9. März 2020 19:02

Sport

Kraft baut als Lillehammer-Achter Weltcup-Führung aus

Vom 16. Stockerlplatz seiner erfolgreichen Skisprungsaison war Stefan Kraft am Montag in Lillehammer einen Satz weit entfernt. Doch mit Rang acht stieg der Führende im Gesamtweltcup im ersten Bewerb des Weltcupfinales in Norwegen wesentlich besser aus als sein schärfster Konkurrent Karl Geiger, der nur 19. wurde. Tagessieger Peter Prevc aus Slowenien feierte den ersten Sieg seit drei Jahren.

Vor den letzten drei Einzel-Konkurrenzen liegt Kraft 138 Punkten vor seinem ersten Verfolger Geiger - und war auch deshalb mit dem Wettkampf zufrieden. "Vor allem nach dem Training, das war schrecklich. Ich habe mir sehr schwergetan mit der Spur und der Schanze, da ist gar nichts gegangen. Aber ich habe im ersten Durchgang ein bisschen ein Gefühl aufbauen können, da war es gleich viel besser, obwohl immer noch ein bisschen zu spät", sagte Kraft im ORF.

Einen Tag nach der wetterbedingten Absage der Wettbewerbe am legendären Holmenkollen in Oslo waren die Springer erneut mit schwierigen, weil wechselhaften Windbedingungen konfrontiert. Die besten zehn mussten im ersten Durchgang zudem mit einer verkürzten Anlaufspur vorlieb nehmen. Der fünffache Saisonsieger Kraft segelte nach langem Warten auf dem Zitterbalken zunächst auf 128 m - und steigerte sich in der Entscheidung "mit Vollgas und Risiko " auf 132 m. "Für die Skiflug-WM und Vikersund hätte er genau gepasst. Für hier war er ein bisschen scharf, aber ab und zu musst du etwas riskieren", meinte Kraft.

Sein Poker im ersten von zwei Bewerben in der Olympiastadt von 1994 ging auf. Denn obwohl Rang acht das Ende seiner sechs Bewerbe andauernden Podestserie bedeutete, distanzierte der Halbzeit-12. Kraft den Halbzeit-10. Geiger im Finish um neun Meter. Geiger, sonst in dieser Saison ebenfalls ein Meister der Konstanz, landete bereits bei 123 m. Seine Landsleute Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe, die hinter Prevc das Stockerl komplettierten, machten da ihre Sache wesentlich besser.

Michael Hayböck, der als Achter noch als bester ÖSV-Springer in die Entscheidung gegangen war, stürzte regelrecht ab und wurde nach Sprüngen auf 132 und 113 m nur 29. Der zweitbeste Österreicher hieß so Gregor Schlierenzauer, der Rang zehn belegte. "Ich habe mich geärgert, weil es war ganz knapp, dass er richtig geht." Er vermisste das Mittelding zwischen "brav" und "zu scharf". "Es ist zur Spitze nach wie vor sehr eng, man darf sich keine Fehler erlauben, aber Top-Ten nehme ich mit für morgen", sagte Schlierenzauer.

Da findet (17.00 Uhr/live ORF 1) ein zweiter Bewerb in Lillehammer statt, danach geht es im Rahmen der hoch dotierten Raw-Air-Serie (Siegprämie 60.000 Euro) noch nach Trondheim und Vikersund (Skifliegen). Auch die Qualifikation zählt für die Wertung, die nach drei Sprüngen der Norweger Marius Lindvik (655,2 Pkt.) vor Kraft (647,6) anführt.

Wie es auf den verbleibenden Stationen in Norwegen wegen des Coronavirus weitergeht, war indes, anders als in Planica, offen. Die Skiflug-WM wird ohne Zuschauer stattfinden, wie auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Slowenien am Montag beschlossen wurde. Der für kommendes Wochenende angesagte Continental-Cup in Zakopane wurde überhaupt abgesagt. In Lillehammer ging das Springen ganz normal, allerdings mit wenig Publikum, über die Bühne.

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