7. November 2019 16:43

Kultur

Kurzfristiger Wirbel um jugoslawischen Pass von Handke

Ein im Jahr 1999 ausgestellter jugoslawischer Pass Peter Handkes hat kurzfristig für Wirbel gesorgt. Die Online-Plattform "The Intercept" hatte laut der Online-Ausgabe des "Standard" über den Pass berichtet. Ein Foto des Dokuments ist seit Längerem auf der Website des Handke-Archivs der Österreichischen Nationalbibliothek online einzusehen, wurde nach dem Bericht aber für kurze Zeit entfernt.

Das bestätigte Bernhard Fetz, Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, dem "Standard". Das Foto stamme demnach aus dem Privatarchiv des Salzburger Handke-Freundes Hans Widrich, der am Mittwoch darum gebeten hatte, es aus der Datenbank zu entfernen. Seit Donnerstag ist das Foto jedoch wieder abrufbar, nachdem Widrich sich mit Handke über die Freigabe abgesprochen hat.

Der im Jahr 1999 ausgestellte Pass hat nun auch die Behörden auf den Plan gerufen: Nach dem Bericht von "The Intercept" hat der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) die Kärntner Landesamtsdirektion beauftragt, den Sachverhalt "umgehend zu überprüfen". Das bestätigte man auf APA-Nachfrage am Donnerstag.

In der Folge hatte der Völkerrechtler und Politikwissenschafter Ralph Janik, Mitglied der Rechercheplattform Addendum, vom Innenministerium zur diesbezüglichen Rechtslage die von ihm auf Twitter veröffentlichte Auskunft erhalten: "Wenn ein Österreichischer Staatsbürger eine fremde Staatsangehörigkeit durch eine Willenserklärung erwirbt, verliert er damit automatisch die österreichische Staatsbürgerschaft außer er hätte vorher um eine Bewilligung der Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft angesucht. (...) Das Bundesministerium hat daher das im konkreten Fall zuständige Amt der Landesregierung über den Sachverhalt verständigt."

Eine Ausnahme vom Verbot der Doppelstaatsbürgerschaft ist nur dann möglich, wenn Österreicher, die sich in einem anderen Staat einbürgern lassen wollen, um eine entsprechende Bewilligung ansuchen, die österreichische Staatsangehörigkeit behalten zu dürfen, was nur in Ausnahmefällen ermöglicht wird. "Handke hat diesen Antrag nie gestellt", hieß es hierzu beim Kärntner Staatsbürgerschaftsreferat gegenüber dem "Standard".

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