 Menschen in unerträglicher Unsicherheit auf dem Deck eines Rettungsschiffes allein gelassen.

© APA