27. Februar 2020 16:30

Sport

Kugel-Kampf im Hinterstoder-Triple der Ski-Herren

Mit einem Triplepack in Hinterstoder biegt der alpine Ski-Weltcup der Herren am Wochenende in die entscheidende Phase ein. In der Kombination fällt bereits am Freitag eine Entscheidung, für den Super-G am Samstag können die ÖSV-Asse die noch mögliche Kristallkugel verlieren, aber nicht gewinnen. Den Abschluss bildet am Sonntag die österreichische "Problemdisziplin" Riesentorlauf.

Verbandspräsident Peter Schröcksnadel setzte die Erwartungen vor dem Heimweltcup hoch an. "In Saalbach haben wir es versäumt, in Kitzbühel haben wir gewonnen - und das wollen wir auch hier", sagte Schröcksnadel zur APA. "Wir haben in allen Disziplinen gute Chancen aufs Stockerl, sogar im Riesentorlauf. Das Gelände kommt uns entgegen, vor allem dem Marco Schwarz."

Der Kärntner bestreitet seine erste Kombination, nachdem er sich im Februar des Vorjahres in Bansko bei einem Sprung (ohne Sturz) das Kreuzband gerissen hatte. Der WM-Dritte von Aare in dieser Disziplin könnte am Freitag vorlegen - sofern das Wetter mitspielt. Denn aufgrund der aktuellen Wettervorhersage durch das Sturmtief "Bianca" haben sich die Veranstalter dazu entschlossen, die Disziplin-Reihenfolge für die Kombination am Freitag zu tauschen: Begonnen wird nun mit dem Slalom am Vormittag (ab 10.00 Uhr), der Super-G folgt dann am Nachmittag (13.30).

Für Techniker wie Schwarz ist das kein Nachteil. "Wenn ich im Slalom das zeige, was ich drauf habe, kann ich im Super-G, der eher technisch ist, vorne wegfahren", sagte Schwarz, der am Donnerstag nach dem Japan-Trip noch ein wenig mit dem Jetlag kämpfte. Dass zuerst der Slalom ansteht, kommt wohl auch dem Disziplin-Führenden Alexis Pinturault entgegen. Der Franzose geht mit 68 Punkten Vorsprung auf den Norweger Aleksander Aamodt Kilde ins Rennen, auch Wengen-Sieger Matthias Mayer hat als Vierter mit 80 Punkten Rückstand noch Chancen.

Der in der Kombinations-Gesamtwertung drittplatzierte Schweizer Loic Meillard verzichtet auf das Antreten. Sein Fokus liege auf dem Riesentorlauf am Sonntag, teilte Swiss Ski mit. Meillard hatte sich vergangene Woche beim Freeriden in Japan eine tiefe Schnittwunde am linken Unterschenkel zugezogen, die operiert werden musste.

Das Führungstrio im Gesamtweltcup um die beiden Norweger Kilde, Henrik Kristoffersen und Pinturault ist elf Rennen vor Schluss nur durch 124 Punkte getrennt. Alle drei wollen deshalb das für die Endabrechnung möglicherweise entscheidende Hinterstoder-Triple bestreiten. "Ja, ich glaube, dass Hinterstoder die Vorentscheidung im Weltcup bringen kann", sagte Pinturault zu den "Salzburger Nachrichten". "Es ist ein Wochenende für Allrounder und da wird man sehen, bei wem derzeit die Form am besten passt." Im ÖSV-Lager trauen die meisten allerdings dem derzeit Führenden den großen Coup zu. "Es ist unglaublich, was der Aleks zeigt und wie konstant er vor allem im Riesentorlauf unterwegs ist", sagte Vincent Kriechmayr. "Mich als Speedfahrer würde es freuen, wenn es ein Speedfahrer macht."

Während die Kombi wackelt, schaut die Wetterprognose für Samstag deutlich besser aus. Im Super-G werden 12.000-14.000 Zuschauer ihren Local-Hero Kriechmayr anfeuern. "Ich glaube, mein Fanclub, mein Skiclub und die Schulkollegen haben am Samstag eine eigene Tribüne. Sie sind bereit, ich hoffe, dass ich sie nicht enttäusche." Die Anreise des Mühlviertlers war von unzähligen Porträts von sich selbst entlang der Fahrbahn gepflastert. Die Drucksituation ist da. "Die Erwartungshaltung an mich selber ist sehr groß. Ich kenne den Hang sehr gut und will das natürlich auch zeigen."

In Hinterstoder gehen bei der zehnten Auflage erstmals seit vier Jahren wieder Weltcup-Rennen in Szene. Marcel Hirscher ließ damals die rot-weiß-roten Herzen mit drei Podestplätzen, aber keinem Sieg, höherschlagen. Wurde damals der Riesentorlauf von Adelboden nachgetragen, so gilt dies heuer für jenen von Val d'Isere. Danach stehen derzeit mit Kvitfjell, Kranjska Gora und Cortina d'Ampezzo noch drei Stationen auf dem Programm. Für das Finale im italienischen Nobel-Skiort entschied der Internationale Skiverband FIS jedoch bereits, aufgrund der Nähe zu vom Coronavirus betroffenen Gebieten die Rennen ohne Zuschauer auszutragen.

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