19. Dezember 2018 16:03

Chronik

Junge Frau gemeinsam bedroht und misshandelt: 20 Monate Haft

Weil sie eine junge Frau wegen ihrer Schulden stundenlang bedroht und misshandelt hatten, sind am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt zwei junge Männer verurteilt worden. Der Haupttäter erhielt 20 Monate Haft, ein Mittäter wurde zu neun Monaten, drei davon unbedingt, verurteilt. Den dritten Angeklagten sprach Richterin Sabine Roßmann frei.

Haupttäter ist ein 24-jähriger Krankenpfleger. Er hatte seinem 26 Jahre alten Kumpanen Heroin gegeben, das dieser dem späteren Opfer quasi in Kommission überließ. 800 Euro sollten dafür erlöst werden. Allerdings zahlte die Frau nicht. Der Pfleger trommelte die beiden anderen zusammen, gemeinsam fuhr man zur Wohnung der Frau. Der 26-Jährige lenkte das Auto, das dem Pfleger gehört. Die junge Frau stieg ein und wurde von dem Krankenpfleger bedroht, attackiert und an den Händen gefesselt. Er werde sie auf den Strich schicken, um die Schulden abzuarbeiten, drohte er. Die Fahrt ging dann zu einem Bad, wo der 24-Jährige ihr drohte, er werde sie dort "eingraben". Er zwang sie, sich auszuziehen und schlug mit einem Ast auf sie ein. Etwa zwei Stunden lang dauerte dieses Martyrium, alle drei Angeklagten zeigten sich voll geständig, auch wenn der Krankenpfleger mit den hässlichen Details nur sehr zögerlich und auf mehrfaches Nachfragen der Richterin herausrückte.

Der Pfleger war auch noch angeklagt, erniedrigende Fotos von Heiminsassen angefertigt zu haben. So existierte auf seinem Mobiltelefon das Foto vom Analbereich einer Patientin. Beim Prozess stellte sich allerdings heraus, dass die Frau an einem Dekubitus leidet und das Foto zur Pflege-Dokumentation diente. Er habe nur vergessen, es zu löschen, verantwortete er sich. Bei einem weiteren Foto eines Patienten war die Sachlage nicht so einfach, diesen Teil der Anklage schied die Richterin aus. Auf ihre Frage, warum er etwa die junge Frau derartig behandelt hätte, meinte er, er sei "voll auf Drogen" gewesen.

Die Rechnung für ihn: 20 Monate Gefängnis, 15 Monate bedingt, die er aus einer Vorverurteilung noch offen hat, widerrief die Richterin allerdings nicht. Sein Verteidiger erbat drei Tage Bedenkzeit. Der 26-Jährige, der das Auto gefahren hatte, kam mit neun Monaten teilbedingt davon und nahm die Strafe an. Der dritte Angeklagte, der in dem Auto lediglich mitgefahren war, sich aber in keinster Weise an der Nötigung beteiligt hatte, wurde freigesprochen, auch wenn sein Handeln bzw. vor allem Nicht-Handeln moralisch alles andere als in Ordnung gewesen sei, wie Roßmann anmerkte. Staatsanwältin Sarah Katschnig verzichtete auf Rechtsmittel, damit ist auch der Freispruch rechtskräftig.

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