12. März 2020 15:42

Sport

Kraft nach vorzeitigem Saisonende Gesamtweltcup-Sieger

Stefan Kraft ist vorzeitig zum zweiten Mal Gesamt-Weltcupsieger im Skispringen. Die FIS hat am Donnerstag entschieden, wegen der Ausbreitung des Coronavirus den Weltcup nicht mehr fortzusetzen. Der 26-jährige Salzburger hat diese große Kristallkugel aber keinesfalls "geerbt", sondern nach einer enorm konstanten Saison verdient gewonnen.

Für den Einzel-Doppel-Weltmeister von Lahti 2017 war es der zweite Gesamtsieg nach 2016/17. Nach 28 Einzelbewerben weist Kraft 140 Zähler Vorsprung auf seinen letzten verbliebenen Konkurrenten, Karl Geiger (GER), auf. Mit Philipp Aschenwald (10.) schaffte es ein zweiter ÖSV-Springer in die Top Ten der Endwertung. Im Nationencup musste sich Österreich allerdings Deutschland um 153 Punkte geschlagen geben und wurde Zweiter.

Der frisch gebackene Kugelgewinner, der auch die kleine Kristallkugel für das Skifliegen gewonnen hat, steht damit in Sachen Gesamt-Weltcup mit Armin Kogler, Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer auf einer Stufe. Auch dieses Trio hat die große Kugel zweimal gewonnen, von den Österreichern war nur Andreas Goldberger (3 Gesamtsiege) erfolgreicher.

"Natürlich hat man es sich anders vorgestellt, dass man auf der Schanze seine Sprünge macht. Aber es war eine neue Situation, wo jeder ins Zimmer kommt oder dir am Gang gratuliert und um den Hals fällt", erklärte Kraft im APA-Interview. Der Pongauer war für den für Donnerstagabend angesetzten Weltcup-Bewerb in Trondheim eigentlich schon bereit, als die FIS die Saison per sofort beendete.

Vermiesen lassen wollte sich der stets gut gelaunte Kraft die Siegesparty aber nicht. "Es ist ja nicht so, dass es durch Zufall passiert ist. Es fängt ja doch im November an und 140 Punkte Vorsprung ist auch etwas, wo ich sage, das hätte ich mir bis Sonntag nicht mehr nehmen lassen", glaubt Kraft. Er schraubte in dieser Saison seine Anzahl an Weltcup-Einzelsiegen um fünf auf 21, einer davon war der langersehnte Heimsieg in Österreich, genauer gesagt beim Skifliegen auf dem Kulm.

"Ich wäre optimistisch gewesen, dass ich den Sack sonst halt auf der Schanze zugemacht hätte", stellte Kraft fest, auch wenn es weniger emotional als auf der Schanze gewesen sei. Mit den ebenfalls abgesagten Skiflug-Weltmeisterschaften in Planica haben Kraft und Co. ein weiteres Saisonziel wegen des Ausbruchs des Coronavirus verloren. Die WM wäre ohne Zuschauer über die Schanze gegangen.

Kraft sah das eher gelassen. "Ohne Zuschauer hätte ich mir Planica nicht vorstellen können. Wenn du um Medaillen fliegst und wenn man das Planica-Feeling kennt, und möglicherweise auch um den Weltrekord und dann ist kein Mensch da, da ist mir lieber, sie machen es auch vielleicht nächstes Jahr. Da bin ich jetzt gar nicht mehr so böse."

Den eigentlichen Grund für die nunmehr verkürzte Saison, die durch das Virus ausgelöste Pandemie, hatte Kraft erst in Oslo so richtig realisiert. "Als das erste Mal keine Zuschauer da waren." Sonst habe er nicht viel mitbekommen. "Ich war so in meinem Tunnel drinnen. Ich habe in den letzten Monaten wie ein Roboter funktioniert."

Kraft erhält nun am Montag in Salzburg die Auszeichnungen für seine erfolgreiche Saison, die große und die kleine Kristallkugel. Doch an Zielen mangelt es ihm auch weiterhin nicht. "Die Ziele gehen mir nie aus. Ich habe wieder eine Riesenfreude gehabt. Nächstes Jahr ist wieder eine WM, Olympia steht noch an - ich habe noch große Ziele."

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