2. Februar 2020 16:04

Politik

Josef Marketz zum neuen Kärntner Bischof geweiht

Josef Marketz ist am Sonntagnachmittag zum 66. Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt geweiht worden. Der 64-Jährige Kärntner Slowene zeigte sich nach der Weihe dankbar: "Mit euch bin ich Christ." Die Zeremonie fand im Klagenfurter Dom statt, 25 Bischöfe - vor allem aus Österreich und Slowenien - zelebrierten die Weihe, mehr als 1.000 Gläubige verfolgten sie.

Bereits Stunden vor Beginn der Weihe tummelten sich zahlreiche Zuseher am Platz vor dem Dom. In der Kirche selbst hatten 600 Personen Platz, weitere 600 in einem Zelt im Freien und in einem nahen Veranstaltungssaal. Neben zahlreichen kirchlichen Würdenträgern, wie etwa Kardinal Christoph Schönborn und Nuntius Pedro Lopez Quintana, waren auch viele Personen des öffentlichen Lebens gekommen, wie Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sowie der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko.

Marketz, bis zu seiner Weihe Direktor der Kärntner Caritas, hatte bei der Feier Wert auf einen "möglichst bunten Querschnitt" der Diözese gelegt. Aus diesem Grund fanden sich nicht nur Pfarrgemeinderäte aus den verschiedensten Pfarren, sondern auch Klienten der Caritas-Einrichtungen im Dom ein. Letztere wirkten auch aktiv an der Gestaltung der Messe mit, die teilweise auch auf slowenisch abgehalten wurde.

Sein Wirken als Caritas-Direktor machte der Feldkircher Bischof Benno Elbs in seiner Predigt zum Thema: "Dein Ort als Bischof ist an der Seite der Armen und Vergessenen." Marketz selbst hatte schon angekündigt, dass er weiter in engem Kontakt mit den Menschen sein wolle, so verkündete er bereits, dass er nicht in die bischöfliche Residenz ziehen, sondern in seiner Wohnung bleiben werde. Als Leitspruch wählte er "Deus caritas est" ("Gott ist [die] Liebe").

In seiner ersten Ansprache als Bischof sagte Marketz, er habe in den letzten Tagen viel über die Kirche nachgedacht: "Ich bin ihr ja skeptisch gegenübergestanden. Mir war der Inhalt immer wichtiger als das Gefäß." Aber auch das Gefäß bedürfe seiner Zuwendung: "Es ist brüchig geworden." Er habe einen Mann, der wieder in die Kirche eingetreten ist, gefragt, was er zu Menschen sagen soll, die ausgetreten sind: "Er hat gemeint, es muss eine Person dahinterstehen, die einlädt, die die Tür öffnet. Und diese Tür muss sich öffnen in eine große Weite, das muss man spüren können." Es gebe viele Personen und Organisationen in der Kirche, die für diese Weite stehen, betonte Marketz.

Landeshauptmann Kaiser verwies auf eine, wie er sagte, besondere Fügung im Jubiläumsjahr der Kärntner Volksabstimmung im Jahr 1920: "Dass 2020 der neue Bischof der slowenischen Volksgruppe angehört und damit die Verkörperung des sich ständig verbessernden Zusammenlebens in Kärnten darstellt." Auch er strich das soziale Engagement des neuen Bischofs hervor.

Der evangelische Superintendent Manfred Sauer meinte, mitzuhelfen, "das Schöne und Gute zu erkennen und zu fördern", zähle zu den besonderen Aufgaben eines Bischofs: "Wer dich kennt, weiß, dass dir der Einsatz für eine gerechte Welt besonders am Herzen liegt." Würde und Respekt würden für Marketz eine große Rolle spielen, ebenso wie die Vielfalt des Glaubens und der Konfessionen. Dompropst Engelbert Guggenberger bezeichnete den Tag als "großen Freudentag", sprach aber auch die Situation an, in der sich die Diözese befinde: "Als erfahrener Seelsorger weißt du, was es bedarf, dass alle zu dem Frieden finden, der eine Frucht der Gerechtigkeit wird." Es gehe nun auch darum, Glaubwürdigkeit "vor allem auch des Bischofsamtes" wiederherzustellen.

Marketz folgt auf Alois Schwarz, der im Sommer 2018 Bischof von St. Pölten wurde. Nach Schwarz' Abgang aus Kärnten wurde rasch Kritik an seiner Amts- und Lebensführung laut. Es folgten Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sowie eine Visitation in der Kärntner Diözese. Die Turbulenzen schlugen sich auch direkt auf das Kirchenleben nieder, die Zahl der Kirchenaustritte schnellte in die Höhe. Marketz hat bereits angekündigt, Lösungen "finden und aufzeigen" zu wollen.

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