30. Oktober 2019 08:25

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Jeremy Irons als Superheld in "Watchmen"

Jeremy Irons hat viele komplizierte Männer gespielt. In der HBO-Serie "Watchmen" (ab 4. November bei Sky) von Damon Lindelof ist er vollendet. Er spielt Adrian "Ozymandias" Veidt, den klügsten Mann der Welt, der im Comic von Alan Moore, Millionen von Menschen opferte, um Milliarden zu retten. In New York sprach der 71-jährige, gemütliche Brite übers Altwerden und seine Liebe zu leblosen Dingen.

APA: Herr Irons, in der Neuadaption von "Watchmen" spielen Sie den klügsten Mann der Welt. Wie bereitet man sich denn auf so etwas vor?

Jeremy Irons: Das kann man nicht! (lacht)

APA: Ihre Figur umgibt ein rätselhaftes Geheimnis. Wie hat Damon Lindelof Ihnen die Rolle denn beschrieben?

Irons: Mein erstes Mittagessen mit Damon war außergewöhnlich, weil er vor Begeisterung nur so brodelte - und ich kannte "Watchmen" überhaupt nicht. Ich hatte noch nie davon gehört. Er beschrieb ihn als einen pensionierten Superhelden, der an diesem Ort lebte, dem er unbedingt entkommen wollte, weil er sich schrecklich langweilt.

APA: Wenn man sich die ersten Folgen ansieht, dann wirkt es so, als hätten Sie eine Menge Spaß beim Dreh gehabt.

Irons: Es hat riesigen Spaß gemacht, ihn zu spielen, weil er voller rätselhafter Eigenschaften ist. Er ist sehr bizarr. Je älter ich werde, desto wichtiger finde ich es, Spaß mit dem zu haben, was ich tue. Wir alle versuchen unser Bestes zu geben, aber wenn Sie keinen Spaß dabei haben können, warum sich die Mühe machen?

APA: War das einmal anders?

Irons: Das war es... Ich habe immer versucht, Perfektion zu erreichen. In meinen Vierzigern wurde mir dann klar, dass es kaum einen Unterschied zwischen einem Perfektionisten und einer Nervensäge gibt. (lacht) Und mir wurde klar, dass Perfektion nicht wirklich existiert.

APA: Für die einen ist Ozymandias ein Retter, für die anderen ein Ungeheuer. Was denken Sie?

Irons: Ich urteile nie über meine Figuren. Niemals. Ich spiele sie so, wie sie sind. Wenn ich auf meine Rollen zurückblicke, dann habe ich niemals moralische Urteile gefällt, sei es Simon Gruber in "Stirb langsam" oder Claus von Bülow in "Die Affäre der Sunny von B.", oder Humbert Humbert in "Lolita".

APA: Das ist wahrscheinlich mitunter der Grund, warum Sie ein so guter Schauspieler sind, aber ist es nicht schwierig, manchmal kein Urteil zu fällen?

Irons: Eigentlich nicht, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich eine Rolle lieber nicht spielen möchte, weil ich denke, dass eine negative Energie von ihr ausgeht. Ich habe lange gewartet, bis ich Claus von Bülow gespielt habe. Ich musste wirklich überzeugt werden. Ich möchte, dass das Publikum einen Film verlässt und das Gefühl hat, dass das Leben auf irgendeine Weise besser ist, oder tiefer - und nicht schlechter.

APA: Jetzt sind Sie wahrscheinlich für Menschen unter 25 Jahren in erster Linie für Comic-Verfilmungen bekannt. Können Sie darüber schmunzeln?

Irons: Diese Generation kennt mich vor allem als einen animierten Löwen! Ich schätze, von da an kann es nur noch aufwärts gehen. (lacht) Es ist etwas, das man für eine lange Zeit mit sich herumträgt. Die Leute kannten mich lange aus "Wiedersehen mit Brideshead". Hin und wieder treffen Sie jemanden, der sagt, ich habe "Moonlighting" gesehen" oder "Nachtzug nach Lissabon". Dann denke ich mir, wie schön, es gibt Leute, die auch andere Filme von mir gesehen haben.

APA: Das ist eine große Frage für einen Schauspieler, aber gibt es eine Rolle, die einen besonderen Platz in Ihrem Herzen hat?

Irons: Ich habe es geliebt, Vater Gabriel in "Mission" zu spielen. Das war ein fantastischer Film - ist er immer noch. Es war eine absolut eindringliche Erfahrung. Wir waren in Kolumbien und Argentinien, haben mit den Ureinwohnern im Dschungel gearbeitet und haben den Wald nach Schlangen fegen lassen, bevor wir dort drehten. Und es war ein langer Dreh, ich glaube, es waren 17 Wochen. Sie denken also an jene Tage zurück, an denen Sie das Budget hatten, um solche Geschichten mit der richtigen Zeit zu erzählen. Das bleibt wahrscheinlich am tiefsten in meinem Herzen.

APA: Welche Art von Rollen werden Ihnen denn heute angeboten? Sind die alle so interessant wie Ihre Figur in "Watchmen" oder ist das eine von einer Million?

Irons: Das ist vielleicht eine von hundert. (lacht) Eine großartige Geschichte mit einem großartigen Drehbuch, einer interessanten Figur und einem guten Budget zu finden, wird immer schwieriger. Und ich werde älter und die Rollen, für die ich geeignet bin, ändern sich. Es ist jetzt weniger wahrscheinlich, dass ich den Hauptdarsteller in einem Film spiele, weil die normalerweise in den Dreißigern oder Vierzigern sind. Aber wenn Sie älter werden, möchten Sie weniger arbeiten. Wenn der Sommer kommt, dann bin ich mir sehr bewusst, dass es nicht unendlich viele gibt, und genieße daher, was ich habe. Ich habe viele Dinge in meinem Leben, die ich gerne mache und ich bin genauso glücklich, wenn nicht glücklicher, wenn ich nicht arbeite.

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