27. Dezember 2019 16:03

Politik

Längerer Streik als 1995: Touristen meiden Frankreich

Der Streik im öffentlichen Nah- und Fernverkehr schreckt Frankreich-Touristen zunehmend ab. Geschäftsleute, Gastronomen und Hoteliers in Paris blicken mit Sorge auf die Feiern zu Silvester, die in der Regel ein Millionen-Publikum in die französische Hauptstadt locken. Unterdessen teilte die Bahngesellschaft SNF mit, die Streiks werden auch zur Jahres wende weitergehen.

Der Ausstand vieler Mitarbeiter von Bahn und Nahverkehrsbetrieben gegen die geplante Pensionsreform sei mit 23 Tagen nun länger als der große Streik im Winter 1995, berichtete der Nachrichtensender BFMTV am Freitag. In Paris blieben Metro-Linien und -Stationen erneut komplett geschlossen, wie die Verkehrsbetriebe der Stadt mitteilten. Auch der Verkehr der Staatsbahn SNCF war weiterhin eingeschränkt.

Zwischen November und Dezember 1995 hatten französische Gewerkschaften den öffentlichen Verkehr für 22 Tage lahmgelegt. Der damalige Premierminister Alain Juppé hatte versucht, das Pensions- und Sozialversicherungssystem zu reformieren. Die Regierung machte schließlich einen Rückzieher.

Vor allem Zugreisende müssen in der kommenden Woche erneut mit Einschränkungen rechnen. Bis ins neue Jahr hinein können Zugreisende nicht wirklich auf Besserung hoffen: Zwischen Montag und Donnerstag kommender Woche verkehren im Schnitt nur zwischen 45 und 50 Prozent aller TGV-Schnellzüge, wie die SNCF mitteilte. Am Neujahrstag fallen demnach sogar 65 Prozent aller Hochgeschwindigkeitszüge aus.

Am Wochenende will sich die Bahngesellschaft nach eigenen Angaben bemühen, möglichst viele Menschen aus dem Weihnachtsurlaub wieder nach Hause zu bringen. Dann sollen 60 Prozent der Hochgeschwindigkeitszüge fahren. Das Augenmerk liegt demnach besonders auf viel befahrenen Strecken wie Paris-Straßburg oder Paris-Marseille. Erwartet werden rund 800.000 Passagiere.

Im Machtkampf zwischen der aktuellen Regierung unter Präsident Emmanuel Macron und den Gewerkschaften zeichnet sich derzeit keine rasche Lösung ab. Eine Streikpause zu den Feiertagen - wie von Staatschef Macron angeregt - kam nicht zustande. Die Regierung will erst am 7. Jänner wieder mit den Sozialpartnern zusammenkommen.

Vor und nach Weihnachten sind in Frankreich Hunderttausende Menschen unterwegs. Seit Beginn des Ausstands am 5. Dezember hat die Zahl der streikenden Angestellten der Staatsbahn SNCF abgenommen. Nach Angaben der SNCF streikten am Donnerstag rund 39 Prozent der Lokführer und 22 Prozent der Kontrolleure. Am ersten Streiktag hatten knapp 86 Prozent der Fahrer und 73 Prozent der Schaffner die Arbeit niedergelegt.

Hunderttausende Menschen gingen bisher gegen die Pensionspläne auf die Straße. Die Regierung will die Aufsplitterung in über 40 Pensionskassen beenden und ein Einheitssystem schaffen. Außerdem sollen die Franzosen länger arbeiten. Die Regierung bot zwar lange Übergangsfristen an, den Gewerkschaften reichte das jedoch nicht aus.

Vor allem der Tourismus und der Einzelhandel in Paris verzeichnen derzeit starke Einbußen. Vielen Gästen sei das Risiko zu hoch, in das blockierte Paris für ihren Urlaub zu kommen, sagte der Geschäftsführer der Pariser Luxushotels Le Meurice und Plaza Athénée, François Delahaye, der Nachrichtenagentur AFP. Die wohlhabenden Touristen würden in diesem Jahr eher auf die britische Hauptstadt London oder die US-Metropole New York ausweichen, so Delahaye.

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