26. Februar 2020 11:24

Kultur

Konferenz zu Arbeitsmarkt und Ausbildung von Musikern

Den Herausforderungen von Ausbildungen an Musikhochschulen sowie den Transformationen von Musikarbeitsmärkten widmet sich die internationale Konferenz "Creative Identities in Transition: Higher Music Education & Employability in the 21st Century" an der Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw) in Wien. Einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung gab das Organisationsteam im APA-Gespräch.

"Ausgangspunkt für die Konferenz war die Beobachtung, dass sich Musikarbeitsmärkte zu Beginn des 21. Jahrhunderts umstrukturiert haben und in einem Transformationsprozess sind, ausgelöst durch Digitalisierung, Globalisierung und Medialisierung", erklärte Musiksoziologin Rosa Reitsamer, stv. Leiterin des Wiener Instituts für Musiksoziologie. Vor allem in der westlichen Kunstmusik gebe es heutzutage u.a. aufgrund der höheren Bildungsmobilität viel mehr gut ausgebildete klassische Musiker und Musikerinnen als beispielsweise noch in den 1950er-Jahren. Zudem sei die Zahl der Orchester rückläufig und somit auch die Anstellungsmöglichkeiten. Auch die Situation bei Musikwettbewerben habe sich verändert: "Hat man in den 1970er- und 80er-Jahren einen international renommierten Musikwettbewerb gewonnen, war die Karriere gesichert", so Reitsamer. "Davon kann heute sicherlich nicht mehr ausgegangen werden."

Die Ausbildung in klassischer Musik an Hochschulen und Universitäten orientierte sich bisher immer am Prinzip der Meisterklassen aus dem 19. Jahrhundert, so Reitsamer. Im Vordergrund stehe dabei die handwerklich-technische und künstlerische Ausbildung am Instrument. "Diskussionen gibt es nun, inwiefern diese Curricula in Hinblick darauf verändert werden sollten, dass die Studierenden auch andere Dinge lernen wie etwa Selbstvermarktung, Projektorganisation und dergleichen, aber auch musikpädagogische Kompetenzen hinsichtlich der typischen 'Mischkarrieren'. Ein großes Thema wird auch sein, wie sich das neue neoliberale UnternehmerInnentum in Musikarbeitsmärkten übersetzt."

"Die Vorträge diskutieren Lernkulturen und Bewertungspraktiken von künstlerischen Leistungen, neue Studienzweige und die steigende Bedeutung von Diversitätsprogrammen", beschrieb Musiksoziologe und Co-Organisator Rainer Prokop das Programm der morgen, Donnerstag, startenden Konferenz. "Besonders interessiert hat uns auch, wie der Übergang von der Uni auf den Arbeitsmarkt aussieht. Welche Karrieren gibt es für klassisch ausgebildete Musiker und Musikerinnen?" Vor allem bei Zulassungsprüfungen sowie der Übergangsphase ins Arbeitsleben würden gesellschaftsstrukturierende Kategorien wie Klasse, Gender und Race eine große Rolle spielen.

"Nachdem die Debatten zu #MeToo auch die Felder der Musik erreicht haben, werden wichtige Themen bei der Konferenz auch sein, wie dieser Diskurs dort geführt wird und welche Initiativen es gibt, um hier bessere Arbeitsbedingungen herbeizuführen", so Reitsamer. Keynote Speakers sind Dawn Bennett von der Curtin University in Perth, die zu einer nachhaltigen Beschäftigungsfähigkeit von MusikerInnen im Sinne des sogenannten Life-Span-Konzepts vortragen wird, sowie Christina Scharff vom King's College London, die zu Prekarisierung und sozialen Ungleichheiten am klassischen Musikarbeitsmarkt geforscht hat. Ebenfalls unter den rund 40 Vortragenden: Die Wittgensteinpreisträgerin Ursula Hemetek, die das neue mdw-Masterstudium Ethnomusikologie vorstellen und auf die Bedeutung von musikalischer Pluralität eingehen wird.

Am Institut für Musiksoziologie in Wien wird seit 1965 das Verhältnis von Musik und Gesellschaft untersucht. Schwerpunkte liegen derzeit u.a. auf der Musikrezeptionsforschung, Musikarbeitsmärkten, Musik und Gender sowie der Soziologie der Bewertung künstlerischer Leistungen.

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