16. Oktober 2019 16:19

Politik

Kurz bei Vorzugsstimmen im Bund klar Erster, Kickl vor Hofer

ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat auch heuer - wie 2017 - bei weitem die meisten Vorzugsstimmen der Bundeslisten-Kandidaten erhalten. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten amtlichen Endergebnis kam Kurz auf 155.803 Nennungen. FPÖ-Listenzweiter Herbert Kickl erhielt 75.699 und überflügelte damit FPÖ-Chef Norbert Hofer deutlich. Dieser kam auf 30.502 "persönliche" Stimmen.

Fast die Hälfte seiner Stimmen lukrierte Kurz mit 61.339 Stimmen allein in Niederösterreich, dahinter kommen Tirol (19.605), Wien (19.336) und Oberösterreich (14.199). Insgesamt erhielt der türkise Spitzenkandidat von 8,71 Prozent der ÖVP-Wähler eine Vorzugsstimme. Damit hätte er die notwendigen sieben Prozent für eine Vorreihung übersprungen. Da er aber ohnedies Listenerster war, kommt das nicht infrage.

Die einzige Vorreihung auf der Bundesliste gibt es bei den Freiheitlichen: Der geschäftsführende Klubobmann Herbert Kickl erhielt von 9,8 Prozent der FPÖ-Wähler eine Vorzugsstimme - und wird damit vor Parteichef Hofer auf Platz 1 vorgereiht. Denn Hofer kam nur von 3,95 Prozent der FPÖ-Wähler gültige Vorzugsstimmen.

Die meisten seiner Vorzugsstimmen erzielte Kickl mit 17.838 in seinem Heimatbundesland Niederösterreich. Und er überholte auch in der Heimat Hofers seinen Parteichef: Mit 2.383 Vorzugsstimmen lag Kickl im Burgenland knapp vor dem Listenersten, der dort auf 2.010 dieser Stimmen kam.

Hofer hatte allerdings bereits vor Vorliegen des Endergebnisses beklagt, dass eine erkleckliche Anzahl seiner Vorzugsstimmen ungültig sei, weil es auf der freiheitlichen Bundesliste noch einen Kandidaten mit dem selben Familiennamen gab. Stimmzettel, auf denen lediglich "Hofer" eingetragen war, seien somit nur für die FPÖ, aber nicht als Vorzugsstimme gültig gewertet worden. Denn die strenge Vorschrift bei der Auszählung der Stimmzettel lautet, dass der Wählerwille eindeutig erkennbar sein muss. Der ebenso wie Norbert Hofer betroffene Wolf Dieter Hofer, der auf Platz 113 der blauen Bundesliste kandidierte, bekam gerade einmal 17 Vorzugsstimmen.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner erhielt insgesamt 26.875 Vorzugsstimmen (2,66 Prozent der SPÖ-Wähler), die meisten davon mit 12.259 aus Wien. Bemerkenswert ist aber, dass der Salzburger SPÖ-Gemeinderat Tarik Mete, der auf Platz 134 der Bundesliste kandidierte, insgesamt 15.382 Stimmen erzielte - und damit mehr als die Hälfte von Rendi-Wagner (bzw. 1,52 Prozent der SPÖ-Wähler) für sich begeistern konnte. Gebracht hat ihm das nichts, von einer Vorreihung und damit einem Mandat war er weit entfernt.

Grünen-Spitzenkandidat Werner Kogler hat insgesamt 25.789 "persönliche" Stimmen eingesammelten (3,88 Prozent der Grünen Wähler). Neben Wien (8.907) kamen die meisten mit 4.033 aus Koglers Heimatbundesland, der Steiermark, sowie aus Niederösterreich (4.000).

Im Ranking der Spitzenkandidaten machte NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger mit 15.435 Stimmen den fünften Platz (4 Prozent der pinken Wählerschaft), vor JETZT-Frontmann Peter Pilz (4.277).

Auch auf Ebene der Regional- und Landeswahlkreise haben die Vorzugsstimmen nur wenige Änderungen gegenüber den Parteilisten bewirkt. Dem 2017 ausgeschiedenen SPÖ-Langzeitabgeordneten Josef Cap ist es nicht geglückt, über eine Vorzugsstimmenkampagne wieder in den Nationalrat einzuziehen - und auch die frühere SPÖ-Staatssekretärin Muna Duzdar bekam zu wenig Vorzugsstimmen für den Verbleib.

Cap hätte im Wiener Wahlkreis Nord-West 4.061 Vorzugsstimmen gebraucht, um als Listenvierter Spitzenkandidatin Nurten Yilmaz zu überholen und ihr das eine von der SPÖ geholte Direktmandat abzunehmen. Da er das gesetzliche Vorreihungs-Kriterium von 14 Prozent der Parteistimmen nicht geschafft hat, half es Cap auch nichts, dass er mehr persönliche Nennungen schaffte als Yilmaz.

Ähnlich erging es Duzdar: Sie holte im Regionalwahlkreis Wien Nord zwar mit 2.263 auch mehr Vorzugsstimmen als die Listenerste Ruth Becher (1.896) - aber sie kam nicht einmal in die Nähe der für die Vorreihung nötigen 6.716. Somit bleibt Becher das SPÖ-Mandat in diesem Wahlkreis.

Bereits im Vorfeld "gewirkt" hat ein Vorzugsstimmenwahlkampf in der Tiroler ÖVP - der prompt auch das erwartete Ergebnis brachte: Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger holte sich mit 12.846 Vorzugsstimmen als Listenvierter das einzige ÖVP-Direktmandat im Wahlkreis Unterland. Das war mehr als das Doppelte der nöitgen 5.409 Nennungen - und tirolweit das beste Ergebnis. Zu verdanken hat Hechenberger das der Mobilisierungskraft des Bauernbundes - und das war dem ursprünglichen Wahlkreis-Spitzenkandidaten und bisherigen Abgeordneten Josef Lettbichler auch klar. Mit der Bemerkung, er stehe für "diese politischen Hahnenkämpfe" nicht zur Verfügung, zog er seine Kandidatur zurück.

In der Steiermark hat ein Kandidat die Vorreihung geschafft - will sein Mandat aber gar nicht. Der frühere Verteidigungsminister Mario Kunasek kam im Regionalwahlkreis Graz auf genug - nämlich 5.365 - Vorzugsstimmen für die Vorreihung. Aber für ihn war bei seiner "Solidaritätskandidatur" an letzter Stelle schon klar, dass er Spitzenkandidat bei der steirischen Landtagswahl am 24. November ist - und im Landesparlament bleiben will.

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