3. Februar 2020 13:57

Sport

Kansas City Chiefs holen nach 50 Jahren wieder Super Bowl

Mit einer beeindruckenden Aufholjagd hat Star-Quarterback Patrick Mahomes die Kansas City Chiefs zum ersten Super-Bowl-Triumph seit 50 Jahren geführt. Im packenden Finale der National Football League setzten sich die Chiefs mit 31:20 gegen die San Francisco 49ers durch. Kansas City feierte damit den ersten Titel seit 1970. Die 49ers müssen weiter auf ihren sechsten Gewinn des Super Bowls warten.

"Es ist Magic Mahomes", würdigte Tight End Travis Kelce die Leistung seines Spielmachers. "Es ist Showtime Mahomes. Er ist immer er selbst, egal wie es steht. Und, wisst ihr was? Ich liebe ihn", betonte der 30-jährige Routinier nach dem ersten NFL-Triumph für Kansas City seit einem halben Jahrhundert.

Dabei lagen die Chiefs an einem emotionalen Abend mit dem Gedenken an den vor einer Woche bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückten Ex-Basketball-Superstar Kobe Bryant vor der Partie bereits im letzten Viertel mit 10:20 zurück. Obwohl zwei seiner Pässe zuvor vom Gegner abgefangen worden waren, ließ sich Mahomes nicht beirren und brachte sein Team mit zwei Touchdownpässen in Führung. Zudem lief der 24-Jährige in seinem ersten Super Bowl einen Ball selbst in die Endzone. Mahomes ist damit hinter Ben Roethlisberger der zweitjüngste Champion als Quarterback und der jüngste Profi der NFL-Geschichte, der bereits als wertvollster Spieler (MVP) einer Saison (2018) und der Super Bowl ausgezeichnet worden ist.

Es hatte aber lange nach einem Triumph für die 49ers ausgesehen. Sie durften sich über eine 3:0-Führung durch ein Field Goal - einen erfolgreichen Kick durch die Stangen - von Robbie Gould freuen. Doch mit dem Rückstand kam Chiefs-Spielmacher Mahomes langsam in Schwung. Kurz vor Ende des ersten Viertels lief er selbst mit dem Ball über ein Yard zum ersten Touchdown und dem 7:3 in die Endzone.

Erstmals lagen die 49ers in diesen Playoffs zurück - und machten den ersten schwerwiegenden Fehler. Unter Druck der gegnerischen Verteidigung warf Quarterback Jimmy Garoppolo einen Verzweiflungspass, den Flatterball konnte Chiefs-Verteidiger Bashaud Breeland mühelos abfangen.

Der 28-jährige Garoppolo besitzt zwar mehr Super-Bowl-Erfahrung als Mahomes, doch bei seinen zwei Finalsiegen mit den New England Patriots kam er als Ersatzmann von Tom Brady nicht zum Einsatz. "Es ist schwer. Dieses Gefühl habe ich noch nie erlebt", sagte der 28-Jährige tief enttäuscht im schwarzen Anzug nach der Partie. Aber auch Garoppolo bewies, dass er San Francisco nicht zufällig in den Super Bowl geführt hatte. Durch den erfolgreichen Pass auf Kyle Juszczyk glichen die 49ers vor der umjubelten Halbzeitshow der beiden Popsängerinnen Shakira und Jennifer Lopez zum 10:10 aus.

Erst zum vierten Mal starteten beide Teams punktgleich in die zweite Hälfte des Super Bowls. Und es blieb spannend. Nach dem 13:10 für die 49ers patzte auch Mahomes. Zum ersten Mal in dieser K.o.-Runde wurde ein Pass von ihm abgefangen. Während der wertvollste Spieler der vergangenen Saison ungewohnt schwächelte, wurde Garoppolo immer sicherer. Zwölf Pässe nacheinander brachte er zu seinen Teamkollegen, Running Back Raheem Mostert sorgte per Lauf für das 20:10.

Die 49ers nutzten die nächste Schwäche von Mahomes. Doch auch seine zweite Interception brachte den 24-Jährigen nicht aus dem Konzept, im Gegenteil. Mit der Präzision eines großen Champions führte Mahomes seinen Angriff zweimal in die gegnerische Endzone. San Francisco hatte noch die Chance zum Konter - mit seinen Pässen fand Garoppolo die Mitspieler aber nicht mehr. Mit einem Touchdown-Lauf über 38 Yards Raumgewinn beseitigte Damien Williams die letzten Zweifel am Chiefs-Sieg.

Alleine in diesen Play-offs machten die Chiefs damit zum bereits dritten Mal einen zweistelligen Rückstand wett. Das gelang noch keinem Team zuvor. Da Mahomes im Auftaktviertel auch schon die ersten Chiefs-Punkte selbst per Lauf in die Endzone erzielt hatte, wurde er als jüngster Quarterback der Super-Bowl-Geschichte zum wertvollsten Spieler gekürt.

"Dieser Bursche ist unglaublich, und er hat gerade erst angefangen", schwärmte Chiefs-Coach Andy Reid von seinem Matchwinner und versprach zugleich noch mehr Topleistungen: "Er wird immer noch besser werden."

Die lange Karriere des 61-jährigen Trainers drohte ohne die Krönung zu enden. Dieser Makel ist nun beseitigt. "Ich bin so froh für Andy Reid, niemand verdient diese Trophäe mehr als er", sagte Chiefs-Besitzer Clark Hunt. Mit 222 Siegen als Headcoach steht der akribische Arbeiter Reid auf Rang sechs der ewigen NFL-Bestenliste. Der Premierentitel soll dabei nicht der einzige bleiben. "Wir brauchen einen weiteren", bekräftigte Reid.

Die 49ers verpassten hingegen die Chance, mit ihrem sechsten Super-Bowl-Gewinn zu den Rekordsiegern New England Patriots und Pittsburgh Steelers aufzuschließen. San Franciscos Quarterback Jimmy Garoppolo unterliefen ebenfalls zwei Interceptions, zudem fehlte der Offensive der Mut.

Für 49ers-Trainer Kyle Shanahan war es bereits die zweite bittere Finalniederlage nach 2017. Damals musste er als Offensive Coordinator der Atlanta Falcons sogar miterleben, wie sein Team gegen die Patriots noch eine komfortable 28:3-Führung aus der Hand gab. "Wir lecken unsere Wunden und werden darüber hinwegkommen", meinte der 40-Jährige, der damit vorerst nicht an den Erfolg seines Vaters anschließen konnte: Mike Shanahan hatte als Headcoach die Denver Broncos in den Saisonen 1997/98 und 1998/99 zum Super-Bowl-Triumph geführt.

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