28. Dezember 2019 18:30

Sport

Kraft gewann Quali für Tournee-Auftakt in Oberstdorf

Stefan Kraft hat am Samstag gleich im ersten Abtasten seine Anwartschaft auf den Gewinn der 68. Vierschanzentournee angemeldet. Der Salzburger gewann die Qualifikation für den ersten Bewerb am Sonntag (17.30 Uhr/live ORF1) in Oberstdorf. "Das zeigt mir, dass ich die Tage über Weihnachten gut genützt habe. Ich werde heute sicher gut schlafen", sagte Kraft nach seinem Satz auf 136 Meter.

"Richtig bereit, richtig viel Selbstvertrauen", lautete das Fazit des Pongauers. "Trotzdem werde ich da jetzt am Boden bleiben, es war erst Quali, ich habe noch nichts gewonnen." Bei schwierigen Windverhältnissen - nach einigem Aufwind hatten die Topspringer wieder leichten Rückenwind - setzte sich Kraft vor Junshiro Kobayashi und dem deutschen Vorjahres-Tourneedritten Stephan Leyhe durch. Tournee-Favorit Ryoyu Kobayashi landete 2,5 Meter bzw. 4,6 Punkte hinter dem Österreicher auf Rang vier.

Philipp Aschenwald untermauerte mit einer Trainingsbestweite und Quali-Rang zehn (129 m) seine starke Form. Neben dem Top-Duo schafften Jan Hörl (27.), Michael Hayböck (38.) und gerade noch Gregor Schlierenzauer als 50. die Qualifikation. Daniel Huber (54.) und Clemens Leitner (60.) verpassten den Sprung ins 50-köpfige Starterfeld.

Ausgerechnet Huber leistete für Schlierenzauer unfreiwillig Schützenhilfe. "Das ist für mich natürlich super, es hätte aber genauso gut auch vorbei sein können", wusste Schlierenzauer. Sein 112-m-Sprung ließ den Tiroler im ersten Augenblick rätseln. "Der erste Trainingssprung war schwer in Ordnung und dann sind Details minimal anders. Da ist das Fenster noch ein wenig zu schmal."

Die ersten 25 K.o.-Duelle dieser Tournee stehen fest. Kraft bekommt es mit Schlierenzauer zu tun. "Die Sprünge und Bedingungen müssen passen. Alles andere ist mehr Show", meinte Schlierenzauer. Aschenwald trifft auf den slowenischen Tournee-Sieger von 2015/16, Peter Prevc. "Nachlegen ist sicher besser als Vorlegen. Ich schau, dass ich die grüne Linie überfliege", versprach Aschenwald. "Zu meinen Topsprüngen fehlt noch ein bisschen was. Viel ist es nicht, das schau ich mir bis morgen an."

Allzu viel Videoanalyse ist bei Kraft nicht notwendig. Er kündigte auch für Sonntag Attacke an. "Ich werde sicher wieder probieren, Raketen zu zünden. Es ist mein Motto, die Handbremse nicht anzuziehen und meine coolen Sprünge durchzuziehen. Ich hoffe, dass mir morgen zwei gelingen."

Nach seinem Sturz von Engelberg landete Kraft dieses Mal mit einem perfekten Telemark auf dem weißen Teppich, der flankiert von einer grau-braunen Landschaft von der Schattenbergschanze ins Tal führte. Den Schnee hatten die Organisatoren von Parkplätzen wie jenem des Langlauf-Areals kratzen müssen. Die Temperaturen waren für Kunstschnee-Produktion zu warm gewesen.

Auch wenn die Faszination Skispringen in diesen Dezember-Tagen der Bezeichnung Wintersport nur durch die Eisspur am Schanzenturm gerecht wird: Dem Zuschaueransturm in Oberstdorf tut das keinen Abbruch. Schon bei der Qualifikation kamen 15.500 Zuschauer, am Sonntag werden sogar 27.000 Menschen zum ausverkauften Spektakel strömen. Sie alle hatten sich ihre Karten aber auch bereits vor dem Saisonbeginn im November gesichert.

Ein guter Auftakt in Oberstdorf ist für den weiteren Verlauf der Vierschanzentournee wichtig. Sechs der jüngsten zehn Tournee-Sieger hatten auch schon beim ersten Bewerb im Kurort im oberbayerischen Allgäu die Nase vorne.

Von 2009/10 bis 2011/12 waren mit Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Schlierenzauer die Oberstdorf- und späteren Gesamtsieger identisch. Die aktuellen Stars wissen ebenfalls ein Lied von der Wichtigkeit eines Topstarts zu singen. Kraft legte 2014/15 mit dem Sieg zum Auftakt den Grundstein für seinen Triumph. Vorjahressieger Ryoyu Kobayashi und der Pole Kamil Stoch (2017/18) holten mit Oberstdorf-Schwung zuletzt sogar jeweils den Grand Slam (vier Siege hintereinander auf allen vier Schanzen).

In den vergangenen 14 Jahren standen 13 der 14 Gesamtsieger auch in Oberstdorf auf dem Stockerl. Einzige Ausnahme war der Norweger Anders Jacobsen (2006/07) als Vierter. Wer es zum Auftakt nicht in die Top Ten schafft, kann seine Hoffnungen auf den Gewinn des "Goldenen Adlers" in der Regel begraben. So war es zumindest in den vergangenen 50 Jahren.

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